Klarinetten-Marathon im Stefaniensaal

In perfekter musikalischer Symbiose zeigte sich das Vater-Söhne-Trio „The Clarinotts“ mit dem Grazer Philharmonischen Orchester, dirigiert von Marcus Merkel, beim 10. Orchesterkonzert des Musikvereins.

Einen „Klarinetten-Marathon“, eine „gute Mischung aus Alt und Neu“ und einen „Überblick darüber, was alles möglich ist“ versprachen die „Clarinotts“ anfänglich dem Grazer Publikum. So viel sei schon einmal verraten: Das Versprechen wurde nicht gebrochen.

Wie modern und lebhaft die Klarinette heute noch sein kann, das verkörpert wohl niemand besser als die Familie Ottensamer alias „The Clarinotts“. Den beiden Söhnen Daniel und Andreas wurde die philharmonische Klangkultur quasi in die Wiege gelegt und durch den Solo-Klarinettisten-Vater Ernst Ottensamer sowie andere hochkarätige Lehrer noch gefestigt und verfeinert. Mit gerade einmal 30 und 28 Jahren sind sie selbst als Solisten bei den Berliner und Wiener Philharmonikern Stars am Klarinetten-Himmel. Getrost überlässt der Vater seinen virtuosen Sprösslingen das Rampenlicht, dessen Schein sie mehr als gerecht werden.

Foto: Andreas Ottensamer/Facebook

Dem Instrument, dem sich die Familie verschrieben hat, wurde im frühen 18. Jahrhundert das Leben geschenkt. Bis zum musikalischen Siegeszug und den ersten eigens komponierten Solo-Stücken dauerte es jedoch noch: Franz Krommer, Zeitgenosse von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn, war Pionier auf dem Gebiet. Für das 10. Orchesterkonzert holten die Brüder Ottensamer sein Concerto in Es-Dur für zwei Klarinetten und Orchester, op. 35 ins Graz des 21. Jahrhunderts.

Klassik, Romantik, Pop

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertstück für Klarinette, Bassetthorn und Orchester Nr. 1 in f-Moll, op. 113 wählten sie einen langsam-tänzerischen Auftakt aus der deutschen Romantik. Interaktionsreich und perfekt aufeinander abgestimmt warfen die Clarinotts einander spielerisch Töne zu; kommunizieren aber auch mit dem Orchester und Dirigent Marcus Merkel, die die Solisten sicher durch den Abend trugen.

Weiter ging die musikalische Reise ins 20. Jahrhundert: Ein Kontrast aus heiterer Verspieltheit und tiefem Ernst erfüllte den Stefaniensaal während des Tripelkonzerts für drei Klarinetten und Orchester, op. 92 des österreichisch-ungarischen Komponisten Iván Eröd, das die Clarinotts 2015 mit den Wiener Philharmonikern uraufführten. Gegen Schluss hin wendeten sie sich leichtfüßiger Unterhaltungsmusik zu – einer Bearbeitung der Rigoletto-Fantasie von Franz und Karl Doppler.

Der tosende Applaus verpflichtete zu einer Zugabe der besonderen Art: Copacabana von Barry Manilow, bei dessen ansteckendem Rhythmus auch Ernst Ottensamer nicht mehr stillstehen konnte. Den letzten und höchsten aller Töne trällerten sie mit voller Wucht; die Zuhörenden brachen in Begeisterungsstürme aus. Vollkommen verdient!

Weitere Informationen: http://www.musikverein-graz.at/konzert/10-orchesterkonzert-5

BRAHMS UND SCHUBERT

Im Grazer Stefaniensaal bot der Musikverein Graz am 29. März ein kammermusikalisches Programm mit großem Namen: Midori. Die japanische Stargeigerin spielte gemeinsam mit dem Philharmonischen Sextett Wien Brahms‘ zweites Streichsextett in G-Dur sowie Schuberts ungleich populäreres Streichquintett.

Das Streichsextett in der ersten Hälfte wurde souverän geboten. Es war kein musikalisches Vordrängen der bekannten Violinistin spürbar. Alle sechs Musikerinnen und Musiker waren gleichwertig. Lediglich eine Stelle blieb unschön in Erinnerung: als einer der beiden Cellisten den Übergang der Durchführung zur Reprise etwas zu grob nahm. Doch weitestgehend war, was das Sextett bot, in Dynamik und Phrasierung überzeugend und begeisterte das Grazer Publikum.

MIDORI

MIDORI – (c) Timothy Greenfield-Sanders

Nach der Pause spielte man Schuberts Streichquintett: ein Spätwerk, das Schubert bloß wenige Monate vor seinem Tod komponierte. Vor allem der langsame zweite Satz des Quintetts erlangte Bekanntheit. Während seiner berühmten pizzicato-Begleitung in den Außenteilen konnte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Nach dem flotten Rondo, das in seiner Kompositionsstruktur etwas unorigineller ausfällt als die restlichen drei Sätze, kam es zu tobendem Applaus. Das Publikum zeigte sich von den Musikerinnen und Musikern begeistert. Man hofft auf ein baldiges Wiedersehen!

Für Musikinteressierte sei auf die kommende Saison 2017/18 des Grazer Musikvereins hingewiesen, die kürzlich veröffentlicht worden ist: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/

 

 

Von Dichtern und Zigeunern – Liederabend im Musikverein

Der 3. Liederabend der Saison im Musikverein Graz bot ein vielseitiges Programm, das vor allem durch seine Vielfältigkeit hinsichtlich gesungener Sprachen außergewöhnlich und faszinierend werden konnte. Der aus Polen stammende Piotr Beczala wurde dabei vom in Graz allseits bekannten Helmut Deutsch am Klavier begleitet, der gewohnt souverän und gefühlvoll den großenteils herrlichen Gesang trug und unterstützte.

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(c) Musikverein Graz

Die erste Hälfte des Abends bot dem erwartungsvollen Publikum Robert Schumanns Dichterliebe, die für ihre teils hektischen, kurzen, aber auch gefühlvollen und romantischen Lieder bekannt ist. Vor allem die langsameren Stücke wurden berührend interpretiert („Im wunderschönen Monat Mai“, „Ich hab im Traum geweinet“), während jedoch so manches Lied, das vor allem von seiner Intensität und Wortgewalt lebt („Ich grolle nicht“, „Das ist ein Flöten und Geigen“, „Und wüssten’s die Blumen die kleinen“), einen Hauch zu glatt und vorsichtig vorgetragen wurde.

In der zweiten Hälfte des Konzertabends, die slawischen Gesang bot, wurde Piotr Beczala merkbar freier und sicherer und trug beherzt schönes Liedgut des weithin unbekannten polnischen Komponisten Mieczyslaw Karlowicz vor, ehe Antonín Dvoraks Zigeunerlieder (op. 55) in Originalsprache für einen zarten, angemessenen stilistischen Bruch sorgten. Den Abschluss bildeten Lieder Sergej Rachmaninows (auf Russisch), ehe drei Zugaben dem erfreuten Publikum geboten wurden, das am Ende vor allem Helmut Deutsch für seine jahrelange Tätigkeit im Musikverein nochmals gebührend Ehre erwies. Ein gelungener Liederabend!