Lieder in Basslage


(c) Claudia Leopold

Der deutsche Sänger René Pape gab sein Debüt im Musikverein mit zumeist düster gefärbtem Liedgut.

Bei der Auswahl der Lieder an diesem Abend ließen Pape und der Pianist Camillo Radicke keine originellen Einfälle missen. Noch eher allgemein wurde das Programm mit sechs Beethoven Liedern (op. 48) begonnen. Die Stücke nach Gedichten von Christian Gellert wurden 1801/02 komponiert und lassen noch sehr wenig von der wütigen Leidenschaft späterer Beethoven Lieder ahnen. Papes Stimme gab sich von Beginn an voller Präsenz und Fülle über sein ganzes Register. Als Überraschung des Abends entpuppten sich die folgenden „Biblischen Lieder“ des Antonín Dvořák. Eine feine Auswahl von Psalmen fand hier eine feine und aufgeschlossene Vertonung, die von den Interpreten in gesteigerter Intensität vorgetragen wurden. Geführt durch seinen Begleiter am Klavier fand Pape im Lied zum Psalm 23 das erste Mal ganz zur Ruhe. Ein einziger Anschlag genügte Camillo Radicke hier bereits, um der Musik scheinbar unendlich viel Zeit zu geben. Die Innigkeit dieses Liedes stand im Kontrast etwa zur Komposition nach dem Psalm 96|98, die mit ihrer Stimmung ganz an weltliche Klänge erinnerte.
Zwei weitere Sprachen wurden im zweiten Teil des Konzertes eröffnet. Drei Leider des wenig bekannten Roger Quilter brachten Verse Shakespeares in den Stefaniensaal. „Come away, Death“ und „Blow, Blow Thou Winter Wind“ erinnerten mit den modernen aber stets eingänglichen Harmonien an Stücke aus einem Musical, die vom Bass Papes mit kraftvollem Schwung erfüllt wurden. Als düsteren Schlusspunkt wählte das Duo die „Lieder und Tänze des Todes „des russischen Komponisten Modest Mussorgsky. In faszinierend lautmalerischer Sprache gab sich hier das Klavier, das die verschiedenen Facetten des Todes durch dunkle Farben und schiefe Konstellationen zum Ausdruck brachte. Die ersten beiden Stücke erzählten vom Tod junger Menschen, die vom Sensenmann in einen ewigen Schlaf verführt werden. Verführerisch und persönlich trat hier der Sänger auf, gedehnte Pausen und ein vehementes „…nun bist du mein!“ unterstrichen die Dramatik der Geschichten. Die folgenden zwei Lieder sangen vom Tod als gehässiges Wesen und die an manchen Stellen brutale Interpretation ließ eine gewisse Vielfalt an Klangfarben vermissen.
Der begeisterte Applaus der zahlreichen Zuhörer wurde mit Strauss‘ Zueignung und der Kinderwacht von Robert Schumann als Zugaben noch mit dem obligaten Kitsch gestillt.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://www.musikverein-graz.at/konzert/4-liederabend-3/