Die zweite rechts und immer geradeaus bis zum Morgen…

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Jungen der niemals erwachsen werden möchte?

Regisseur Peter Raffalt hat die Geschichte von Peter Pan, Wendy und Captain Hook für das Next Liberty neu aufgerollt, modernisiert und ganz viel Feenstaub dazugegeben.

Die junge Wendy Darling erzählt ihrem Bruder gern Geschichten von Peter Pan, dem bösen Piraten Captain Hook und den verlorenen Kindern aus dem Nimmerland. Eines Tages trifft Wendy Peter im Flur, als der gerade nach seinem Schatten sucht, der ihm wieder einmal entwischt ist. Peter nimmt Wendy und ihren Bruder Michael mit „die zweite rechts und immer geradeaus bis zum Morgen“ nach Nimmerland. Dort treffen sie auf Nixen, ein tickendes Krokodil und natürlich den berüchtigtsten unter den Piraten: Captain Hook.

In dem knapp zwei Stündigen Theaterstück wird die Geschichte des schottischen Autors James Matthew Barrie neu erzählt. Das Stück ist Unterhaltung für die ganze Familie und bringt Kindern die Wichtigkeit der Familie, der Liebe und der Freundschaft nahe. Peter Pan, gespielt von Christoph Steiner, Wendy Darling gemimt von Rebekka Reinholz und Sacia Ronzoni als freche Fee Tinkerbell geben gemeinsam mit den anderen Darstellern ein tolles Ensemble ab und lassen die Zeit wie im Flug vergehen.

Fazit: Absolut sehenswertes Stück, vor allem für kleine Piratenfans, Feenbegeisterte und alle die gerne mit Peter und Wendy nach Nimmerland kommen wollen, um wieder einmal das Erwachsensein zu vergessen und in die Fantasie der Kinder einzutauchen.

Weitere Informationen und Spieltermine unter: http://www.nextliberty.com/stueck_detail.php?id=114853

William Shakespeare trifft Charles Gounod

Am Wochenende premierte in Graz die französische Oper „Roméo et Juliette“. Fundierte Stimmen und eine klassische Regie sorgten für einen harmonischen Genuss aller Sinne.

Kyungho Kim als Romeo und Sophia Broker als Juliette ; (c) Werner Kmetitsch

Kyungho Kim als Romeo und Sophia Broker als Juliette ; (c) Werner Kmetitsch

Zweifelsohne ist Romeo und Julia eine größten und berühmtesten Liebesgeschichten der Weltliteratur. Unzähligen Adaptionen in Film und Theater steht interessanterweise allerdings nur eine Oper gegenüber, die sich bis heute auf den Spielplänen der Welt halten konnte. Das Werk von Charles Gounod hält sich bis auf kleine Abwandlungen stark an das literarische Original und reichert es durch lyrische Musik an. Ganz im „Pariser Sinn“ beginnt die Ouvertüre begleitet von einer Ballettszene. Die Tänzer zeigen mit ihren fließenden Bewegungen die Geschichte von Romeo und Julia in wenigen Minuten: vom Liebestaumel bis zum Liebestod. Die verkörpernden Sänger (Sophia Brommer als Juliette, Kyungho Kim als Roméo) sind stimmlich von Beginn an harmonisch aufeinander eingestellt, während darstellerisch das Knistern erst später einsetzt. Brommer präsentiert sich im ersten Akt technisch versiert aber etwas farblos. Erst als ihre Rolle den Geliebten als vermeintlichen Feind erkennt, scheint sie mit dem Satz „Cétait Roméo!“ (zu deutsch: Es war Romeo!) ihren eigenen Klang zu finden. Die folgende Arie singt sie zart und mit emotionaler Einfühlsamkeit. Ihr Partner Kyungho Kim zeigte einen strahlenden Tenor mit viel Durchsetzungskraft. In den Liebesduetten ergänzte sich die stimmliche Wärme Brommers mit der Stärke von Kim und resultierte in säuselnd ergreifenden Liebesbekenntnissen. Vor allem zu Beginn 4. Akts kommen alle Romantiker auf ihre Kosten. Hinter dem Vorhang erscheint ein Meer aus (echten!) Kerzen, in dem das junge Paar seine Hochzeitsnacht verbringt. Wenn Romeo dann singt „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“ schmilzt nicht nur das Kerzenwachs dahin.

Szene zu Beginn des 4. Aktes ; (c) Werner Kmetitsch

Szene zu Beginn des 4. Aktes ; (c) Werner Kmetitsch

Auch die übrigen Szenen sind von einer klassischen Schlichtheit dominiert. Erst im 5. Akt, als Julia nach dem Einnehmen ihres Scheintodestranks zu halluzinieren beginnt, wird das traditionelle Bild durch groteske Elemente erweitert. Die Inszenierung von Ben Baur lässt die klassische Geschichte auch sonst ihren ungestörten, vorhersehbaren Weg gehen. Die Hürde der großen Besetzung dieser Oper ist mit vielen Mitgliedern des Grazer Ensembles gut gemeistert. Auffallend in ihren verhältnismäßig kleinen Rollen sind Peter Kellner mit tragendem, klaren Bass und Anna Brull mit einer wendigen Sopranstimme. Die musikalische Leitung obliegt Robin Engelen der den lyrischen Charakter der Musik hervorhebt, aber manchmal etwas Würze vermissen lässt.

Nähere Informationen zum Werk unter:
http://www.oper-graz.com/production-details/romeo-et-juliette

Remember Rembrandt

Am 4. Juli fand die letzte Vorstellung der jungen Oper „Remember Rembrandt“ (Libretto: Ruud van Weerdenburg, Komposition: Henrik Sande) im kunstGarten statt. Irmi Horn inszenierte die tragi-komischen Bewegungen von Rembrandts Werken und Wirken in einem kurzweiligen und experimentellen Rahmen.

„Amsterdam, the city of merchants and sailors…“ – mit diesem in der Endlosschleife wiederholten Satz wird das Publikum zu Beginn der Aufführung auf den Schauplatz der Geschichte eingestimmt. Rembrandt Harmenszoon van Rijns – so sein voller Name – Schaffen fügte sich in Hollands politischer, wirtschaftlicher und künstlerischer Blütezeit, die eben insbesondere die Großstadt Amsterdam prägte. Rembrandt musste viele Schicksalsschläge erfahren – früher Tod seiner engen Familienangehörigen, große finanzielle Probleme -, die allesamt sein Leben prägten.

Dieses Gefühls- und Erfahrungsspektrum wird in „Remember Rembrandt“ auf musikalischem, darstellerischem und sprachlichem Wege interpretiert. Der niederländische Librettist Ruud van Weerdenburg verkörpert dabei den Künstler selbst als Sprecher und auch Sänger/Darsteller. Der junge und vielversprechende Tenor Laszlo Adrian Kiss übernimmt zusätzlich die klassischen Gesangspartien. Diese Doppelbesetzung bringt die Vielschichtigkeit von Rembrandts Leben gekonnt zum Ausdruck. Auch Hendrickje Stoffels‘ (Rembrandts große Liebe) Rolle ist treffend doppelt besetzt, von der niederländischen Sopranistin Saralies ten Hooven und Irmi Horn selbst als Sprecherin.

Eine weitere Besonderheit ist der an die tragische Komödie angelehnte, in Alter und Geschlecht gemischte Chor, der sprechend und singend das Geschehen kommentiert. Die Ausstattung ist ganz im kunstGarten-Stil gehalten und zeugt von einem kreativen Blick fürs Detail: viele kleine Gegenstände verteilen sich über die Bühne, die im Gesamten einen orientalisch angehauchten Stil vermitteln. Auch die zahlreichen Selbstportraits des Künstlers finden ihren Weg in die Darstellung und veranschaulichen, wie Rembrandt sich mit sich selbst und seinem Leben befasste.

In musikalischer Hinsicht waren zu Beginn die dissonanten Akkorde etwas gewöhnungsbedürftig, ebenso wie der bruchartige Wechsel von klassischen Arien zu Jazzimprovisation und das Aufeinandertreffen von Saxophon und Cembalo. Lässt man sich auf dieses auditorische Experiment ein, verschmelzen diese bewussten Stilbrüche zu einem schlüssigen Ganzen und repräsentieren die verschiedenen Züge von Rembrandts Leben: Sturm- und Drang-Zeit, Ruhm, Liebe, Trauer, Misserfolg. Van Weerdenburgs malerische und tiefgründige Texte klingen so persönlich, als habe sie Rembrandt selbst verfasst.

Herrlich ungezwungen ist vor allem auch die Location der Aufführung. Der erfrischende und zugleich mystisch-exotische kunstGarten wird als Schauplatz mit einbezogen – etwa, wenn eine Sängerin auf dem Dach eines Gartenhäuschens erscheint. Ein Spaziergang durch die verschlungenen Wege im Garten lässt den Operngenuss in Ruhe ausklingen.

Weitere Ausstellungen und Performances im kunstGarten sind hier ersichtlich.