(c) Lupi Spuma

Klassisch mit Würze

 

Das Schauspielhaus Graz übergibt auch diese Spielzeit wieder einen Nestroy in die Hände von Dominique Schnizer: „Einen Jux will er sich machen“ bleibt optisch wie sprachlich klassisch, politische Würze bringt Stefanie Sargnagel mit umgedichteten Couplets.

Es ist ein Nestroy, wie er im Buche steht: Dominique Schnizer nimmt für die Fassung des Jux im Schauspielhaus kaum Änderungen am Stück vor, bleibt auch von der Ausstattung her im 19. Jahrhundert. In dunklen Stuben wandeln die Figuren in dunklen Kostümen. Hell scheint allerdings damals wie heute der Nestroy’sche Wortwitz, der das Rückgrat der Inszenierung darstellt.

Auch vom großartigen Ensemble lebt das Verwechslungsdrama: Franz Solar als Weinberl und sein Partner, der Lehrling Christopherl (Clemens Maria Riegler), bilden ein kongeniales Komödien-Duo, das sich gemeinsam einen Jux macht. Nachdem er von seiner Beförderung erfahren hat, zieht es Weinberl in die Stadt, wo er sich einfach einmal gehen lassen und einen lustigen Tag machen will. Leider tauchen dort auch sein Chef Zangler und dessen Knecht Melchior auf – Werner Stenger und Rudi Widerhofer geben ein einmal grantiges, einmal vorlautes Team ab. Vor allem Widerhofers Aussage „Na des is klassisch!“ wird auch nach dem gefühlt hundertsten Mal nicht langweilig und versetzt das volle Haus immer wieder in Gelächter.

Als puppenartige Modegeschäftsinhaberin mit viel ungarischem Dialekt und wenig im Hirn brilliert Anna Szandtner, als ihre zufällige Begleiterin Frau von Fischer Evamaria Salcher. Die Publikumsgunst holt sich vor allem Franz Xaver Zach als korpulentes, melodramatisches Fräulein von Blumenblatt mit Schnupftabak-Sucht.

Und schließlich, die Couplets: Dass sie regierungskritisch sind, ist nicht anders zu erwarten. Da werden etwa die bürgerliche Snob-Gesellschaft der Theater-Geher und auch der 12-Stunden-Tag unters sprachliche Seziermesser gelegt. Natürlich dürfen auch Feminismus, Ehe für alle und das Ausländer-Thema nicht fehlen: „Ihm grausts vor der Armut, besonders vor die Armen / Vor die schirchen Emanzen, vor Moslems und Warmen.“ Wunderbar vorgetragen werden sie von Solar, musikalisch dargeboten von Daniel Fuchsberger, Elisabeth Koval und Bernhard Neumaier. Ein schöner, ein köstlich lustiger, ein klassischer Abend!

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