Eine missliche Lage

Ich frage mich, wo die Ausstellungen hin sind, in denen Mann oder Frau einfach ein Kunstwert betrachtete und dieses als schön, hässlich, beeindruckend, kitschig, und vieles mehr empfinden konnte?!

Bei der Ausstellung Dort, wo unser Sprache endet, komme ich jeden Tag vorbei im Kulturzentrum der Minoriten genügt es nicht, ein Kunstwerk einfach zu betrachten, um dieses beurteilen zu können; es ist auch erforderlich, die Ideen und Philosophien der Kunstwerke zu verstehen. Dies ist jedoch eine Herausforderung für den Besucher. Trotz Beschreibungen der einzelnen Exponate, blickt Mann oder Frau nach wie vor ratlos auf manche dieser Werke. Daher würde ich, trotz manch interessanter, spielerischer und zum Teil lustig interaktiver Installationen eher eine Führung, als ein verträumtes herumstreunen in den Ausstellungsräumen empfehlen.

Diese Ausstellung bringt mich in eine missliche Lage: zum einen wünsche ich mir Ausstellungen, bei denen ich mich berieseln lassen kann und ohne viele Gedanken von der Schönheit verzaubert werde, zum andern finde ich es erstrebenswert, dass man mithilfe der Kunst zum Nachdenken angeregt wird, um so einen Dialog zu fördern.

Ö-Slam 2014

Ein Wochenende voll vielfältiger Poesie!

Am 17. und 18. Oktober fanden die 8. Österreichischen Meisterschaften im Poetry Slam im großen Minoritensaal statt. Es waren 26 Slammer und Slammerinnen nominiert, die in zwei Vorrunden am Freitagabend um die Gunst des Publikums warben. Zehn Auserkorene hatten die Ehre, am Samstag nochmals Ihr Bestes zu geben, um Meister/in des Poetry Slams zu werden.

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(c) Edelmueller & Lozar

Die Jury des Abends, die die Künstler/innen bewertet, bestand zum einen aus zufällig ausgewählten Personen/Gruppen und zum anderen aus dem Publikum selbst, das indirekt seine Stimmung mittels verhaltenen oder tobenden Applauses zum Ausdruck bringen konnte. Eine wichtige Grundregel war und ist jedoch immer: RESPECT THE POET!

Wer sich einen gemütlichen Abend mit schönen Gedichten erwartet hat, der hat sich geirrt. Die abwechselnden Moderatoren Mieze Medusa, Markus Köhle und Diana Köhle heizten die Stimmung im Saal an, und animierten das Publikum zu kollektiven Zwischenrufen. Außergewöhnliche Darbietungen wurden nicht nur mit einer hohen Punktezahl gekürt, sondern auch mit einer Welle aus dem Publikum. Die Stimmung war großartig!
Viele der Poeten selbst baten um Unterstützung aus dem Publikum, wie zum Beispiel einem glorreichen „Vergelt‘s Gott“ bei Christian Schreibmüller.

Die Abende zeichneten sich durch Vielfältigkeit aus. Die Themen und Textgattungen reichten von lustigen Alltagsgeschichten, Satiren, gesellschaftskritischen Themen, ernst oder mit Humor verpackt, bis hin zu berührenden und schockierenden Texten. Somit geschah es, dass ich in der einen Minute lachend auf meinem Stuhl auf und ab hüpfte und in der nächsten mich nicht mehr zu bewegen getraute und dem Atem anhielt, wie etwa bei der Poetin „die Karin“: „Die Hungerten ein Hungermeer, auf dem die Satten treiben.“
Viele Botschaften klingen noch in meinen Ohren nach, wie jene von Adina Wilcke zum Thema „Hässlichkeit“: „Lasst uns alle Manner-Schnitten sein! Keiner trägt dieses hässliche Altrosa mit so viel Würde!“
Bei manchen Vorträgen war es jedoch kaum möglich den Inhalt zu fassen, da die Zuhörer/innen im schnellen Staccato von unglaublich vielen Wörtern bombardiert wurden. Das einzig Verbleibende ist dann ein Staunen darüber, wie viele Wörter in einer Minute auswendig vorgetragen werden können. Die Essenz des Textes ging dabei leider verloren.
Das Finale am Samstagabend startete voller Vorfreude und mit super Stimmung. Bevor der Wettbewerb begann, wurde Klaus Lederwasch als „Opferlamm“ vorgeschickt, um eines seiner Werke zum Besten zu geben. Damit konnte sich die Jury ein besseres Bild machen, um objektiv zu beurteilen.
Von den zehn Finalisten und Finalistinnen durften die besten vier (Adina Wilcke, Yannick Steinkellner, Wolfgang Heyer und Elias „Hirschl“) nochmals ihr Bestes geben. Mit 60 von möglichen 60 Punkten gewann „Hirschl“ durch den Text „Rosa Brille“ den Ö-Slam 2014 und, mit den Worten von Mieze Medusa, kam dies einem kollektiven Begriffsorgasmus gleich. „Hirschl“ blieb bei seinen drei Performances seinem Stil treu. Es waren humorvolle und wortgewandte Gedichte auf gleichbleibend hohem Niveau. Am Ende kam es mir jedoch nicht wie ein Wettbewerb vor, denn es schien so, als sei das Ziel der Poeten nicht zu gewinnen, sondern mit außergewöhnlicher Poesie die Leute zu berühren und zu begeistern.

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(c) Edelmueller & Lozar

Ich gratuliere „Hirschl“ zu seinem Sieg und auch allen anderen zu Ihrer großartigen Leistung.

Hier der Link zur Homepage des Kulturzentrums bei den Minoriten:

http://www.kultum.at/?d=oe-slam-2014

Courage: die GERECHTEN

Die Ausstellung „die GERECHTEN“ im Kulturzentrum Minoriten widmet sich, worauf der Untertitel, „Courage ist eine Frage der Entscheidung“, schon hinweist, dem Thema Zivilcourage in Österreich zu Zeiten des Nationalsozialismus.

die GERECHTEN (c) Kulturzentrum Minoriten

die GERECHTEN (c) Kulturzentrum Minoriten

Unter den GERECHTEN versteht man eine internationale Auszeichnung der Gedächtnisstätte Yad Vashem (Jerusalem), die damit Menschen gedenkt, die während des Nationalsozialismus Juden und Jüdinnen geholfen haben. Zu Beginn wird kurz auf das Ausstellungsdesign hingewiesen: der Kontrast von hell und dunkel sowie der zwischen helfenden Menschen und TäterInnen des Regimes soll dadurch, dass beide dargestellt sind, aufgezeigt werden.

Die ersten zwei Räume der Ausstellung führen in den zeithistorischen Kontext ein und beschreiben mithilfe von Fotografien sowie Texten die 1930er/40er Jahre in Österreich. Danach schreitet man durch eine „Allee der TäterInnen“ (ebenso mit Fotografie und Text) zur Darstellung der Einzelschicksale.

Die nachfolgenden Räume widmen sich der multimedialen Darstellung der GERECHTEN. In Erinnerung bleibt vor allem das knapp zehn Minuten dauernde Videointerview mit Dr. Lucia Heilman (geb. Kraus), die die immer schwieriger werdenden Bedingungen schildert, unter denen sie gemeinsam mit ihrer Mutter bis zum Kriegsende von einem Freund der Familie, Reinhold Duschka, vor den NationalsozialistInnen versteckt wurden: zunächst in dessen Werkstatt, dann, nachdem diese von Bomben zerstört wurde, für vier Monate in einem Kellerabteil.

Ein weiterer Gerechter, der hervor sticht, ist Julius Madritsch, der ähnlich wie der international bekannte Oskar Schindler versuchte, in seiner Textilfabrik jüdische ArbeiterInnen zu beschäftigen. Von ihm ist ein Koffer, in dem sich ein Album mit Fotos zu den damaligen Arbeitsbedingungen befand, erhalten.

Der bereits zu Beginn angesprochene Kontrast zwischen hell und dunkel, wird besonders gut in einem abgedunkelten Raum umgesetzt, in dem helle quadratische Würfel leuchten, auf denen jeweils ein/e Gerechte/r abgebildet ist.

Aktuellen Bezug bekommt die Ausstellung durch die abschließende Frage, was Zivilcourage heute bedeutet sowie dem Verweis auf die Möglichkeit eines Zivilcourage-Trainings in Österreich.

Die Ausstellung bietet eine interessante Perspektive auf diese Thematik und macht viele Einzelschicksale innerhalb des Nationalsozialismus sichtbar. Dadurch ergibt sich auch die Textlastigkeit der Ausstellung, wodurch es zeitlich schwierig ist, sich wirklich alle Einzelschicksale durchzulesen. Die zusätzlich gezeigten Videobeiträge waren teilweise fast zu leise bzw. mit einer Dauer von 45 Minuten schlichtweg zu lange, um diese ganz ansehen zu können.

Weitere Infos zur Ausstellung, die noch bis zum 20. Juli zu besichtigen ist, unter: die GERECHTEN