Kulman in Topform

Elisabeth Kulman beehrte den Steirischen Musikverein für den zweiten Liederabend der Saison. Vom feinen Schubertlied bis zu zeitgenössischen Werken zeigte sie sich mit geschmeidiger Stimme.

Elisabeth Kulman (c) marija kanizaj

Wenn einem der Klang der österreichischen Mezzosopranistin seit Jahren vertraut ist, fällt es schwer, das Einzigartige ihrer Stimme in Worte zu fassen. Es steckt etwas Warmes und faszinierend Raues darin, das im forte wie im piano unter die Haut geht. Mit dem Pianisten Eduard Kutrowatz kombinierte sie im ersten Teil eine Auswahl an Schubert Liedern mit den modernen Werken Herwig Reiters. Letztere sind Vertonung nach Erich Kästner, darunter auch die herrlich satirische „Sachliche Romanze“. Die Tonsprache des österreichischen Komponisten ist nicht einheitlich, vermag aber durchaus zu unterhalten. Im Lied „Die alte Frau auf dem Friedhof“ schafft er beispielsweise mit ganz reduzierten Mitteln in Melodie und Begleitung eine doch bedrückende Stimmung. Die Stützpfeiler zwischen diesen Kanarienvögeln der Liedgattung waren die Werke Schuberts wie etwa „Die Sterne“ und „Wehmut“.

„Wenn ich durch Wald und Fluren geh‘, es wird mir dann wo wohl und weh“

singt Kulmann etwa in letzterem Lied und man fragt sich, wie sie einen derart gequälten Ausdruck doch so wohlklingend gestalten kann.
Im zweiten Teil kombinierten die beiden Musiker zwei stimmungsmäßig konträre Blöcke nebeneinander: Liszts „3 Sonetti di Petrarca“ und die „Cabaret Songs“ von Bemjamin Britten. Ganz weich und verträumt klingen die die italienischen Sonette, vor allem wenn eine Elisabeth Kulman ihnen ihre Stimme leiht. Mit unglaublicher Leichtigkeit setzt sie einen Ton an und er ist da, voll und ganz und wird so manchmal von seiner Erzeugerin noch zur vollen Blüte getrieben. Vom Schwelgerischen wechselte die Mezzosopranistin mit Trillerpfeife und keuchendem Atem in das erste Britten-Lied. Es sind kurzweilige Kunststücke die sie hier präsentiert, sei es in Text oder schnell wechselndem Ausdruck. „Tell me the Truth About Love“ ist das titelgebende Stück des Abends, in dem die Sängerin die Wahrheit über die Liebe zu ergründen versucht. So natürlich die Stimmung schon in den Liedern von Liszt wirkte, auch im Kontrastwerk Brittens wussten Kulman und Kutrowatz eine authentische Atmosphäre zu schaffen. Man konnte fast meinen, das Licht der Luster im Stefaniensaal wurde noch schummriger und die Zehen wippten ganz von alleine im entspannten Rhytmus mit.
Drei Zugaben vergönnte das Duo dem fordernden Publikum. Dem schmerzvollen „Mädchen am Spinnrad“ folgte ein charmantes „Portrait einer Chansonette“ (Reiter). Mit Liszts „Es muss was Wunderbares sein“ nach einem Gedicht von Oscar von Redwitz-Schmölz beschloss die Sängerin mit einem ihrer persönlichen Lieblingslieder. Man darf sich auf den nächsten Liederabend im Musikverein freuen!

Weitere Informationen zum Konzert und weiteren Veranstaltungen des Musikvereins unter:
http://www.musikverein-graz.at/konzert/2-liederabend-3/

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Musikverein Graz: I‘ vidi in terra angelici costumi

Die neue Saison der Liederabende begann im Musikverein Graz am 24. Oktober mit dem immer wieder gern gesehenen Duo Mauro Peter (Tenor) und Helmut Deutsch (am Klavier) und einer interessanten Mischung bekannter und weniger bekannter Lieder, die am Ende ein zu zweifachen Standing-Ovations und seltener Begeisterung gerührtes Publikum hervorbrachte. Obgleich das Programm nicht die üblichen, allseits bekannten Klassiker darbot, vermochte es die besondere Hingabe Peters und der überaus gut strukturierte Ablauf des Programms, zu solch hingebungsvollen Reaktionen zu führen.

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Mauro Peter & Helmut Deutsch (c) Musikverein Graz

Begonnen hat der Abend zunächst mit diversen Liedern Schumanns zu Gedichten von Heinrich Heine, die als Einstieg gut funktionierten und sogleich in jene spezielle Stimmung verführten, die vonnöten zu sein scheint, will man sich ergreifenden und das Herz tief berührende Stücke in angemessener Weise zuführen, wie es bei Liszts Tre sonetti del Petrarca, die den Abend vollendeten, unumgänglich ist.

Dazwischen durfte man weiteren romantischen Liedern Schumanns (u.a. Der Spielmann), Strauss‘ Schlichten Weisen (op. 21) und den Mädchenblumen (op. 22) lauschen, ehe die bereits erwähnten sonetti das Programm zum Höhepunkt führten. Jener Teil des Publikums, der bis dahin den Abend heiter genossen und die Liederchen in sich nüchtern aufgenommen hatte, musste spätestens beim herzbewegenden Pace non trovo einen ergreifenden Schmerz verspüren, der, je nach Stimmungslage, Freud und Leid in ein ungewohnt hohes Maß zu steigern imstande war. Und als nach dem letzten Ton von l‘ vidi in terra das unausweichliche Ende eintrat, entzückte Mauro Peter mit vier Zugaben, um dem scheinbar unersättlichen Publikum zu danken.

Insbesondere ob der Tatsache, dass es der erste Liederabend der Saison war, scheint es mir ein Glücksgriff gewesen zu sein, solch eine zu weiteren Besuchen motivierende Vorstellung zu jenem frühherbstlichen Zeitpunkt aufgeführt zu haben, auch wenn der nächste Liederabend erst im Feber stattfindet (Schuberts Winterreise).

Entfesslungskünstler im Musikverein

Der Tenor Mauro Peter bescherte mit seinem Lehrer und Pianisten Helmut Deutsch einen Liederabend voll fein nuancierter Töne. Einem Auszug aus Schumanns Komponierkunst folgten frühe Werke von Richard Strauss sowie drei „Sonetti“ von Franz Liszt.

Nach einem Konzert mit einem der Altmeister der Liedkunst und seinem „letzten bedeutenden Studenten“ fühlt man sich wunderbar losgelöst. Lied für Lied entfesseln die zwei Musiker alle Anspannungen und entführen in eine Welt, wo „Feinigkeiten“ noch Zeit und Raum gewidmet wird. „Die Liederabende im Grazer Stefaniensaal sind ein starkes Argument, für die überall verbreiteten Gerüchte, dass es mit dem Lied bergab geht“, meint Helmut Deutsch. Und tatsächlich zeigt ein gut gefüllter Saal mit auffallend vielen jungen Gesichtern, dass sehr wohl ein nachwachsendes Interesse an dieser „ungeschminkten“ Musikgattung besteht.
Der Schweizer Peter eröffnete mit Liedern von Robert Schumann, dem er sich auch in seiner jüngsten CD widmete. Nicht die berühmte „Dichterliebe“ war zu hören, nichtsdestotrotz kam der vertonte Heinrich Heine zu Wort. Den kompakten Stücken folgten mit Schumanns op. 40 Texte von Anderesen mit einer Musik von mehr Tragik. Seinen noch nicht voll ausgereiften Stimmumfang glich Mauro Peter mit perfekter Artikulation aus. Im Lied „Der Spielmann“ machte Helmut Deutsch den Titel zum Programm und wechselte zwischen an Tänze erinnernder Begleitung und virtuosen Exklamationen.
Der nächste Block wurde von „Schlichten Weisen“ und „Mädchenblumen“ des Richard Strauss gefüllt. Leicht und neckisch klang es hier, wenn die Stimme von verschieden duftenden Mädchengestalten singt und das Klavier Sanftmut wie Unglück gleich mitreisend zu charakterisieren weiß. So viele Juwelen das deutsche Liedgut besitzt, charmanter und fließender klingen die Verse etwa im Italiensichen. Mit „Tre Sonetti“ von Franz Liszt waren drei Stücke den Texten von Petraca gewidmet. Hier gelang dem Duo die Krönung der Behutsamkeit, mit keiner Scheu vor leisen Tönen und tiefen Emotionen.
Drei Zugaben für das Publikum, ein Strauß gelber Rosen und Standing Ovations für die Musiker.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen des Grazer Musikvereins unter:
http://www.musikverein-graz.at