Barock & Jazz

Am Donnerstag, dem 14. September beehrte das nach einer Toccata von Giovanni Girolamo Kapsberger benannte Ensemble L’Arpeggiata um Christina Pluhar den Stefaniensaal in Graz. Es fand der 1. Liederabend der neuen Saison 2018/19 des Grazer Musikvereins statt. Der Sänger, der den Abend gestaltete: Philippe Jaroussky.

Jaroussky ist ein französischer Kontertenor, der sich wie Andreas Scholl oder Valer Sabadus vor allem auf die Vokalmusik der Renaissance und des Barock fokussiert. Was Jaroussky aber besonders macht, ist, dass er alte Klänge mit neuen vermischt, sodass seine Projekte von Cross-over-Elementen geprägt sind. Bereits die Instrumente der Musikerinnen und Musiker aus L’Arpeggiata versprachen ein durchmischtes Programm: Zink, Barockvioline, Laute, Barockgitarre, Percussion, Kontrabass, Klavier, Cembalo und Orgel. Für L’Arpeggiata scheint es also kein Widerspruch zu sein, neben den gezupften Tönen des Cembalos einen Klavierflügel erklingen zu lassen. Und das, obwohl der Komponist, der im Mittelpunkt des Abends stand, ganz und gar mit der Musikästhetik des Barock verwurzelt ist: Henry Purcell.

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Philippe Jaroussky (copyright by Simon Fowler)

Das Anliegen von Jaroussky und L’Arpeggiata war es nun aber, eine neue, eine moderne Facette von Purcells Musik hervorzukehren. Schwungvoll führten sie durch ein kurzweiliges Programm ohne Pause, das nicht nur am Ende des Abends, sondern auch immer wieder zwischen den einzelnen Stücken (die nicht nur aus Liedern, sondern auch aus verschiedenen Instrumentalkompositionen bestanden) mit tobendem Applaus wertgeschätzt wurde. Selten hat man im Stefaniensaal ein derartig begeistertes Publikum wie am vergangenen Donnerstagabend belebt. Dass dabei die harmonischen Konventionen der Barockmusik gebrochen wurden, wurde durch ein sehr wirkungsvolles und unterhaltsames Programm gerechtfertigt, deren kluge Arrangements nur von allzu gestrengen Kunstpuristen abgelehnt werden können.

Weitere Liederabende des Grazer Musikvereins sind unter dem folgendem Link angeführt: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/liederabende/

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Klarinetten-Marathon im Stefaniensaal

In perfekter musikalischer Symbiose zeigte sich das Vater-Söhne-Trio „The Clarinotts“ mit dem Grazer Philharmonischen Orchester, dirigiert von Marcus Merkel, beim 10. Orchesterkonzert des Musikvereins.

Einen „Klarinetten-Marathon“, eine „gute Mischung aus Alt und Neu“ und einen „Überblick darüber, was alles möglich ist“ versprachen die „Clarinotts“ anfänglich dem Grazer Publikum. So viel sei schon einmal verraten: Das Versprechen wurde nicht gebrochen.

Wie modern und lebhaft die Klarinette heute noch sein kann, das verkörpert wohl niemand besser als die Familie Ottensamer alias „The Clarinotts“. Den beiden Söhnen Daniel und Andreas wurde die philharmonische Klangkultur quasi in die Wiege gelegt und durch den Solo-Klarinettisten-Vater Ernst Ottensamer sowie andere hochkarätige Lehrer noch gefestigt und verfeinert. Mit gerade einmal 30 und 28 Jahren sind sie selbst als Solisten bei den Berliner und Wiener Philharmonikern Stars am Klarinetten-Himmel. Getrost überlässt der Vater seinen virtuosen Sprösslingen das Rampenlicht, dessen Schein sie mehr als gerecht werden.

Foto: Andreas Ottensamer/Facebook

Dem Instrument, dem sich die Familie verschrieben hat, wurde im frühen 18. Jahrhundert das Leben geschenkt. Bis zum musikalischen Siegeszug und den ersten eigens komponierten Solo-Stücken dauerte es jedoch noch: Franz Krommer, Zeitgenosse von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn, war Pionier auf dem Gebiet. Für das 10. Orchesterkonzert holten die Brüder Ottensamer sein Concerto in Es-Dur für zwei Klarinetten und Orchester, op. 35 ins Graz des 21. Jahrhunderts.

Klassik, Romantik, Pop

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertstück für Klarinette, Bassetthorn und Orchester Nr. 1 in f-Moll, op. 113 wählten sie einen langsam-tänzerischen Auftakt aus der deutschen Romantik. Interaktionsreich und perfekt aufeinander abgestimmt warfen die Clarinotts einander spielerisch Töne zu; kommunizieren aber auch mit dem Orchester und Dirigent Marcus Merkel, die die Solisten sicher durch den Abend trugen.

Weiter ging die musikalische Reise ins 20. Jahrhundert: Ein Kontrast aus heiterer Verspieltheit und tiefem Ernst erfüllte den Stefaniensaal während des Tripelkonzerts für drei Klarinetten und Orchester, op. 92 des österreichisch-ungarischen Komponisten Iván Eröd, das die Clarinotts 2015 mit den Wiener Philharmonikern uraufführten. Gegen Schluss hin wendeten sie sich leichtfüßiger Unterhaltungsmusik zu – einer Bearbeitung der Rigoletto-Fantasie von Franz und Karl Doppler.

Der tosende Applaus verpflichtete zu einer Zugabe der besonderen Art: Copacabana von Barry Manilow, bei dessen ansteckendem Rhythmus auch Ernst Ottensamer nicht mehr stillstehen konnte. Den letzten und höchsten aller Töne trällerten sie mit voller Wucht; die Zuhörenden brachen in Begeisterungsstürme aus. Vollkommen verdient!

Weitere Informationen: http://www.musikverein-graz.at/konzert/10-orchesterkonzert-5

BRAHMS UND SCHUBERT

Im Grazer Stefaniensaal bot der Musikverein Graz am 29. März ein kammermusikalisches Programm mit großem Namen: Midori. Die japanische Stargeigerin spielte gemeinsam mit dem Philharmonischen Sextett Wien Brahms‘ zweites Streichsextett in G-Dur sowie Schuberts ungleich populäreres Streichquintett.

Das Streichsextett in der ersten Hälfte wurde souverän geboten. Es war kein musikalisches Vordrängen der bekannten Violinistin spürbar. Alle sechs Musikerinnen und Musiker waren gleichwertig. Lediglich eine Stelle blieb unschön in Erinnerung: als einer der beiden Cellisten den Übergang der Durchführung zur Reprise etwas zu grob nahm. Doch weitestgehend war, was das Sextett bot, in Dynamik und Phrasierung überzeugend und begeisterte das Grazer Publikum.

MIDORI

MIDORI – (c) Timothy Greenfield-Sanders

Nach der Pause spielte man Schuberts Streichquintett: ein Spätwerk, das Schubert bloß wenige Monate vor seinem Tod komponierte. Vor allem der langsame zweite Satz des Quintetts erlangte Bekanntheit. Während seiner berühmten pizzicato-Begleitung in den Außenteilen konnte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Nach dem flotten Rondo, das in seiner Kompositionsstruktur etwas unorigineller ausfällt als die restlichen drei Sätze, kam es zu tobendem Applaus. Das Publikum zeigte sich von den Musikerinnen und Musikern begeistert. Man hofft auf ein baldiges Wiedersehen!

Für Musikinteressierte sei auf die kommende Saison 2017/18 des Grazer Musikvereins hingewiesen, die kürzlich veröffentlicht worden ist: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/