Stück für Stück zum Weihnachtsglück

Ein Weihnachtsfest ohne Josef und Maria? Unmöglich – lautet die Devise in der Spielzeit 2019.2020 im Schauspielhaus Graz. Während der Adventszeit und darüber hinaus beleben der einsame Wachmann Josef und die alleingelassene Putzfrau Maria in der Tragikomödie von Peter Turrini die Bühne im Haus Eins.

Ein Bühnenbild voll Weihnachtsglanz und doch von minimalistischer Eleganz begrüßt mit dem Leuchtschriftzug „für unsere Lieben“. Während Marias Lieben jedoch ein Fest ohne sie vorziehen, hat Josef niemanden, mit dem er den Heiligen Abend verbringen könnte. So bessern die beiden nach Ladenschluss im Warenhaus ihre Renten auf und teilen bei ein paar Gläschen nicht nur ihre tiefsten Besorgnisse und geheimen Sehnsüchte. Denn Stück für Stück entledigen sich die beiden auch ihrer Arbeitskleidung und finden am Ende zu ihrem ganz persönlichen Weihnachtsglück.

Erst putzen und weinen, dann tanzen und lachen, letztlich entzücken und verführen – vielseitig ist die Rolle der Maria allemal. Margarethe Tiesel spielt sie unter der Regie von Michael Schilhan authentisch und mit selbstironischem Charme, von dem man sich nur allzu gern hinreißen lässt. Franz Solar, der als Josef ihrem Liebreiz verfällt, präsentiert sich als linker Freidenker und teilt politische Allüren ebenso überzeugend, wie die zaghafte Unsicherheit gegenüber der Damenwelt. Visuell unterstreicht Anne Marie Legenstein die starken Charakterzüge mit passenden Kostümen, die bis hin zu Negligé und Männerstrumpfhaltern detailreich durchdacht sind, und schafft ebenso auf der Bühne ein festliches Ambiente.

Mit nachdenklich stimmenden Dialogen, dem ein oder anderen Lacher und Standing Ovations unter begeistertem Applaus entsteht im Schauspielhaus durchaus vorweihnachtliche Freude, der man sich gern hingeben kann.

Josef-und-Maria-2© Karelly Lamprecht

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Maria meets Josef

Foto: Karelly Lamprecht

Am 10. Dezember sorgten Margarethe Tiesel und Franz Solar für weihnachtliche Stimmung im Haus Eins des Schauspielhaus Graz. Im Stück Josef und Maria von Peter Turrini brachten die beiden unter der Regie von Michael Schilhan das Publikum zum Lachen. 

Turrinis Stück wurde bereits im Jahr 1980 uraufgeführt, trifft jedoch heute noch den Zahn der Zeit. In einem Kaufhaus treffen am 24. Dezember ein Wachmann und eine Reinigungskraft auf einander. Beide arbeiten genau an diesem Tag, um den heiligen Abend schnell hinter sich zu bringen. Im Laufe des Abends verraten sie sich gegenseitig immer mehr von ihren langen Leben und tauschen traurige und fröhliche Erlebnisse miteinander aus. Der 24. Dezember löst in beiden Ängste aus, die sich über die letzten Jahrzehnte aufgestaut haben. Am Ende finden die zwei, die zuerst schrecklich an einander vorbei reden und sich nicht wirklich zuhören können, zueinander und haben doch noch einen schönen nicht ganz so heiligen Abend. 

Die Hauptdarsteller, Margarethe Tiesel und Franz Solar, standen hauptsächlich zu zweit auf der Bühne, füllten diese aber mit ihren großartigen schauspielerischen Leistungen. Margarethe Tiesel überzeugt als liebenswerte ältere Dame, die doch nur das beste für ihren Sohn will und eine ausgelassene Vergangenheit durchlebte. Ihr gegenüber steht der Wachmann Herr Josef, gespielt von Franz Solar, der gesundheitlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war und trotzdem eine überzeugende Leistung ablegte. Herr Josef durchspielt seine politische sowie schauspielerische Vergangenheit und streut immer wieder traurige Details über sein Leben ein.

Gemeinsam und mit ein bisschen Alkohol machen sie das beste aus ihrer aktuellen Situation und bringen das Publikum mit tänzerischen Einlagen, Gesang und einem Happy End zum Schmunzeln. Die anfängliche Melancholie führt zu einer schönen Nacht im Kaufhaus, die durch Bühne und Kostümen von Anne Marie Legenstein das Publikum überzeugte. 

Ein sehenswertes Stück, das auch am 10. Dezember viele Menschen bezauberte und für großen Beifall sorgte. 

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DIE ZEITUNG macht Mörder – Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Bild:  Yvonne Klamant (Katharina Blum), Amelie Bauer (Trude Blorna), Martin Niederbrunner (Dr. Hubert Blorna), Helmut Pucher (Werner Tötges), Christoph Steiner (Ludwig Götten), Michael Großschädl (Peter Hach) © Lupi Spuma

Schlagzeilen können gewaltsam sein! Dies wird im Stück „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ im Next Liberty spürbar, denn „Fake-News“ zerstören das Leben der jungen Katharina Blum. Heinrich Bölls Erzählung aus dem Jahr 1974 ist ein Pamphlet gegen Sensationsjournalismus und trifft auch noch heute den Zahn der Zeit. Der Regisseur Kristo Šagor verleiht Katarinas Geschichte einen modernen Touch und besonders die dynamische Erzählweise ergreift und fesselt das Publikum voll und ganz.

Ein Foyer im 70er-Jahre Stil, in dem die Wände mit dunklem Holz verkleidet sind, bildet die Bühne. Zwei Glastüren führen zu Katharinas Wohnung, in der ein Bild Bölls hängt und in der sie wie in einem Glaskasten unter Beobachtung steht. Die Polizei, die Presse und dann die ganze Nachbarschaft, alle Aufmerksamkeit scheint auf die 27-jährige gerichtet zu sein. Die junge Frau ist umgeben von Männern, die Aussagen über sie treffen und alles was sie geschaffen hat, gegen sie verwenden. Das Patriarchat zeigt, welche Macht es hat und bringt die Frau zu ihrem Ende.

Alles begann an einem Tanzabend, wo Katharina (gespielt von Yvonne Klamant) Ludwig Götten (Christoph Steiner) kennen und lieben gelernt hat. Ohne von seiner kriminellen Vergangenheit zu wissen, nahm sie ihn anschließend mit nach Hause. Am nächsten Tag jedoch steht die Polizei vor ihrer Haustür und nimmt sie mit auf die Wache. Ihr wird nicht nur unterstellt eine Komplizin Göttens zu sein, sondern vieles mehr – bis hin zur Prostitution. DIE ZEITUNG macht diese Unwahrheiten publik und zerstört Katharinas Ruf zur Gänze. Die junge Frau sieht keinen anderen Ausweg, als den Journalisten Werner Tötges (Helmut Pucher) zu erschießen und sich anschließend der Polizei zu stellen.

Auf der Bühne stehen nicht nur Katharina Blum sondern auch sechs weitere Erzählfiguren, die immer wieder in andere Rollen schlüpfen, um die Geschichte zu erzählen. Der Dialog zwischen diesen Figuren ist dynamisch, rasant und geschickt aufgeteilt. Durch die ans Publikum gerichtete Erzählweise hören die Zuschauer gefesselt zu und die Unstimmigkeiten zwischen den Erzählern und den Erzählerinnen machen das Ganze besonders amüsant.

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© Lupi Spuma

Diese hervorragende Umsetzung von Bölls Erzählung zeigt einen Krimi mit einem Hauch Liebe und viel Humor, die dennoch die Ernsthaftigkeit des Themas klar auf die Bühne bringt.

Sehr empfehlenswert für Jugendliche sowie Erwachsene und noch bis Mitte Mai im Next Liberty zu sehen.

Tickets: hier.