Zum Sterben verliebt

Montague und Capulet- das sind mit Abstand zwei der bekanntesten Familien der Literaturgeschichte. Noch größere Bekanntheit genießen ihre Sprösslinge- Romeo und Julia. Die Grazer Oper hat sich dem Klassiker von Shakespeare angenommen- und zeigt „Roméo et Juliette“, auf Französisch mit deutschen Übertiteln, als Oper von Charles Gounod. Das Fazit: klassisch schön.

Es beginnt wie es endet: mit dem Tod. Bevor die eigentliche Besetzung dem Publikum vorgestellt wird, erscheinen, in schwarz- weiß gekleidet, zwei Balletttänzer, Mann und Frau, auf der Bühne- sie stellen symbolisch Romeo und Julia dar. Innerhalb kürzester Zeit wird aus dem Liebes- ein Totentanz und sie erzählen in flüssigen Bewegungen das Ende des Liebespaares. Bei Romeo und Julia ist dies jedoch ohnehin kein Geheimnis mehr.

Vor einer  halbrunden Steinwand in deren Mitte sich ein riesiges Tor mit Doppeltür befindet, spielt sich das Geschehen ab. Durch das Zufügen bzw. Wegnehmen einzelner Elemente, ist die Bühne (Ben Baur) äußerst wandlungsfähig. Fungiert sie im belassenen Zustand als Außenplatz, wird sie durch das Hinzufügen von Tischen, Stühlen und einem Kristallluster zum Saal umfunktioniert. Damit ergeben sich auch einige eindrucksvolle Momente während des Stücks- z.B. der vermeintliche Tod Julias während ihrer Hochzeit mit dem Grafen- als der Tod höchstpersönlich hoch zu Ross (wohlgemerkt einem echten, weißen Ross) durch das Tor geritten kommt. Sehr bildgewaltig. Bühne und Kostüme (Uta Meenen)- klassisch mit prunkvollen Kleidern für die Frauen und Anzügen für die Männer- unterstreichen das Zeitlose der Oper.

Neben der Bildgewalt prägt auch die Stimmgewalt den Abend- mit Katerina Tretyakova singt eine Julia, die nicht nur ausdrucks- sondern auch stimmstark ist. Aber auch ihr Romeo- Jesús León- kann sich hören lassen. Er ist ihr ein ebenbürtiger Partner. Einzig allein das Feuer der Liebe scheint nie ganz zwischen den Beiden zu entfachen, was der Tragik der Oper leider etwas entgegenspielt. Bezüglich Stimme begeistert auch der Chor, der in Dienstuniform und als Personal der Familien auftritt.

Aus ‚Alt mach Neu‘ gilt hier nicht- stattdessen setzt Ben Baur mit seiner Inszenierung auf Altbewährtes. Vom Handlungsablauf wird nicht groß abgewichen- Kinder der verhassten Familien verlieben sich, dürfen nicht, und sterben. Wer jedoch auf die berühmte Balkonszene wartet, wird enttäuscht- die gibt es nämlich nicht. Stattdessen gibt es einige willkommene Überraschungen, allen voran eine kleine Tänzerin, die Julia als Kind darstellt, und ihr oft nicht von der Seite weicht- sie steht als Symbol für Julias Hang zur Jugend und Freiheit, denn die möchte sie nicht verlieren.

„Romeo et Juliette“ ist eine kleine Hommage an das zeitlose Stück von William Shakespeare. Angesicht zu Angesicht stehen sich Liebe und Tod gegenüber. Mehr braucht es nicht damit der Stoff von Romeo und Julia funktioniert. Und das tut es in Graz durchaus.

Mehr Informationen und weitere Termine gibt es hier.

 

 

Ein Tanz durchs Jahr in Bildern – Die Jahreszeiten

Bild: Philipp Imbach, Lucie Horná, Statisterie der Oper Graz © Ian Whalen

Die Grazer Oper wird zur Galerie, denn im Ballett „Die Jahreszeiten“ erwachen Bilder verschiedener Epochen zum Leben und tanzen durchs Jahr.  

Eine Gemäldegalerie – grau und trist – wird erst durch ihre Gemälde bunt und lebendig. In diesem Fall wirklich lebendig, denn die Figuren aus den Kunstwerken stehen auf der Bühne und verzaubern das Publikum mit einer Vielfalt an tänzerischen Stilen. Spitzentanz, ländlicher Tanz, Rokoko – alles ist dabei. Nicht nur die Choreographie von Beate Vollack macht das Stück zum Hit, denn auch die Kostüme sind beeindruckend farbenfroh und originell. Bis zu 16 Kostümwechsel werden durchgeführt und spiegeln die Vielfalt der Jahreszeiten wider. Passend zu den Jahreszeiten wechseln auch die gigantischen Gemälde auf der Bühne, die sich immer wieder wie durch Zauberhand bewegen und  den Chor zum Vorschein bringen.

Musikalisch hat Joseph Haydn mit seinem Oratorium einen bunten Mix kreiert in dem jede Jahreszeit einen eigenen Touch bekommt. In der Grazer Oper begleitet das Orchester unter der musikalischen Leitung von Robin Engelen die Tänzer hervorragend durch das Jahr.

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Ballett der Oper Graz, Chor der Oper Graz
© Ian Whalen

 

Es hat alles miteinander harmoniert und perfekt zusammengespielt, doch dann tanzte ein Schaf aus der Reihe! Mit seiner verrückten Art machte es das Stück besonders unterhaltsam, doch auf keinen Fall belämmert!

Mehr Infos und Karten unter Oper-Graz.at

An die Tafel (oder den Pranger) mit Dir! – Der Schüler Gerber

BILD: David Valentek als Zasche (genannt „Spuk“, lungenkrank) © Lupi Spuma

Im Next Liberty kommen Schülerinnen und Schüler von der Schule in die Schule, denn dort wird der Roman „Der Schüler Gerber“ von Friedrich Torberg in der Bühnenfassung von Felix Mitterer unter der Regie von Michael Schilhan aufgeführt. „Scheri“ spiegelt wohl so einige Leiden der Jugend wieder, doch das größte Leid tut ihm der Professor Kupfer an. Wer gewinnt den Machtkampf im Klassenzimmer? 

Der Roman von Friedrich Torberg übt Kritik am Schulwesen und ganz besonders am Lehrpersonal. Eine Determiniertheit herrscht im Klassenzimmer vor, denn gute Schülerinnen und Schüler bleiben gut und schlechte bleiben schlecht. Diese Hierarchie scheint einzig und allein von Prof. „Gott“ Kupfer dem Mathematiklehrer und Klassenvorstand (gespielt von Helge Stradner) bestimmt zu werden. Kurt Gerber (Michael Großschädl), auch „Scheri“ genannt, will in der Maturaklasse aufholen und die Reifeprüfung bestehen. Dieser Optimismus wird von Kupfer nicht wertgeschätzt und er setzt alles darin Gerber als „unreif“ darzustellen.

Vor der Matura stirbt einer der Klassenkameraden, der Grund bleibt unklar, jedoch scheint der Druck in der Schule eine Rolle zu spielen. Auch Gerber kämpft mit sich und träumt sich in die Zukunft, in der er mit Frau und Kindern – und Matura – am Esstisch sitzt. Dazu soll es nicht kommen, denn bei der mündlichen Matura dreht ihm Kupfer einen Strick. Der junge Mann weiß keinen anderen Ausweg, als aus dem Fenster zu springen und das nur einige Minuten bevor seine Klassenkameradin ihm mitteilen will, dass das Komitee gegen Kupfer gestimmt hat und ihn für „reif“ erklärt hat.

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Professor Kupfer (Helge Stradner) betritt die Klasse – Stille  © Lupi Spuma

Die Bühne (Mignon Ritter) bildet eine überdimensionale Tafel, auf der einige Formeln stehen. Im Stück wird die hintere Tafelwand einige Male transparent und Szenen im Elternhaus oder im Kino spielen sich dahinter ab. Auf dieser Tafel sitzen die Schülerinnen und Schüler in Reih und Glied stilvoll gekleidet wie in den 30er Jahren.

Ein Klassiker, der nicht nur für Schülerinnen und Schüler sondern auch für das Lehrpersonal von Interesse ist und zum Denken anregt.