Wolf italienisch

Im letzten Liederabend der Saison boten Christiane Karg und Michael Nagy Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“. Am Klavier spielte der großartige Gerold Huber.

Christiane Karg (c) Gisela Schenker

Selten ist der italienische Wolf vollständig zu hören, vermutlich auch weil das Werk etwas im Schatten des „Spanischen Liederbuches“ steht. Der Großteil der Lieder handelt von den vielen Formen der Lieder, für die italienische Gedichte in deutscher Übersetzung von Paul Heyse als Inspirationsquelle dienten. Dazwischen sind aber ein paar musikalische Anekdoten ganz anderer Art hineingeschummelt, die teils religiösen teils rein erheiternden Charakter zeigen. Christiane Karg, die im Vorjahr mit einem Liederabend voll großer Erzählkunst aufhorchen ließ, konnte ihre Stimme in Wolfs Stückerln nicht voll ausschöpfen. Zu Beginn schienen ihre Töne eng gehalten und erst im Laufe des Konzertes wurde die frische, leichte und kecke Charakteristik ihres Vortrages deutlich, wie sie es etwa in „Ihr jungen Leute“ bewies. Im zweiten Teil bescherte ihre Stimme aber doch den Höhepunkt des Abends mit dem Lied „Oh wär‘ dein Haus durchsichtig wie ein Glas“. Zum gläsern feinen Spiel von Gerold Huber entlockte sie ihrer Stimme hier sehnsuchtsvolle Töne, die mit ihrer Zerbrechlichkeit und Anmut Stillschweigen im Saal beschwören konnten.

Michael Nagy (c) Monika Höfler

Den Part des Baritons übernahm Michael Nagy, der hiermit aus sein Debüt im Musikverein für Steiermark beging. Seine Stimme gewann ebenso wie die seiner Partnerin im Laufe des Abends an Lebhaftigkeit, und so erklang „Heb auf dein blondes Haupt“ besonders schmeichelnd. Den schlummernden Weitklang seiner Töne hob er sich allerdings für den zweiten Teil des Abends auf, und so wurde man in „Schon streckt‘ ich aus im Bett die müden Glieder“ noch munter überrascht. Getragen und gehoben wurden die beiden Sänger vom Pianisten Gerold Huber, der an der Musikhochschule Würzburg auch eine Professur für Liedbegleitung innehat. Hubers Spiel ist klar, nuanciert und lebhaft. Einzig die zu kurzen Pausen zwischen den Stücken lassen sich bemängeln, da man selbst als Zuhörer das Gefühl hatte, kaum durchatmen zu können. In Summe blieb der Eindruck zurück, dass das Schaffen Hugo Wolfs zwar auch hier zu unterhalten wusste, um einen ganzen Abend allerdings spannungsvoll zu füllen, wären mehr Kontraste und/oder ein durchgezogener Faden von Nöten gewesen.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
https://www.musikverein-graz.at/konzert/5-liederabend-3/

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Lieder in Basslage


(c) Claudia Leopold

Der deutsche Sänger René Pape gab sein Debüt im Musikverein mit zumeist düster gefärbtem Liedgut.

Bei der Auswahl der Lieder an diesem Abend ließen Pape und der Pianist Camillo Radicke keine originellen Einfälle missen. Noch eher allgemein wurde das Programm mit sechs Beethoven Liedern (op. 48) begonnen. Die Stücke nach Gedichten von Christian Gellert wurden 1801/02 komponiert und lassen noch sehr wenig von der wütigen Leidenschaft späterer Beethoven Lieder ahnen. Papes Stimme gab sich von Beginn an voller Präsenz und Fülle über sein ganzes Register. Als Überraschung des Abends entpuppten sich die folgenden „Biblischen Lieder“ des Antonín Dvořák. Eine feine Auswahl von Psalmen fand hier eine feine und aufgeschlossene Vertonung, die von den Interpreten in gesteigerter Intensität vorgetragen wurden. Geführt durch seinen Begleiter am Klavier fand Pape im Lied zum Psalm 23 das erste Mal ganz zur Ruhe. Ein einziger Anschlag genügte Camillo Radicke hier bereits, um der Musik scheinbar unendlich viel Zeit zu geben. Die Innigkeit dieses Liedes stand im Kontrast etwa zur Komposition nach dem Psalm 96|98, die mit ihrer Stimmung ganz an weltliche Klänge erinnerte.
Zwei weitere Sprachen wurden im zweiten Teil des Konzertes eröffnet. Drei Leider des wenig bekannten Roger Quilter brachten Verse Shakespeares in den Stefaniensaal. „Come away, Death“ und „Blow, Blow Thou Winter Wind“ erinnerten mit den modernen aber stets eingänglichen Harmonien an Stücke aus einem Musical, die vom Bass Papes mit kraftvollem Schwung erfüllt wurden. Als düsteren Schlusspunkt wählte das Duo die „Lieder und Tänze des Todes „des russischen Komponisten Modest Mussorgsky. In faszinierend lautmalerischer Sprache gab sich hier das Klavier, das die verschiedenen Facetten des Todes durch dunkle Farben und schiefe Konstellationen zum Ausdruck brachte. Die ersten beiden Stücke erzählten vom Tod junger Menschen, die vom Sensenmann in einen ewigen Schlaf verführt werden. Verführerisch und persönlich trat hier der Sänger auf, gedehnte Pausen und ein vehementes „…nun bist du mein!“ unterstrichen die Dramatik der Geschichten. Die folgenden zwei Lieder sangen vom Tod als gehässiges Wesen und die an manchen Stellen brutale Interpretation ließ eine gewisse Vielfalt an Klangfarben vermissen.
Der begeisterte Applaus der zahlreichen Zuhörer wurde mit Strauss‘ Zueignung und der Kinderwacht von Robert Schumann als Zugaben noch mit dem obligaten Kitsch gestillt.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://www.musikverein-graz.at/konzert/4-liederabend-3/

Neues auch noch im 204. Jahr

(c) Musikverein

Der Musikverein für Steiermark bot Einblick in die musikalischen Schmankerln der nächsten Saison.

Mit Worten und Tönen fand die Programmpräsentation für 2018/19 im Stefaniensaal statt. Durch den Abend führte die Sängerin und Moderatorin Andrea Huber, die mit ihrer direkten und heiteren Art für eine angenehme Stimmung sorgte. Auch Generalsekretär und künstlerischer Leiter Dr. Michael Nemeth meldete sich am Mikrophon, um die Schokoladenseiten „seines“ Musikvereins dem Publikum näher zu bringen. Ein besonderer Fokus liegt in der kommenden Saison wieder bei der Jugendförderung. Passend hierzu wurde der Abend mit dem Spiritual „Wade in the water“ vom Chor des J.J. Fux-Konservatoriums eröffnet, der auch von vielen jungen Sängern bevölkert wird. Unter der Leitung von Franz Herzog wird auch das 7. Festkonzert des Musikvereins stehen, das am 22. März mit „Bridges“ internationale Chormusik von Bernstein bis Elgar in den Grazer Congress bringt. Perfekt maßgeschneidert scheint dieses Konzert für das diesjährige Motto „Brücken bauchen“, das auf drei G-Säulen fußt: Genre, Gattungen und Generationen. Zwei weitere Jugendprojekte werden die kommende Saison eröffnen: am 17. September setzt Oksana Lyniv mit dem Youth Symphony Orchestra of Ukraine mit Beethoven, Mozart und Boieldieu ein Zeichen für Menschenrechte, am 19. September präsentieren sich junge Stimmen in Mozarts „La clemenza di Tito“. Als Auszug daraus sang eine junge Sängerin aus Usbekistan mit warmem und fülligem Klang eine Arie der Oper.
Zwei weitere Musikbrückenbauer wurden für die Programmpräsentation selbst engagiert: BartolomeyBittmann. Mit Cello und Violine oder Mandola heizten die zwei jungen Musiker die Stimmung ziemlich hemmungslos an und gaben einen Vorgeschmack auf ihr Solistenkonzert am 20. März. Neben jungen, aufstrebenden Künstlern kommen auch einige große Namen im nächsten Jahr nach Graz. Ihre Stimmen erheben werden Juan Diego Flórez, Anna Netrebko und Elina Garanca, am Klavier werden Daniel Barenboim und Rudolf Buchbinder zu erleben sein. Buchbinder wird dabei seinen Beethovenzyklus in Graz beenden. In den Kammerkonzerten werden etwa das Belcea und das Jerusalem Quartet ihre Saiten zum Klingen bringen, während die beiden Ottensamer Brüder mit ihren Klarinetten eine Hommage an ihren Vater Ernst Ottensamer geben werden. Auch fünf Liederabende sind unter den 54 kommenden Konzerten der nächsten Spielzeit. Die jungen Talente Lousie Adler und Mauro Peter werden hier ergänzt durch ein Konzert zum 50-jährigen Jubiläum der King’s Singers. Gerade bei den kleiner besetzten Konzerten hätte vielleicht eine ausführlichere Bewerbung gutgetan, da diese Veranstaltungen den Publikumsschwund ja besonders zu spüren bekommen, während die großangepriesenen Festkonzerte sich nicht wegen den Besucherzahlen sorgen müssen.
In Summe hinterließ der Abend eine vorfreudige Stimmung auf die kommenden Musikgenüsse. Bei einem Glaserl mit Teller Gulasch und den Klängen des Miriam Kulmer Jazz Quartetts konnte man den Abend in gemütlicher und geselliger Runde ausklingen lassen.

Weitere Informationen zum Programm des Musikvereins unter:
http://www.musikverein-graz.at/konzerte/