Erzählung aus dem Bauch heraus – WOLF

Es war einmal vor langer Zeit – im Herbst 2017 –  als „WOLF oder Rotkäppchens Entscheidung aus dem Bauch heraus“ Premiere im Next Liberty feierte. Und seitdem war sicher, dass es nicht nur bei einer Vorstellung bleibt, denn auch in dieser Saison erzählt Christoph Steiner das bekannte Märchen ganz oft im Next Liberty Wald!

Die Geschichte des Rotkäppchen ist jedem bekannt und man scheint zu wissen, was auf einen zukommt, doch der Schein trügt. Hier wird keine fade Gute-Nacht-Geschichte à la Grimm erzählt, sondern ein witziges Abenteuer, in dem man mitfiebert und in einem  gewissen Maße mitspielt.

Auf der Bühne steht ein Wald oder besser gesagt stehen mehrere kurze, kleine Baumstämme. Während das Publikum seine Plätze sucht, spielen die vier Musiker vergnügt. Doch da ist noch jemand, der etwas ganz verzweifelt sucht. Er sucht am Boden, sucht am  Balkon, zwischen  dem Publikum und auf der Bühne. Es ist der Erzähler (Christoph Steiner). Bevor der Grund seiner Verzweiflung genannt wird, beginnt er zu erzählen, wie alles begann: Vor langer, langer, langer  Zeit. 

Rotkäppchen, das zu Beginn – ach so bekannte – Sprüche von Müttern zitiert, wird zur Großmutter geschickt. Jedoch wird dies zum Balanceakt, denn der Wolf, dessen Figur herrlich gruselig dargestellt wird, schafft es, das Mädchen durch luftige, runde Blümchen vom Weg abzubringen. In der Zwischenzeit bekommt die (ziemlich fitte) Oma, die von Christoph Steiners Rückseite sehr gut gespielt wird, Besuch vom Wolf. Es ist ja nicht so, als hätte man das Kind nicht gewarnt. Eine schrille Krähe, die auch Fluglehrer ist, rät Rotkäppchen, nicht in den Wald zu gehen. Und ein Maulwurf, der verblüffende Ähnlichkeiten mit einem Knie hat, zeigt nicht nur seine Tanzkünste, sondern versucht das Rotkäppchen mittels Luftballontier zu warnen. Alles hilft nichts, denn nach einem Tango mit der haarigen Omi wird das Mädchen zum Nachtisch. Im Bauch des Vierbeiners finden sich alle wieder. Musiker, Erzähler, Rotkäppchen, Oma und das Publikum stecken alle fest! Doch dann gehen die Türen des Saals auf und alle stürmen hinaus ins Foyer – Freiheit!

Ein besonderes Stück, das nicht nur durch den Wortwitz und den vollen Körpereinsatz von Christoph Steiner unterhält, sondern auch durch die Interaktion mit dem Publikum Jung und Alt vollkommen begeistert.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie dieses Stück (bitte) noch lange, lange, lange Zeit!

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Verirrungen von Hänsel und Gretel und unserer heutigen Gesellschaft

Die Oper  „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck  ist ein Märchenspiel in drei Akten, aufgeführt im MUMUTH unter der Regie von Ernst M. Binder. Da es sich hierbei um eine Produktion der Kunstuniversität Graz handelt, erwartete ich bereits etwas Ausgefallenes und Experimentelles. Ich wurde nicht enttäuscht und genoss nicht nur ein Märchen zur reinen Unterhaltung, sondern auch eine gesellschaftskritische Inszenierung.

Das Stück beginnt damit, dass Hänsel und Gretel in Griechenland gestrandete Flüchtlingskinder verkörpern. Der Wald wird in eine Gartenabteilung im Supermarkt verwandelt und die Kinder werden von glitzernden Mercedessternen und Geld angelockt – Dies alles und weitere Elemente wie Aufstand gegen ein tyrannisches Regime, Krieg oder Feminismus sind in die märchenhafte Oper eingeflochten und stellen unser gesellschaftliches Leben kritisch dar. Ein hervorstechendes Beispiel ist die wahrlich schaurige Darstellung der Hexe. Diese verkörpert für mich den Kapitalismus, welcher  Hänsel oder uns Konsumenten mit Geld und Konsumgütern lockt und füttert damit die Hexe, oder eben der Kapitalismus, ihn/ uns  verschlingen kann damit sie/er überleben. Ich bin beeindruckt von der Vielfalt an Idee und der Anzahl der Elemente, welche man aus diesem Märchen umdeuten und neu interpretieren kann. Daher empfiehlt es sich das Programm vorab zu lesen, um das Verständnis dieser Interpretationen zu fördern.

Foto: Johannes Gellner

Foto: Johannes Gellner

Die authentische und überzeugende Darstellung der Schauspieler war großartig. Es hat sich darin gezeigt, dass sich Ernst M. Binder sowie die Schauspieler Zeit genommen haben, sich mit ihren Rollen, aber auch mit sich selbst  intensiv auseinanderzusetzen. Auch das Orchester war ausgezeichnet – Als einziges Manko empfand ich aber die zum Teil unausgewogene Balance zwischen den Sängern und dem Orchester, was auch dazu beigetragen hat, dass es teilweise schwer war, trotz der schönen Stimmen, den Text des Gesangs deutlich zu verstehen.

Ich selbst war begeistert von der Oper und ich denke auch das restliche Publikum, welches kräftigt applaudierte. Darüber hinaus hat mich das Schauspiel angeregt darüber nachzudenken, was wohl die ursprüngliche Bedeutung und Botschaft des Märchens „Hänsel und Gretel“ war. Für die Zukunft bleibt nur zu sagen, dass ich nun auch andere Märchen kritischer und mit Bezug auf das aktuelle Zeitgeschehen betrachten werde.

Nachruf: In der Nacht vor der Premiere seiner 99. Inszenierung ist Regisseur Ernst M. Binder überraschend verstorben.  Er hinterlässt eine Lücke in der Grazer Kunst und Kulturwelt, die niemand zu füllen vermag.

Die zweite rechts und immer geradeaus bis zum Morgen…

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Jungen der niemals erwachsen werden möchte?

Regisseur Peter Raffalt hat die Geschichte von Peter Pan, Wendy und Captain Hook für das Next Liberty neu aufgerollt, modernisiert und ganz viel Feenstaub dazugegeben.

Die junge Wendy Darling erzählt ihrem Bruder gern Geschichten von Peter Pan, dem bösen Piraten Captain Hook und den verlorenen Kindern aus dem Nimmerland. Eines Tages trifft Wendy Peter im Flur, als der gerade nach seinem Schatten sucht, der ihm wieder einmal entwischt ist. Peter nimmt Wendy und ihren Bruder Michael mit „die zweite rechts und immer geradeaus bis zum Morgen“ nach Nimmerland. Dort treffen sie auf Nixen, ein tickendes Krokodil und natürlich den berüchtigtsten unter den Piraten: Captain Hook.

In dem knapp zwei Stündigen Theaterstück wird die Geschichte des schottischen Autors James Matthew Barrie neu erzählt. Das Stück ist Unterhaltung für die ganze Familie und bringt Kindern die Wichtigkeit der Familie, der Liebe und der Freundschaft nahe. Peter Pan, gespielt von Christoph Steiner, Wendy Darling gemimt von Rebekka Reinholz und Sacia Ronzoni als freche Fee Tinkerbell geben gemeinsam mit den anderen Darstellern ein tolles Ensemble ab und lassen die Zeit wie im Flug vergehen.

Fazit: Absolut sehenswertes Stück, vor allem für kleine Piratenfans, Feenbegeisterte und alle die gerne mit Peter und Wendy nach Nimmerland kommen wollen, um wieder einmal das Erwachsensein zu vergessen und in die Fantasie der Kinder einzutauchen.

Weitere Informationen und Spieltermine unter: http://www.nextliberty.com/stueck_detail.php?id=114853