Als Träume fliegen lernten

Mit einer tierisch erfrischenden Inszenierung von “Krähe und Bär“ lässt Helge Stradner im Next Liberty zwei (scheinbar) grundverschiedene Figuren auf der Suche nach dem Glück aufeinandertreffen.

Bär (Helmut Pucher) und Krähe (Simone Leski) (c) Stella

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben: Ein Bär rettete im Zoo einer ertrinkenden Krähe das Leben, nur um sich dann sofort wieder seinem Futter, bestehend aus Äpfeln und Karotten, zu widmen. Diese wahre Begebenheit aus dem Jahre 2014 griff Martin Baltscheit auf und spann diese ungewöhnliche Begegnung zu einem Kinderbuch weiter, welche nun in einer Theaterversion auf der Bühne des Next Liberty zu sehen ist.

Die beiden Protagonisten könnten auf dem ersten Blick unterschiedlicher nicht sein: Während die Krähe den Bären nach ihrer Rettung flugs mit ihrer unermüdlichen, teils derben Redseligkeit „beglückt“, möchte das grummelige Zotteltier erstmal nur seine Ruhe beim Fressen haben. Die beiden merken jedoch schnell, dass sie ohneeinander nicht können – denn der eine besitzt genau das, was für den anderen Glück bedeuten würde: die Krähe wünscht sich Sicherheit und drei Mahlzeiten am Tag – der Bär träumt davon, ans Meer zu fliegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Eine magische Schlangenmedizin scheint ihre Wünsche zunächst auch zu erfüllen…

Helmut Pucher begeistert als gemütlicher Bär, dessen Lebensraum nur sieben Schritte lang und breit ist und der endlich die Welt außerhalb seines Käfigs entdecken möchte. Simone Leski verzückt als energische Quasselstrippe von Krähe, die vor kreativen Ideen nur so sprüht, jedoch von ständigem Hunger geplagt ist und auf gutes Benehmen weitgehend verzichtet („Höflichkeit ist was für satte Tiere, du Pelzpopel!“). Gleich in mehreren Rollen überzeugt Martin Niederbrunner als Giraffe Marius, Ratte, graue Krähe, Blaumeise (köstlich!) und Erzähler.

Ein Bällebad als Pool und zwei Eimer mit Knochen schmücken das bescheidene Reich des Bären – Viel mehr braucht es nicht, um dem Publikum die Illusion eines Zoos vor Augen zu führen. Als Flugfeld und Aussichtspunkte für die Krähe dienen ein Dutzend Stehleitern in unterschiedlichen Größen. Für die gesamte Ausstattung, inklusive dezenter, aber wirkungsvoller Kostüme, zeichnet Denise Heschl verantwortlich. Diese reichen von einem kuscheligen Bärenfell über multifunktionale Krähenflügel bis zu überdimensionalen Brillen.
Der Dialog überwiegt, einzig atmosphärische Melodien von Spieluhren (Maurizio Nobili), sowie ein spannungs-erzeugendes Donnerblech untermalen das Stück.

Zwischen all den rasanten Schlagabtauschen und einer Portion Humor stimmt das Stück auch nachdenklich, etwa wenn die Tiere in Massen von Plastik nach essbaren Resten suchen oder der Bär hinter Gittern seines kleinen Geheges sitzt und bekennt, dass er für sein eigenes Glück niemand anderen dafür einsperren würde.

Fazit: Ein herzerwärmendes Stück über die Kraft der Freundschaft und perfekt für die kalte Jahreszeit – Sol lucet omnibus!

Weitere Termine und Infos unter:
https://www.nextliberty.com/stuecke/kraehe-und-baer-die-sonne-scheint-fuer-uns-alle/

Die inneren Werte zählen – Die Schöne und das Biest

Bild: Christoph Steiner als das Biest und Simone Leski als Belle © Lex Karelly Photography

In dieser Saison bringt das Next Liberty eine der bekanntesten Liebesgeschichten auf die Bühne und macht Disney damit Konkurrenz. Die Inszenierung des Stückes „Die Schöne und das Biest“ stammt von Natascha Grasser und lässt die französische Erzählung in neuem Glanz und Glitzer erstrahlen.

Nachdem sich Belles Vater (Martin Niederbrunner) im Wald verirrt hat, findet er Unterschlupf im Schloss des Biestes (gespielt von Christoph Steiner). Das Biest, das einst der hübsche Prinz Philipp war, ist dem Mann zunächst postiv gestimmt. Als er jedoch versucht, die Rose zu stehlen, erzürnt das Biest und verlangt die Auslieferung von Belle. Nach einigen holprigen Dinner-Dates schließt die hübsche Belle (Simone Leski) das riesige Fellknäuel ins Herz und ein Happy-End scheint in Sicht.

Zu Weihnachten liegt Belles Vater jedoch krank im Bett und sie muss zu ihm. Bevor sie losgeht, verspricht sie Philipp, wieder zu ihm zurück zu kehren. Nach einiger Zeit zuhause vergisst Belle beinahe ganz auf ihr Versprechen und eilt besorgt zurück zu dem Biest, denn sie fürchtet, dass dieses breits tot ist. Im Schloss trifft sie jedoch nicht mehr auf das Biest, sondern auf Philipp in seiner ursprünglichen Form – den Prinzen.

Der Liebesgeschichte wurde eine niedliche Rahmenhandlung verliehen, in der zwei Feen die Geschichte erzählen. Die Kostüme der Feen sind bunt chaotisch, genau so wie sie selbst. Auch das Kostüm des Biests ist anders als gedacht, denn ein brauner Zottelbär mit goldenem Schnabel macht das Biest zu einer sehr eigenen Gattung Tier. Das Bühnenbild bezaubert durch magische Elemente und besonders die Sandkunstbilder beeindrucken die Zuschauer. Musikalisch vermisst man die bekannten Lieder aus der Disney-Verfilmung sondern bekommt nur das Klagelied einer Fee zu hören.

„Das Schöne und das Biest“ ist ein entzückendes Stück, das die Zuschauer in die französische Welt Belles führt und zeigt, dass die inneren Werte zählen.

Das Glück in unseren Sternen

In einer wunderbar nostalgischen Inszenierung von Natascha Grasser erwecken zwei Feen das Märchen „Die Schöne und das Biest“ in der Version von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell mit verzauberten Rosen und funkelnden Regenschirmen wieder zum Leben – ein wahrer Ohren- und Augenschmaus für Kinder und Erwachsene.

Das Biest (Christoph Steiner) und Belle (Simone Leski)
© Lex Karelly Photography
 

Wenn zwei echte(!) Feen ein Märchen erzählen, dann muss es wohl voller Magie sein – und die kommt bei der Geschichte über Prinz Phillip definitiv nicht zu kurz. Dieser wurde als Junge von einer auf Rache durch verschmähte Liebe sinnende Fee verflucht und muss seitdem als gefürchtetes Biest ein einsames Dasein auf seinem Schloss fristen. In diese Gemäuer verirrt sich der Vater von Belle und Gundula, erhält dort Speis und Trank und nimmt eine rote Rose an sich, die er Belle versprochen hat. Das Biest verlangt im Gegenzug dafür, er möge doch seine Tochter zum Abendessen vorbeibringen. Das „Blind Date“ verläuft gut – (nahezu) jeder Wunsch wird Belle erfüllt –  und das Biest kann sie überzeugen, zu bleiben.
Fortan lebt sie auf dem Schloss und haucht den verstaubten tristen Gemäuern mit ihrer unkonventionellen Art (u.a. bevorzugt sie bequeme Puffhosen gegenüber prunkvollen Kleidern) und einem stets positiven Gemüt neues Leben ein. Belle und das Biest kommen sich näher, doch bevor sie ihn retten kann, muss sie zu ihrer Familie zurückkehren und vergisst (beinahe) ihre Zeit am Schloss. Wird sie den tieftraurigen Schlossbesitzer doch noch von seinem Fluch erlösen können und damit auch endlich ihr eigenes Glück finden?

Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmte jedenfalls so perfekt, dass sich das junge Publikum lautstark für ein Happy End einsetzte. Simone Leski verzaubert in ihrem Einstand am Next Liberty als herzensgute rebellische Belle, an ihrer Seite steht Christoph Steiner, herrlich als tierisch gutes und liebenswertes Fellknäuel. Yvonne Klamant kommt als fröhliche Fee Cecile doch noch zu ihrem entzückend dargebotenen Chanson, während Helmut Pucher als strenge Fee Pink gekonnt das Publikum durch das Märchen führt. Darüber hinaus unterhalten Lisa Rothhardt als Belles bedauernswerte Schwester Gundula und deren elegant gekleideter und fürsorglicher Vater, gespielt von Martin Niederbrunner.

Die Inszenierung von Natascha Grasser sprüht vor originellen Ideen und magischen Momenten (Philipp Tawfik). Düstere Stimmung erzeugt die schlicht in schwarz gehaltene Ausstattung von Markus Boxler, sowie die mystische Musik von Christof Ressi, inklusive skurrilem Insektenorchester. Schrille kreative Kostüme werden – wie bunte Farbtupfer – auf der Bühne perfekt in Szene gesetzt. Außerdem verleihen Schattenspiele, Sandmalereien, Szeneneinfrierungen und funkelnde Accessoires dem Werk einen Hauch Nostalgie und dem Publikum leuchtende Augen.

Es ist ein Stück über den wahren Wert der äußeren und inneren Schönheit, die Vorteile einer vorurteilsfreien Welt, sowie über all die großen und kleinen Momente im Leben, die zählen:
Ein zauberhafter Auftakt in eine neue Spielzeit.

Weitere Termine (bis März 2020), Trailer und Infos unter:
http://www.nextliberty.com/stuecke/die-schoene-und-das-biest/