Willkommen im Warteraum Zukunft

Ein wirklich beschissener Tag im Leben des Daniel Puttkamer. In diesem Satz steckt die Kurzzusammenfassung des Stücks aus der Feder von Oliver Kluck, welches unter Jan Stephan Schmieding mit Nico Link in der Hauptrolle und Ralph Püttmann in verschiedenen Nebenrollen ins Haus Zwei gebracht wurde.

WARTERAUM ZUKUNFT Ralph Püttmann, Nico Link (c) Lupi Spuma

WARTERAUM ZUKUNFT Ralph Püttmann, Nico Link (c) Lupi Spuma

Und doch, es steckt sehr viel mehr Bekanntes aus dem persönlichen Alltag im Stück, als man zu glauben vermag. Miese Arbeitszeiten und eine grausame Anfahrt zur Arbeit, die durch schlechtes Lokalradio unterhaltsam gemacht werden soll. Überhöhte Ansprüche seitens der Eltern. Als unfähig oder sozial inkompetent empfundene Kollegen. Ein miesepetriger Chef. Monotones Kantinenessen. Kaum Privatleben. Kein Glück in der Liebe. Neid gegenüber Freunden, die die Treppe hochgestolpert sind. Kein Sex. Neid gegenüber gutaussehenden Kolleginnen, da diese beim Chef bevorzugt behandelt werden. Es läuft so einiges falsch in Puttkamers Leben.

Doch dann die Beförderung. Sozialer Aufstieg und Anerkennung! Halt, doch nicht. Die Beförderung entpuppt sich als Versetzung nach Rumänien. Wie beschissen kann dieser Tag noch werden? Vorweg: Sehr beschissen. Wie genau? Das erfährt man am besten selbst in diesem Stück, welches durchaus als eine Widmung an die Generation Y anzusehen ist und sich mitten im Warteraum Zukunft befindet.

Die nächsten Termine finden sich auf der Homepage des Schauspielhauses. Bis dahin ist mit dem Trailer auf Youtube Vorlieb zu nehmen.

Warteraum Zukunft

Eine Rezension zum gleichnamigen Stück, inszeniert von Oliver Kluck unter der Regie von Jan Stephan Schmieding am Schauspielhaus Graz

Wie an einem typischen Montag nicht anders zu erwarten, trauert man einerseits noch dem vergangenen Wochenende nach und blickt andererseits gespannt auf die kommende Woche. Selbiges Dilemma kennt Daniel Putkammer, gespielt von Nico Link, nur zu gut. Stets bestreitet er einen Arbeitstag nach dem anderen und hofft dabei, der nächste Tag möge eine Besserung bringen. Unterstützung bekommt er von seinen Kollegen und diversen anderen Leidensgenossen, die ihr Dasein mittlerweile ebenso verbittert fristen und von Gastschauspieler Ralph Püttmann mannigfaltig, aber durchwegs glaubhaft gemimt werden.

Der Büroalltag, dem der Ingenieur Putkammer vom Kantinenmuff bis hin zu gelangweilten wie skurrilen Kollegen ausgesetzt ist, wird erschreckend realistisch und perspektivenlos in zehn Episoden dargestellt. Der angekündigte Termin beim “Alten” aka Chef lässt Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufkeimen, Putkammer malt sich aus, was eine Beförderung an Besserungen bewirken wird. Als die vermeintliche Beförderung sich dann als Versetzung nach Rumänien entpuppt, stürzt er angesichts der wieder verlängerten Durststrecke und des andauernden Abwartens im “Warteraum Zukunft” in eine depressive Sinn- und Seinskrise. Diese mündet wenig überraschend im Eklat, einer Katastrophe, die ihn aus einem Moment des verzweifelten Kontrollverlusts geboren, fast zu klischeehaft aller Zunkunftsmöglichkeiten beraubt.

Die Figur Putkammers steht stellvertretend für eine gut ausgebildete junge Generation von Akademikern, die sich nach langen Jahren der Ausbildung dem Wahnsinn einer globalisierten Arbeitswelt ausgeliefert sieht, sich allmählich resignierend doch immer weiter abrackert, Praktika absolviert und auf den ersehnten Lohn, die gesicherte Stelle im Unternehmen an Prestige und Bezahlung gemessen, hinarbeitet, bis die Erkenntnis, dass diese wohl nie erreicht werden wird, sie verzweifeln lässt.

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V.l.: Nico Link und Ralph Püttmann (c) Lupi Spuma

Das Schauspielerduo brilliert: Link spielt den Hamster im Hamsterrad des Kapitalismus mit reichlich Theatralik und wird dabei durch unterschiedliche Positionierung auf der Bühne und wechselnder Beleuchtung unterstützt, bis er letzten Endes vor seiner eigenen Niederlage nicht mehr davonlaufen kann und schauspielerisch grandios scheitert. Püttmann überrascht mit erstaunlicher Stimmgewalt und verkörpert sogar die betrunkene Freundin eines Freundes Putkammers überzeugend, ohne ins Gauklerische abzudriften.