Zwei Welten – eine Freundschaft

Eine „tollossale“ Freundschaft und die Besinnung auf die wahren Werte – die Oper Graz zeigt gerade in Zusammenarbeit mit dem Next Liberty Pünktchen und Anton von Marc Schubring (Musik) und Wolfgang Adenberg (Text) nach einem Kinderbuch von Erich Kästner. Ein Musical für Jung und Alt, aus dem nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene etwas lernen können.

„Streichhölzer, kaufen Sie Streichhölzer…“ – singt Pünktchen jeden Abend neben ihrer „blinden Mutter“ auf der Weidendammer Brücke in Berlin. Eines Tages trifft sie dabei Anton Gast, der ebenso versucht wie sie, seine Streichhölzer an den Mann/ die Frau zu bringen. Aus einem kurzen Konkurrenzkampf entwickelt sich schnell eine innige Freundschaft und ebenso schnell fliegen Schwindeleien auf, denn Lügen haben ja bekanntlich kurze Beine. Denn Pünktchen ist nicht Pünktchen, sondern Luise Pogge, Tochter eines Spielwarengeschäftsbesitzer und somit alles andere als arm. Auch ihre Gefährtin ist weder blind noch ihre Mutter, sondern ihr Kindermädchen, welches versucht Geld für ihren räuberischen Verlobten aufzutreiben. Anton hingegen hat wirkliche Probleme – seine Mutter ist schwer krank und kann nicht arbeiten, weshalb er nebst der Schule auch Geld herbeischaffen muss, um die Miete und das Essen zu bezahlen. Arm trifft auf Reich und durch kindliche Neugier und eine optimistische sowie fröhliche Weltsicht, trotz des tristen und grauen Alltags des früheren Berlin, entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden Kindern, die auf Geben und Nehmen beruht, und in der Neid oder Missgunst keinen Platz haben. Getreu nach dem Motto „Zusammen schafft man alles“, erreichen sie am Ende Antons Traum – sie fahren ans Meer, wo auch seine Mutter eine schnellere Genesung erfährt.

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(c) Stella

Auf einer beeindruckenden Bühne (Mignon Ritter), die ständig zwischen dem hektischen Berlin der 20er Jahre, einem Café und der Wohnung der Pogges sowie der Gasts wechselt, spielt sich das Geschehen ab. Neben der liebevollen und detailgetreuen Ausstattung des Bühnenbilds im Retro- Chic, begeistern auch Videoaufnahmen, die eine Lebendigkeit in das Stück bringen und den Zuschauer direkt in die Schnelligkeit dieser Zeit eindringen lassen. Davor geben sich das stark besetzte Ensemble in passenden Kostümen (Alexia Redl) die Klinke in die Hand. Mit Cassandra Schütt spielt eine freche, junge, laute Pünktchen, die durch Schmäh und Einfallsreichtum besticht, aber auch ernsthafte Seiten zeigen kann, da sie sich von ihren reichen Eltern vernachlässigt fühlt. Eine Unmenge an Spielzeug, ein großes Haus und ein Kindermädchen können eben doch kein Elternersatz sein. Ihr etwas ruhigerer Gegenpart ist Jan Rogler als Anton, der so gutmütig und tolerant ist, sodass man ihn nur sympathisch finden kann. Der heimliche Star des Musicals ist jedoch Tini Kainrath als Berta, die Köchin der Pogges. Mit deutschem Dialekt, Schürze und unglaublichem Humor bringt sie wirklich jeden zum Lachen.

Pünktchen und Anton zeigt, dass Geld eben wirklich nur eine Nebensache ist. Die wahren Werte sowie Familie und Freunde werden in den Vordergrund gestellt. Ein Stück über das Zusammensein, über Geborgenheit und Vertrauen – Dinge, die wichtiger sind denn je. Selten hat ein Kindermusical so viel Spaß gemacht, aber auch belehrt. Manchmal schadet es eben nicht die Welt durch Kinderaugen zu sehen. Und manchmal schadet es nicht, auf sein Bauchgefühl zu hören. Und ja, manchmal schadet es auch nicht, sich in die Oper mit lauter Kindern zu setzen und zwei Stunden nur zuzuhören. Ohrwurm inklusive.

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Schokolade zum Frühstück

Ein OpernKurzgenuss der besonderen Art lockt Besucherinnen und Besucher in die ehemalige Eingangshalle des Joanneums. Das einstündige Intermezzo „La serva padrona“ von Giovanni Battista Pergolesi feierte Premiere in der Neuen Galerie und bestach das Publikum mit weit mehr als Schokolade.

Commedia dell’arte in der Gegenwart: Der reiche, alte Junggeselle Uberto wartet vergeblich auf seine morgendliche Schokolade, da seine Magd Serpina beschließt, nun selbst Herrin zu sein. Sie kommandiert ihren Arbeitgeber herum bis dieser seinen stummen Diener Vespone beauftragt, eine Braut für ihn zu finden. Diese Rechnung macht Uberto ohne Serpina, denn die durchtriebene Magd bringt ihn gemeinsam mit Vespone auf Umwegen dazu, sie zu heiraten.

Geld, Intrigen und Machtspielchen beherrschen das Stück ebenso wie Situationskomik und Typenüberzeichnung. Aber selbst Kritikerinnen und Kritikern der Opera Buffa zaubern die drei Charaktere gespielt von Paulina Tuzińska (Serpina), Dariusz Perczak (Uberto) und Levin Karl Hofmann (Vespone) ein Lächeln ins Gesicht. Wie soll das auch anders sein, wenn die schrägen Grimassen und hochmütigen Mienen aus nächster Nähe betrachtet werden können?

PhotoWerK_OG_LaServaPadrona_LoRes_022© Werner Kmetitsch

Sitzkissen auf Stufen, Plastikstühle am Gang, provisorisch befestigte Lichttechnik, ein minimalistisches Bühnenbild von Faniz Sadeghi und Notenständer rundum lassen eine ganz besondere Produktion erahnen. Das Museum als Schauplatz war die Herausforderung – die Oper Graz hat sie in Kooperation mit der Kunstuniversität Graz angenommen und eine einzigartige Umgebung geschaffen. Rund um die lebendige Inszenierung von Annette Wolf meistert Susanne Scholz mit dem Barockorchester gamma.ut die problematische Akustik und lässt Serpinas und Ubertos von zarter Sehnsucht erfüllte Arien glänzen. Wonach sie sich wohl sehnen? Jedenfalls mit Sicherheit nach Schokolade und davon bringe man ihnen und allen Mitwirkenden reichlich – sie haben es verdient!

Weitere Informationen zum OpernKurzgenuss finden Sie hier.

Ein klassischer Märchentraum

Zur Musik von Sergej Prokofjew tanzte das Ballett der Oper Graz die Geschichte von „Cinderella“.

(c) Ian Whalen

Wer meint, es würde in Märchen „Cinderella“ um das namensgebende, junge Aschenputtel gehen, konnte sich in der Einführung von Ballettdirektorin Beate Vollack alias die böse Stiefmutter vom Gegenteil überzeugen lassen. Natürlich stehe sie selbst und ihre beiden leiblichen Töchter Ottilie und Eulalie im Zentrum des Geschehens, und nicht das kleine Aschenputtel. In köstlich amüsanter Weise gab „die Stiefmutter“ eine erfrischende und erstaunlich umfassende Einführung zum Ballett Sergej Prokofjews.
Nicht nur die Gestaltung der Einführung und die Rolle der Stiefmutter lag an diesem Abend bei Beate Vollack, auch die ganze Choreographie wurde von ihr gestaltet. Ganz allgemein konzentrierte sich ihr Konzept auf eine klassische Erzählweise der bekannten Geschichte, jedoch mit einem zwinkernden Auge und genug Raum für tänzerische Anekdoten. Neben der Ironie ihrer eigenen Rolle bewiesen vor allem ihre Töchter verkörpert durch Lucie Horná und Jacqueline Lopez eine amüsant überzeichnete Darstellung ihrer Rollen. Im steten Zwist miteinander und allen anderen Konkurrentinnen tanzten sich sich selbstbewusst in den Vordergrund, um dann wieder tollpatschig eine Niederlage einzustecken. Im Kontrast dazu war die Bewegungsführung ihrer Stiefschwester Cinderella von schlichter Grazie geprägt. Ann-Kathrin Adam zeigte mit Bravour die Entwicklung ihrer Rolle, vom stets tanzbegeisterten aber zu Beginn noch ganz schüchternen Mädchen, bis hin zur strahlend sicheren Geliebten des Prinzen. Wie im Märchen ist die Verwandlungsszene, in der Cinderella von freundlichen Helferlein für den Ball eingekleidet wird. Als schöne Idee erwies sich die Darstellung von Aschenputtels Mutter von Miki Oliveira, die wie ein gutmütiger Geist immer wieder über die Bühne schwebte.
Die männlichen Rollen wussten ebenso als wohl durchdachte Gegenparts zu den Frauen zu überzeugen. Als Freunde und Beschützer des Prinzen gegen unliebsame Damenangriffe vollführten Giulio Panzi und Lorenzo Galdeman und wendiges wie witziges Duo. Der Prinz selbst gewann durch die Bewegungen von Christoph Schaller eine unschuldige und doch ehrwührdige Reinheit. Er fesselte sowohl in den meterhohen Sprüngen seines Balztanzes als auch in den wunderbar reduzierten Bewegungen in der ersten vertraulichen Annäherung an Cinderella. Von schlichter Schönheit war diese Szene des Liebespaares geprägt, das nur in seinen Unterkleidern einander zärtlich umstrich. Gerne hätte man sich auch im zweiten Teil des Abends eine Szene solcher Intimität gewünscht, um die glückliche Vereinigung noch deutlicher zu charakterisieren.

(c) Ian Whalen

Auch das übrige Ensemble der Tänzerinnen und Tänzer füllte in seinen verschiedenen Rollen die Szene und Stimmung des Abends auf. Als netter Einfall entpuppte sich auch der Einsatz der Ballettschule der Oper Graz, der eine engagierte Tanzklasse unter Schwiegermutters strenger Schule darstellte.
Der klassische Geist der Choreographie spiegelte sich auch und er Gestaltung der Bühne und Kostüme wider. Im Design von Dieter Eisenmann kamen neben fließenden Stoffen auch Tüll, Glitzer und Reifröcke zum Einsatz, die mit den verspiegelten Wänden und reduzierten Requisiten ein nicht überoriginelles aber stimmiges Bühnenbild bildeten. Die Musik Prokofjews lag unter der Aufsicht Julian Gaudianos, der die Grazer Philharmoniker mit Bedacht auf die Tänzerinnen und Tänzer durch die recht gleichförmige Partitur leitete.
Für alle auch aktiv Tanzbegeisterten gab es im Anschluss an die Aufführung die Einladung zur After-Show-Party auf der Studiobühne gemeinsam mit den Stars und Initiatoren des Balletts. Zwischen zeitlosen Popklassikern, Theaterkostümen und guter Stimmung wurden hier bis spät bis in die Nacht die bisweilen grenzenlosen Freuden des Tanzes zelebriert.

Weitere Informationen zur Vorstellung unter:
https://www.oper-graz.com/production-details/cinderella

Ein Trailer zur Veranstaltung findet sich unter: