Es lockten die Barockarien

Die Konzertreihe recreation Barock lud mit Stephanie Houtzeel und Michael Hofstetter zu einem Händelabend in die Helmut List Halle.

Michael Hofstetter (c) Werner Kmetitsch

Wer die deutsch-amerikanische Mezzosopranistin in der Grazer Aufführung von „Xerxes“ erlebt hatte, wusste schon von der Schönheit ihrer Stimme und durfte sie nun auch in ihrer unmaskierten Ausstrahlung erleben. Gemeinsam mit dem deutschen Dirigenten Michael Hofstetter führte Houtzeel das recreationBAROCK Orchester zu frischer Lebendigkeit. Die Auszüge aus „Ariodante“ gestalteten alle Musiker wunderbar zurückhaltend und gelangten durch die klare Führung Hofstetter gleichzeitig zu einer fesselnden Eindringlichkeit. Besonders lyrisch war hier auch der Auftritt Tonia Solles am Fagott. Ebenso Händels Concerto grosso in h op. 6/12 erhielt durch die Interpretation in jedem Satz eine neue, anschauliche Färbung.

Stephanie Houtzeel (c) Julia Wesely

Der Mezzo von Stephanie Houtzeel hat viele reizvolle Facetten, persönlich begeisterte vor allem die zarte, runde, weiche Seite ihrer Stimme. Schon im eröffnenden Ombra mai fu, das dem Konzert auch den Namen gab, bewies sie eine tragende, originelle Verklanglichung dieses Schlagers der Barockmusik. In der Szene der grausamen Furien legte sie eine neue Schärfe in ihre Stimme, die ihr besser gelang als die Wendigkeit, die diese Arie erfordert. Als Höhepunkt für alle sanftmütigen Herzen wurde auch die Arie der Almirena aus „Rinaldo“ geboten. Lascia ch’io pianga (zu deutsch: Lass mich weinen) ist wohl eine der schönsten traurigen Arien, die je komponiert wurden. Breit legte Michael Hofstetter die Einleitung des Stücks an, lang und noch länger schien Houtzeel ihre geschmeidigsten Töne zu ziehen. Das Orchester wogte einfühlsam und heftig, die Seelen schwangen mit.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
https://styriarte.com/events/ombra-mai-fu-2/?sti=31886

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Ein Gewinnerduo

Der Chefdirigent des recreation Orchesters Michael Hofstetter heizte seinen Musikern zum Abschluss der Saison noch einmal mächtig ein. Bernd Glemser ergänzte den Schumann-Abend als genialer Solist in Tschaikowskis erstem Klavierkonzert.

Bernd Glemser (c) Werner Kmetitsch

 

Ein feinfühliger Pianist und ein brückenschlagender Dirigent – das klingt nach einer Gewinnerkombination. Bernd Glemser und Michael Hofstetter bewiesen ausgewogene Führung im Klaviermonument von Tschaikowski. Nicht umsonst ist dieses Konzert so berühmt mit seinen Weiten und Engen, Höhen und Tiefen. Auch der Solist hat zu diesem Werk eine besondere Beziehung, brachte dessen Darbietung ihm in seiner frühen Karriere doch zwei wichtige Preise ein. „Tschaikowski kann und will das „Russische“ in seiner Musik nicht leugnen. Und gerade das gefällt mir so an ihm“, erklärte der deutsche Tastenkünstler in der Einführung zum Konzert. Ernsthaft und innig ist Glemsers Ausdruck beim Spiel; weder seine technischen Fertigkeiten noch sein Versinken in der Musik muss er dabei großartig zur Schau stellen. Eine lange Pause nach dem ersten Satz brach den Spannungsbogen, schon der Beginn des „Andantino semplice“ machte das aber wett. Wenn nach der zarten Flöteneinleitung das Klavier mit den Streichern so unendlich harmonisch einsetzt, was kann man sich da noch wünschen? Den bewusst zarten Anweisungen im langsamen Satz stellte Hofstetter im Finale eine kräftige Lautstärke gegenüber. Während das Orchester sich vergnügt im Walzertakt wiegte, tänzelte das Klavier zwischen dem wiegenden Rhytmen ganz frei umher. Stürmischer Applaus folgte, der dem Solisten dann doch noch eine Zugabe abrang. Ganz bei sich, ganz schlicht bewies der Meister mit ganz Wenig doch wieder ganz Viel.

Michael Hofstetter (c) Werner Kmetitsch

 

Eingerahmt wurde das Klavierkonzert von zwei Werken Schumanns. Mit der Manfred-Ouvertüre op. 115 wurde eröffnet. Diese ist das Vorspiel zu Schumanns Vertonung eines Heldenepos nach Lord Byron. Das Werk schien stellenweise so unentschlossen wie sein Zuhörer und endete in einem Ungleichgewicht, das vielleicht nur durch die Fortsetzung der Musik nach der Ouvertüre aufgelöst hätte werden können. Nach der Pause wurde die 4. Symphonie gespielt, wohl eines von Schumanns „männlichsten“ Werken. Das ohnehin rasche Tempo Hofstetters wurde durch die starke Linie der Bassinstrumente noch getrieben und gab dem Ganzen eine fundamentierte Kraft. Konzertmeisterin Maria Bader-Kubizek bewies ungekünstelte Leitfähigkeit und bettete ihr Solo im zweiten Satz mit schwärmerischem Ausdruck in den Orchesterklang. Grandios spielten auch die Blechbläser an diesem Abend, die in den anmutigen wie lebhaften Passagen keine Wünsche offen ließen. Im Finale wollte der Dirigent Schumanns eigenwillige, beinahe nach Aufmerksam heischenden Einfälle offenbar ganz ausloten und das Publikum bis zum Ende noch ein wenig auf die Folter spannen.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://styriarte.com/events/erstes-klavierkonzert/?realm=recreation&sti=24368

Höhenflüge mit Klarinette bei recreation

Das letzte recreation-Konzert dieser Saison beging Dirigent Michael Hofstetter mit dem GROSSEN ORCHESTER GRAZ und einer stimmigen Auswahl romantischer Werke von Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn. Der Freischütz-Ouvertüre folgte ein fulminantes Klarinettenkonzert mit Daniel Ottensamer als Solist. Im zweiten Teil war Mendelssohns 3. Symphonie mit dynamischen Tempowechseln zu hören.

(c) Daniel Ottensamer

(c) Daniel Ottensamer

Mit einem langgezogenen, auf der Stelle schwebenden Ton begann eines der wohl deutschesten Werke der Orchesterliteratur. Schon in der Einführung zum Konzert ließ Dirigent Hofstetter seine Affinität zu Webers Werk durchklingen und auch bei der Aufführung erkannte man schnell, dass er sich in dieser Musik zuhause fühlte. Mit sichtlicher Begeisterung vermittelte er dem aufmerksamen Zuhörer die in der Musik verarbeitete Geschichte des Freischütz’. Themen wie Tod und Freudensprünge hörte man in erstarrten Pausen und euphorischen Oktavensprüngen. Das Orchester von recreation zeigte große Sicherheit in dem Ausschnitt aus der Freischütz-Oper, die sie 2014 auch schon bei der styriarte dargeboten hatten.
Mit dem Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es folgte ein weiteres Weber-Werk. Die Instrumentalisten wurden nun um eine Figur erweitert: den Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker Daniel Ottensamer. Mit Talent, Ausdrucksstärke und Charisma hat Ottensamer Junior Nr. 1 (Senior ist ebenfalls bei den Wienern, während Junior Nr. 2 für die Berliner Philharmoniker spielt) alles, was man sich für einen Solisten wünschen kann. Schon in der ersten Minute zeigte er die ganze Bandbreite seines Spiels auf. Mit stürmischen Sprüngen zwischen den Oktaven vermittelte er Kraft und Sicherheit, im nächsten Moment mit zart geführtem legato-Lauf die Einfühlsamkeit für sein Instrument. Im Andante zog er weite Bögen indem er jeden Ton leise wie aus dem Nichts ansetzte und wie von alleine zu steigern schien. Die Bläser im Orchester gingen ganz auf diese Spielweise ein und unterstützen den natürlichen Fluss damit noch mehr. Der dritte Satz erfolgte wie eine schwungvolle Erzählung mit dramatischen Pausen und unerwarteten Wendungen, in der Hofstetter seinem Solisten alle Freiheiten gab. Der nichtendendwollende Applaus war verdient.

Michael Hofstetter; (c) Werner Kmetitsch

Michael Hofstetter; (c) Werner Kmetitsch

Mit Mendelssohn folgte im zweiten Teil eine Reise in die Highlands von Schottland. Wie auch schon viele Komponisten vor ihm weigerte sie Mendelssohn seine Musik als klare Beschreibung etwa einer Landschaft zu verstehen. Die Musik sei mehr ein „Ausdruck der Empfindung“ erklärte Hofstetter. Was im jungen Mendelssohn beim Komponieren vorging, interpretierte wohl jeder Zuhörer im Saal etwas anders. Im ersten Allegro setzte Hofstetter bewusst gemäßigt an, um die „Dammbrüche“ des Satzes noch effektvoller zu gestalten. Tosendes Wasser kann man sich an diesen Stellen vorstellen, eine wilde Talfahrt oder vielleicht doch ein stürmisches Liebesabenteuer? Im zweiten Satz schnitten die Musiker ein strafferes Tempo an, das im dritten Satz wieder von bewusst ausladenden Rhythmen abgelöst wurde. Im Finale setzte man auf ein starkes Forte mit präziser Artikulation. Besonders schön erklangen hier Orchestersolisten bei Klarinetten und Fagotten. Leichtfüßig schienen die zwei miteinander zu tänzeln, während das Orchester um sie herum ein feingliedriges Windspiel erklingen ließ.
Der Ausflug in böhmische Wälder und schottische Highlands kann am 3. Juli um 20:04 auf Radio Steiermark nachgehört werden.

Mehr Informationen unter:
http://styriarte.com/events/aus-den-highlands/?realm=recreation&sti=15162