Pompöser Minimalismus – Oberon

BILD:  © Oliver Wolf

Eine volle Bühne war doch so leer, denn es wurde der Musik überlassen, die Bilder in die Köpfe des Publikums zu zaubern. Carl Maria von Webers Oper Oberon wird in der Grazer Oper in einer konzertanten Aufführung dargeboten und rückt damit die Musik völlig in den Mittelpunkt. Ohren auf und Kopfkino an!

Die romantische Oper in drei Akten handelt von einem Streit zwischen Oberon, dem Elfenkönig, und seiner Gemahlin Titania. Sie sind sich uneinig, ob nun Mann oder Frau eher zur Untreue neigt. Oberon schwört, Titania nur wieder zu lieben, wenn sie ein Menschenpaar findet, dass Treue beweist. In der Menschenwelt wird der Ritter Hüon von Bordeaux von Karl dem Großen angeheuert, zur Hochzeit von Rezia zu reisen, diese zu küssen und ihren Gemahlen zu köpfen. Oberon hat Mitleid mit dem jungen Mann und überreicht ihm ein Zauberhorn, das ihn vor Schaden schützen soll. Nach der Tat flieht Hüon mit Rezia auf einem Schiff nach Frankreich, jedoch lässt Oberon das Schiff kentern und das Paar gerät in Gefahr. Trotz aller Gefahren bleiben sie einander treu und daraufhin befreit Oberon die Liebenden und versöhnt sich mit seiner Gemahlin.

Im Stück übernimmt Birgit Minichmayr die Rolle der Erzählerin, führt mit viel Emotion das Publikum durch die Geschichte und kurbelt durch ihre Erzählweise das Kopfkino an. Vortrefflich sind die Sänger mit ihrer Leistung. Jason Kim, der in der Oper Graz zu Gast ist, verkörpert den leidenschaftlichen Ritter Hüon von Bordeaux vollumfänglich und begeistert mit seiner Stimmgewalt. Auch Gisela Stille glänzt nicht nur in ihrem türkis-farbenen Abendkleid, sondern mit ihrer bezaubernden Stimme in der Rolle als Rezia.

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Jason Kim (Hüon von Bordeaux)
© Oliver Wolf

Das Orchester wird von Oksana Lyniv geleitet und von dem Chor unter der Leitung von Bernhard Schneider begleitet. Zusammen schaffen sie nicht nur besonders inspirierende Musik, sonder erzählen eine Geschichte, die so fantastisch ist, dass sie durch Musik und Gesang in der Fantasie des Publikums erwacht.

Zeitlich ist das Stück mit einer Länge von drei Stunden ein wenig herausfordernd und verlangt Durchhaltevermögen. Alle Sänger sitzen durchgehend auf der Bühne und müssen nichtstuend auf ihren Einsatz warten. Das führt zu vereinzelten, eigenartigen Blickwechseln zwischen Publikum und pausierenden Sängern. Es wäre schöner, wenn sie zu ihrem Einsatz auf die Bühne kommen, denn die Bühne ist schon ohnehin überfüllt.

Im Großen und Ganzen ist Oberon musikalisch ein Hit. Wer eher visuell veranlagt ist, wird bei einer konzertanten Aufführung wie dieser eher enttäuscht sein, jedoch entdeckt man seine Fantasie wieder und schafft sich seine ganz eigenen Bilder.

Nur noch zwei Mal in Graz! Tickets hier.

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(c) Werner Kmetitsch

Goldschatz wiederentdeckt

Ein Bühnenerlebnis von seltener Intensität und tiefer Berührungskraft ist Regisseur Holger Müller-​Brandes und Dirigent Roland Kluttig an der Oper Graz mit „König Roger“ von Karol Szymanowski gelungen. Das sollte man nicht verpassen – auch, weil die polnische Oper viel zu selten gespielt wird.

Wenn man nach nur eineinhalb Stunden „Król Roger“ die Oper Graz wieder verlässt, scheint momentan nichts stutziger als das Faktum, dass es sich hier, im Jahr 2019, über 90 Jahre nach der Uraufführung, um die zweite (!) österreichische Inszenierung handelt. Ich werde das an dieser Stelle als ein Verbrechen der Kanonisierung bezeichnen. Denn Szymanowskis Oper trägt eine so tiefgehende Tragik, so feine Symbolik und so übermannende Kraft in sich, dass man nur staunen kann.

Dem vorhandenen Material wird man in Graz noch dazu mehr als gerecht. Die Philharmoniker schmettern mit Kraft und gleichermaßen Kontrolle die Musik zwischen Moderne und Spätromantik aus dem Orchestergraben. Durch Dirigent Roland Kluttig entsteht ein von vorne bis hinten durchgängiges Klangkonzept, changierend zwischen Dunkelheit, Ekstase und Zärtlichkeit, das nicht zuletzt den Sänger*innen eine wunderbare Grundlage bietet.

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Der lettische Einspringer Valdis Jansons findet sich als König Roger stimmlich gut zurecht, trägt aber in Sachen Schauspiel oftmals ein wenig zu dick auf. Anders seine Kolleg*innen: Aurelia Florian als Roxane verzaubert mit ihrem vollen, dramatischen Sopran, Andrzej Lampert als Hirte passt nicht nur stimmlich perfekt in die Inszenierung, Manuel von Senden als Berater Endrisi komplettiert das Bild mit ruhigen Ratschlägen.

Großartig wird „König Roger“ aber vor allem durch den starken Chor und die Singschul‘, allesamt monoton in schwarzen, geraden Anzügen und Kutten gekleidet. Wenn sie zu Beginn langsam über den Hügel auf der schrägen Bühne kriechen und schließlich zum ersten Mal singen – ein Gänsehaut-Moment. Das Ballett, als einziges bunt kostümiert in einer sonst von dunkeln Tönen und Goldelementen geprägten Welt, spiegelt die Innenwelt der Charaktere, mal zuckend, mal sich wälzend, mal in der Luft, mal am Boden. Hier ist etwas Großes gelungen.

Details und Termine hier.

Macbeth is back

PICTURE: pixabay.com

A masterpiece of art that explores corruption, power and its horrible results entangled in a story of romance, horror, and supernatural. Macbeth is one of the most performed plays in the world and was performed on stage at the Schauspielhaus in Graz on February 12th.

The play was presented by The American Drama Group Europe and TNT Theatre Britain and was directed by Paul Stebbings. Despite this being their first Shakespeare production, it has earned a lot of praise and the production has been touring worldwide since 2001 to over forty countries.

The play starts in the woods where witches in green capes are dancing in gloomy and sallow light. Just three trees and nothing more. The whole scene is dominated by the actors as there are barely any props.  Throughout the play the costumes, the props and the stage decoration is comparable to those used in Shakespeare’s time. There are solely a few sound effects that give the play a modern touch. The actors are great, however, the audio is not loud enough to hear them clearly.

A nice play that could have really enchanted the audience with a little more effort.

Ein Meisterwerk der Kunst, das Korruption, Macht und ihre schrecklichen Folgen darlegt und sie in einer Geschichte von Romantik, Horror und Übernatürlichem verwickelt. Macbeth ist eines der meistgespielten Stücke der Welt und wurde am 12. Februar im Schauspielhaus in Graz aufgeführt.

Das Stück wurde von The American Drama Group Europe und TNT Theatre Britain unter der Leitung von Paul Stebbings präsentiert. Obwohl dies ihre erste Shakespeare-Produktion ist, hat sie bisher viel Lob geerntet und wurde seit 2001 schon weltweit in über 40 Ländern aufgeführt.

Das Stück beginnt im Wald, wo Hexen in grünen Umhängen in düsterem und fahlem Licht tanzen. Nur drei Bäume und nichts mehr. Die gesamte Szene wird von den Schauspielern dominiert, da es kaum Requisiten gibt. Während des ganzen Stückes sind die Kostüme, die Requisiten und die Bühnendekoration mit denen aus Shakespears Zeiten vergleichbar. Es gibt nur wenige Soundeffekte, die dem Stück eine moderne Note verleihen. Die Schauspieler sind großartig, lediglich der Ton ist nicht laut genug, um sie deutlich zu verstehen.

Ein schönes Stück, das das Publikum mit etwas mehr Aufwand wirklich verzaubern hätte können.