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Next Liberty: Das kommt in der neuen Spielzeit

Foto: (c) Lupi Spuma
Das Next Liberty Kinder- und Jugendtheater in Graz ist schon längst ein „Theater für alle“ geworden, wie Intendant Michael Schilhan betont. „Begegnungen“ lautet das Motto der neuen Spielzeit 2019/20 mit sieben Premieren zwischen Klassikern und Gegenwartsdramatik. Ab 4. Juni beginnt der Kartenverkauf.

Das Next Liberty hat eine Rekordsaison hinter sich: Neben vielen Auszeichnungen im In- und Ausland kratzen sie bei der Auslastung an der 90%-Marke. Auch in der nächsten Spielzeit soll es so erfolgreich weitergehen. Eröffnet wird schonmal mit einem Klassiker: „Die Schöne und das Biest“ mag wohl jeder kennen, aber: „Es ist nicht Disney!“, betont Dramaturgin Dagmar Stehring, „frech und unkonventionell“ soll das Märchen werden. Ein weiterer Klassiker steht im November am Plan: Das Familienmusical „Pünktchen und Anton“ lädt auf die große Opernbühne und lässt zwei Kinder aus unterschiedlichen Schichten aufeinander treffen. Nochmals musikalisch wird es auch Anfang Februar bei der Kinderoper „Kalif Storch oder Das Zauberwort“.

Mit „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“, zu sehen ab 14. März, hat Christine Nöstlinger 1974 ein zeitgenössisches Werk geschaffen, das pädagogische Modelle hinterfragt. Inszeniert wird es von dem Grazer Regisseur Simon Windisch, der vor allem aus dem TaO! bekannt ist und am Next Liberty sein Regiedebüt gibt: „Windisch ist ein guter Partner für ein Plädoyer für Anarchie“, so Stehring. Graz-Bezug hat auch „Der Koffer der Adele Kurzweil“, das am 24. Jänner Premiere hat. Es erzählt die Geschichte zweier Grazer Kinder, die unter der NS-Herrschaft nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden – ihre Koffer wurden in den 90ern in Südfrankreich gefunden. Im Auftrag von Next Liberty wird ihr zu kurzes Leben erstmals für die Bühne adaptiert.

Gegenwartsdramatik auf höchstem Niveau nimmt man ebenso wichtig: Ab 16. November stellen sich in „Krähe und Bär oder Die Sonne scheint für uns alle“ von Erfolgsautor Martin Baltscheit zwei Tiere die großen, philosophischen Fragen. Beschlossen wird die Saison mit Roland Schimmelpfennigs erstem Kinderstück „Die Biene im Kopf“, einer kafkaesken „Mischung aus Sozialkritik und Adventuregame“, wie Dramaturgin Stehring erklärt. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit dramaforum von uniT gestärkt werden: Ab 2021 wird der Retzhofer Dramapreis auch in der Kategorie Jugendtheater verliehen.

Spielzeit 19.20 am Schauspielhaus: Was kommt

Nach vier reiseintensiven Jahren richtet das Schauspielhaus den Blick unter dem Motto „Heimat“ nach innen – und bleibt dabei open-minded. Auf welche Stücke man sich in der kommenden Saison freuen darf und was man außerdem wissen sollte.

„Heimat, was soll das sein?“ Diese Frage bildet den roten Faden durch ein knallbuntes Programm 2019.2020, das Intendantin Iris Laufenberg und ihr Team gestern präsentierten. Ob es nun darum geht, wie sie schmeckt („Zuhause ist ein Bauchgefühl“), klingt („Vögel“, Familiendrama mit Sandy Lopičić) oder sich anfühlt („Bist du GAK oder Sturm?“): Heimat betrifft uns alle. Zeit, dem politisch überstrapazierten Begriff neue Perspektiven zu verleihen.

Den Saisonauftakt bildet das traditionelle Eröffnungsfest am Samstag, den 14.09.2019, mit Einblicken in  die kommende Saison und anschließender Party auf der Bühne von HAUS EINS. Die erste Produktion  gibt es am 26.09.2019 zu sehen: „Vernon Subutex“, ein als Kriminalgeschichte verpacktes, riesiges Gesellschaftspanorama. Regisseur Alexander Eisenach adaptierte die französische Romantrilogie von Virginie Despentes (die offenbar den Zeitgeist so exakt trifft, dass auch im Schauspielhaus Wien gerade eine Bühnenfassung angelaufen ist) und enthüllte bereits den Vernon: Norbert Wally von der Grazer Band „The Base“, die bei der Eröffnungsparty auftreten wird.

Was gibt es Neues

Der Fokus von Laufenberg liegt ganz klar auf zeitgenössischer Dramatik. Somit trägt sie das Motto der letzten Saison, „Zukunft“, auch in die neue Spielzeit weiter: Von den 19 Premieren sind sechs Uraufführungen, drei Österreichische Erstaufführungen und zwei Stückentwicklungen für die Bürger*innenbühne. Beispielsweise „dritte republik (eine vermessung). teil drei der kronlandsaga“, ein skurriles Projekt des österreichischen Autors Thomas Köck, das sich ausgehend von der Habsburgermonarchie mit Grenzen und Nationalitäten beschäftigt und von Anita Vulesica erstmals in  Österreich inszeniert wird. Spannend wird es mit „Ich, Tatortkommissarinnen“, einer Koproduktion  mit den Rabtaldirndln, Julia Gräfner und Cora Frost, lustig mit „Bookpink“ (plattdeutsch für  „Buchfink“), wo Anja Michaela Wohlfahrt (aktuell „Schöne neue Welt: Träumen Androiden von  elektrischen Schafen?“) schräge Vögel auf die Bühne bringt, und ironisch mit „The Hills are Alive“, das den Kultfilm „The Sound of Music“ ins Heute holt – dabei tritt Nikolaus Habjan (aktuell „Böhm“; der Exportschlager wird wiederaufgenommen) zum ersten Mal gemeinsam mit seinem Mentor Neville Tranter auf.

Klassiker entstaubt

Auch für Klassiker-Fans steht genug am Menüplan, jedoch mit frischer Würze: Regisseurin Claudia Bossard betrachtet Friedrich Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ aus einer feministischen Perspektive, Stephan Rottkamp (aktuell „Maria Stuart“) setzt sich mit Shakespeares „Macbeth“ auseinander und Markus Bothe inszeniert „Der König amüsiert sich – Ein Rigoletto-Melodram“ nach dem Drama von Victor Hugo, das 1832 zum Theaterskandal führte und als unbekannte Vorlage für Verdis Oper diente. Daniel Foerster kleidet mit „Jedermann (stirbt)“ eine Bearbeitung des  Hofmannsthal’schen Klassikers von Ferdinand Schmalz neu ein. Als Paradestück der österreichischen Mentalität kommt „Heldenplatz“ auf die Bühne: mehr als 30 Jahre nach der Uraufführung hat das Stück von Thomas Bernhard noch immer Aufregerpotenzial, wie man unlängst am Beispiel Böhmermann sehen konnte, der die Österreicher nach Bernhard’schem Vorbild als acht Millionen Debile bezeichnete und damit eine Empörungswelle lostrat.

Theater für alle

Als Erfolgsmodell aus dem Vorjahr hat sich die Bürger*innenbühne entpuppt. Im neuen Programm sind „Bist du GAK oder Sturm?“, eine von Pia Hierzegger moderierte Fußball-Bürger*innenbühne über Liebe, Stolz und Fan-Sein mit Regisseur Ed.Hauswirth, sowie „Zuhause ist ein Bauchgefühl“. Hier sucht die afrodeutsche Regisseurin Simone Dede Ayivi Familienrezepte, süße Geheimnisse und Geschichten zum Thema Kochen und Zugehörigkeit.

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Spielzeitbuch © Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Auch die Spielsamstage werden beibehalten: An ausgewählten Terminen können Spielfreudige mit unterschiedlichen Theatermethoden experimentieren und sich mit Themen und Stücken auseinandersetzen (Informationen und Anmeldung: julia.gratzer@schauspielhaus-graz.com). Daneben bieten auch verschiedene Schauspielklubs die Möglichkeit, Theaterspielen zu trainieren, teilweise selbst auf der Bühne zu stehen und gemeinsam Vorstellungen und Nachgespräche zu besuchen (Informationen ab Herbst auf der Website, Fragen an timo.staaks@schauspielhaus-graz.com).

Interessant für Lehrende: Ab heuer gibt es die sogenannten „Premierenklassen“. Pro Stück darf eine Klasse die Produktion begleiten, mit den Künstler*innen sprechen und bei der Premiere dabei sein. Bewerbungen sind ab sofort möglich.

… auch für die mit kleinem Budget

Gewusst wie: Auch in der neuen Saison gibt es wieder viele Möglichkeiten, günstig ins Theater zu kommen. Restkarten um 5€ kann man sich gegen die Vorlage eines Studierendenausweises ab 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn sichern (ausgenommen Premieren). Bei den ÖH Stückgesprächen gibt’s um den gleichen Preis auch noch Einblicke hinter die Kulissen und Gespräche mit den Künstler*innen  (Termine findet ihr laufend auf der Kultref-Seite auf Facebook). Für eine bequeme Anreise sorgt die Kooperation mit der Verbund Linie: Eine Eintrittskarte gilt drei Stunden vor und bis sieben Stunden nach Veranstaltungsbeginn als Öffi-Ticket für die gesamte Steiermark (Genaueres unter http://freiefahrt.buehnen-graz.com/). Und wer gratis ins Theater möchte: Für eine Rezension gibt’s von blog4tickets zwei Freikarten zum Stück eurer Wahl (Informationen unter kultur@oehunigraz.at).

Premierentermine:

26.09.2019: Vernon Subutex (Regie: Alexander Eisenach), HAUS EINS

27.09.2019: Die Leiden der jungen Wärter. Kooperation mit dem Institut für Schauspiel der KUG (Regie: Nele Stuhler & Jan Koslowski), HAUS ZWEI

04.10.2019; Ruhig Blut. Koproduktion mit dem Deutschen Theater  Berlin (Regie: Clara Weyde), HAUS  ZWEI

09.10.2019: Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs (Regie: Blanka Rádóczy), Museum für Geschichte

18.10.2019; Die Physiker (Regie: Claudia Bossard), HAUS EINS

14.11.2019: Jedermann (stirbt) (Regie: Daniel Foerster), HAUS  ZWEI

14.11.2019: The Hills are Alive (von und mit Nikolaus Habjan & Neville Tranter), HAUS EINS

29.11.2019: Bookpink (Regie: Anja Michaela Wohlfahrt),  HAUS DREI

05.12.2019: Ich, Tatortkommissarinnen Koproduktion mit den Rabtaldirndln (Regie: Cora Frost),  HAUS  ZWEI

06.12.2019: Josef und Maria (Regie: Michael Schilhan), HAUS EINS

10.01.2020: Heldenplatz (Regie: Franz-Xaver Mayr), HAUS EINS

Jänner 2020; Schwarze Milch (Regie: Jan Stephan Schmieding), HAUS ZWEI

31.01.2020: Vögel (Regie: Sandy Lopičić),  HAUS EINS

28.02.2020: Bist du GAK oder Sturm? (Regie: Ed.Hauswirth), HAUS EINS

27.03.2020: Macbeth (Regie: Stephan Rottkamp), HAUS EINS

April 2020: Zuhause ist ein Bauchgefühl (Regie: Simone Dede Ayivi), HAUS ZWEI

17.04.2020: dritte republik (eine vermessung). teil drei der kronlandsaga (Regie: Anita Vulesica), HAUS EINS

Mai 2020: Frau Ada denkt Unerhörtes (Regie: Lily Sykes), HAUS ZWEI

15.05.2020: Der König amüsiert sich – Ein Rigoletto-Melodram (Regie: Markus Bothe), HAUS EINS

09.-11.06.2020: Young Europe III Festival, HAUS ZWEI  HAUS DREI & EXTERNE SPIELORTE

10.-14.06.2020: DRAMA|TIK|ER|INNEN FEST|IVAL 2020, HAUS EINS, HAUS  ZWEI, HAUS  DREI  & EXTERNE SPIELORTE

11.-14.06.2020: ETC – INTERNATIONAL THEATRE CONFERENCE, SCHAUSPIELHAUS GRAZ

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Deine Geschichte auf der Schauspielhaus-Bühne

Das Schauspielhaus Graz bittet für das neue Projekt „Bürger*innenbühne“ ExpertInnen des Alltags zu Wort. Es werden Menschen gesucht, die bereit sind, ihre Geschichten in eine der drei Produktionen einfließen zu lassen – und selbst mitzuspielen!

Du wolltest schon immer einmal Bühnenluft schnuppern, bei einem professionellen Probenprozess dabei sein und deine Ideen einbringen? Das Schauspielhaus will mit der „Bürger*innenbühne“ einen Raum der Begegnung und des Diskurses schaffen, in dem jede/r willkommen ist. Gesellschaftliche Gräben sollen durch Zusammenarbeit zugeschaufelt werden: Egal ob Jung oder Alt, Studi oder Vorstandsvorstand, Österreicher*innen oder Migrant*innen, in Graz und der ganzen Steiermark – alle arbeiten an der gemeinsamen Vision einer „Schönen neuen Welt“.

Drei Produktionen zu verschiedenen Bereichen des Themas „Zukunft“ werden in der Spielsaison 2018/19 auf den drei Bühnen zu sehen sein. Den Auftakt macht Regisseur Simon Windisch am Haus 2 mit „Leonce und Lena suchen einen Ausweg“: Der Alltag zwischen Langeweile und Leistungsdruck, zwischen „burnout und boreout“ soll hier verhandelt werden. Davon können Studis nur ein Lied singen, denn die Prüfungen und Seminararbeiten tauchen bekanntlich immer alle auf einmal auf!

Infoveranstaltung: 15. September 2018; Auswahlworkshop: 22./23. September; Probezeit: 16. November – Jänner; Premiere: Jänner 2019; Kontakt: julia.gratzer@schauspielhaus-graz.com

„Träumen Androiden von elektronischen Schafen?“ lautet der wohlklingende Titel der zweiten Produktion mit Regisseurin Anja Michaela Wohlfahrt am Haus 3. Hierfür werden Menschen gesucht, die die Zukunft aktiv mitgestalten, egal ob politisch, technisch oder sozial – es geht um die Welt von morgen und Visionen dieser.

Infoveranstaltung: 12. Jänner 2019; Auswahlworkshop: 19./20. Jänner; Probezeit: 25. Februar bis April; Premiere: April 2019; Kontakt: timo.staaks@schauspielhaus-graz.com

Am großen Haus 1 wird schließlich das Thema „Familie 2.0“ von Regisseurin Uta Plate bearbeitet – ein riesiger Themenblock, der jede/n betrifft. Die Vergangenheit aufarbeiten, die Gegenwart analysieren und die Zukunft gestalten – egal ob als traditionelle Kleinfamilie, alternative Lebensgemeinschaft oder Regenbogenfamilie. Hat der Generationenvertrag noch Gültigkeit? Welche Modelle des Zusammenlebens sind in Zukunft möglich? Welchen Traditionen folgen wir, welche brechen wir? Ein bunter Haufen wird für „Familie 2.0“ gesucht!

Infoveranstaltung: 9. März 2019; Auswahlworkshop: 16./17. März; Probezeit: 1. April bis 28. Juni; Premiere: 29. Juni 2019; Kontakt: viola.novak@schauspielhaus-graz.com

Wie kann ich mitmachen?

Die einzigen Erfahrungen, die zum mitmachen nötig sind, sind jene aus dem eigenen Leben! Einfach zu den angegebenen Daten der Infoveranstaltungen jeweils um 18 Uhr im Foyer des Schauspielhauses anwesend sein und/oder unter den angegebenen E-Mail-Adressen voranmelden. Viel Spaß wünscht das Kulturreferat der ÖH Uni Graz!

Weitere Infos hier!