Entfesslungskünstler im Musikverein

Der Tenor Mauro Peter bescherte mit seinem Lehrer und Pianisten Helmut Deutsch einen Liederabend voll fein nuancierter Töne. Einem Auszug aus Schumanns Komponierkunst folgten frühe Werke von Richard Strauss sowie drei „Sonetti“ von Franz Liszt.

Nach einem Konzert mit einem der Altmeister der Liedkunst und seinem „letzten bedeutenden Studenten“ fühlt man sich wunderbar losgelöst. Lied für Lied entfesseln die zwei Musiker alle Anspannungen und entführen in eine Welt, wo „Feinigkeiten“ noch Zeit und Raum gewidmet wird. „Die Liederabende im Grazer Stefaniensaal sind ein starkes Argument, für die überall verbreiteten Gerüchte, dass es mit dem Lied bergab geht“, meint Helmut Deutsch. Und tatsächlich zeigt ein gut gefüllter Saal mit auffallend vielen jungen Gesichtern, dass sehr wohl ein nachwachsendes Interesse an dieser „ungeschminkten“ Musikgattung besteht.
Der Schweizer Peter eröffnete mit Liedern von Robert Schumann, dem er sich auch in seiner jüngsten CD widmete. Nicht die berühmte „Dichterliebe“ war zu hören, nichtsdestotrotz kam der vertonte Heinrich Heine zu Wort. Den kompakten Stücken folgten mit Schumanns op. 40 Texte von Anderesen mit einer Musik von mehr Tragik. Seinen noch nicht voll ausgereiften Stimmumfang glich Mauro Peter mit perfekter Artikulation aus. Im Lied „Der Spielmann“ machte Helmut Deutsch den Titel zum Programm und wechselte zwischen an Tänze erinnernder Begleitung und virtuosen Exklamationen.
Der nächste Block wurde von „Schlichten Weisen“ und „Mädchenblumen“ des Richard Strauss gefüllt. Leicht und neckisch klang es hier, wenn die Stimme von verschieden duftenden Mädchengestalten singt und das Klavier Sanftmut wie Unglück gleich mitreisend zu charakterisieren weiß. So viele Juwelen das deutsche Liedgut besitzt, charmanter und fließender klingen die Verse etwa im Italiensichen. Mit „Tre Sonetti“ von Franz Liszt waren drei Stücke den Texten von Petraca gewidmet. Hier gelang dem Duo die Krönung der Behutsamkeit, mit keiner Scheu vor leisen Tönen und tiefen Emotionen.
Drei Zugaben für das Publikum, ein Strauß gelber Rosen und Standing Ovations für die Musiker.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen des Grazer Musikvereins unter:
http://www.musikverein-graz.at

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Schlusstakt mit Beethoven

Das letzte Orchesterkonzert der Saison spielte das Grazer Philharmonische Orchester unter seinem Chefdirigenten Dirk Kaftan. Nach Werken von Widmann und Liszt folgte eine feurige Aufführung von Beethovens 7. Symphonie.

(c) Dirk Kaftan, Musikverein Graz

(c) Dirk Kaftan, Musikverein Graz

„Es freut mich sehr, dass Sie alle schon zum ersten Stück des Abends gekommen sind“, begrüßte Kaftan das Grazer Publikum. Dass zeitgenössische Musik immer noch Probleme hat die Konzertsäle zu füllen, weiß auch der motivierte Deutsche und wählte für die Konzertouvertüre von Jörg Widmann deshalb einen modernen Zugang. Einer kurzen Erläuterung über das Werk (Widmann komponierte es im Auftrag von Mariss Jansons als Vorprogramm zu Beethovens 7. und 8. Symphonie), folgte eine lebhafte Erklärung der verschiedenen Stilelemente mit Hörbeispielen aus dem Orchester. Beethoven darf in dieser Musik immer wieder kurz anklingen, geht aber im Tumult der wilden Komposition schnell wieder unter. „Viele verschiedene Baupläne“ müssen die Musiker beachten und das macht zeitweise nicht nur das Spielen sondern auch das Zuhören etwas mühsam. Ich persönlich empfand den Einbau der Beethoven’schen Analoga in das moderne Konstrukt als nicht stimmig, da die bekannten Klänge fast ins Groteske verzogen wurden.
Einen ganz anderen Ton gab Ingolf Wunder im ersten Klavierkonzert von Franz Liszt an. Der Auftritt des österreichischen Pianisten erinnerte an eine unschuldige Träumerei. Ein zartes Wasserspiel zauberte er im zweiten Satz, das in einen ebenmäßig plätschernden Triller mündete, der auch den geübten Solisten des Philharmonischen Orchesters die Bühne eröffnete. Auch wenn es wild zuging, verlor Wunder nie ganz den träumerischen Ausdruck. Die großen Akkorde des Finales spielte er nicht aufdrängend sondern einladend und nie mit übertriebener Lautstärke. Mit Blick zum Himmel bot er eine dahinfließende Zugabe.
Als Abrundung der Konzertsaison und Einstimmung zum kommenden Beethoven-Marathon bei der Styriarte folgte dessen 7. Symphonie. Kaftan setzte mit dem Elan der dynamischen Auf-und-Ab-Bewegungen von Liszt fort. Das melancholischen Allegretto begannen die Streicher wunderbar leise und schwermütig. Ganz sanft setzten nach und nach die verschiedenen Instrumentengruppen ein und erzeugten somit ein stetiges crescendo ohne je im Tempo zu schwanken. Im Kontrast dazu ging es wild im Allegro con brio zu, bei dem man das Brio wortwörtlich nicht missen musste. Den flotten Ausritt beschloss Kaftan mit einem lautstarken Galopp.

Mehr Informationen zum Konzert unter:
http://www.musikverein-graz.at/konzert/10-orchesterkonzert-3/

Musikverein Graz: Ode an die Schönheit des Lebens

Von Erfolg gekrönter Liederabend „frauen.leben.liebe“ mit Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz

Der Musikverein Graz brachte nun zwei internationale gefragte österreichische Künstler – Mezzosopranistin Elisabeth Kulman und ihr Klavierpartner Eduard Kutrowatz – mit einem äußerst gelungenen Repertoire (Schubert, Schumann, Liszt, Wagner) auf und über die Bühne.

Das vielseitige Programm stand ganz im Zeichen von Kulmans unglaublich facettenreicher Mezzosopran- bzw. Altstimme. Zu Beginn der ersten Hälfte des Abends schöpfte sie zunächst ihr tieferes, ernstes und dunkles Register aus (z.B. im Wesendoncklied „Schmerzen“ von Wagner) und überließ der zum Teil virtuosen Klavierpartie den Vortritt. Alsbald kam aber mit Liszts kurzen Liebesliedern („Was Liebe ist“, „Ich liebe dich“, „Einst“) ihr Mezzosopran in leichter, sanfter Fassung stärker zur Geltung. Hier nahm sich Kutrowatz gekonnt zurück und bewies damit von Beginn an die Kongenialität der beiden Künstler.

Elisabeth Kulman© Marija M. Kanizaj

Bei den vereinzelt schnelleren tempi (etwa in „An die Nachtigall“ von Schubert) machte sich jedoch eine teilweise gehetzte Stimmführung hörbar. Im Übrigen interpretiert Kulman den Liedgesang mit Tiefe und ganz besonderer Ausdruckskraft. Nicht selten wurde es vollkommen still im Stephaniensaal, als sie im pianissimo bis zum letzten Ton sang (insbesondere das „Wiegenlied“ von Schubert).

AUSTRIA/2.2014 / Eduard Kutrowatz-Frauen.Leben.Liebe © Julia Wesely

© Julia Wesely

Als Abschluss konnten „Der Tod und das Mädchen“ (Schubert) und „Mitternacht“ (Schumann) als zwei der wohl bekanntesten Lieder nicht treffender sein. In „frauen.leben.liebe“ war der Name Programm: die malerischen Texte, die von den nahmhaften Komponisten vertont wurden, sind eine Ode an die Schönheit des Lebens in all ihren Facetten, zum Ausdruck gebracht über die Empfindsamkeit der Frau – Leiden, Trauer, Tod, Liebe, Verehrung, Hoffnung.

Doch selbst wenn der musikalische Zenit erreicht zu sein scheint, überraschen Kulman und Kutrowatz aufs Neue: In der dreiteiligen Liszt-Zugabe gaben sie nicht nur theatralische Dramatik („Die drei Zigeuner“), sondern auch klangliche Brillanz in den einzigen nicht deutschsprachigen Liedern („Enfant, si j’étais roi“ und „Go not, happy day“) erneut zum Besten.

Weitere Informationen zur laufenden Saison im Musikverein sind hier zugänglich.