„Wir wollen eine Geschichte bauen“

Am 17. und 18. November ging im Rahmen des InTakt-Festivals 2017 das Stück „Zwei oder mehr“ über die (Studio-) Bühne der Grazer Oper. Gemeinsam mit dem Landesbildungszentrum Hildesheim entwickelte das deutsche Ensemble „BwieZack“ eine partizipative Theaterinszenierung, welche hörgeschädigten Menschen den Zugang zur Theaterkunst öffnen soll. Dabei lag der Fokus aber weniger auf einer direkten Handlung, sondern auf der Interaktion mit dem Publikum.

Von 9. bis 18. November 2017 öffnete das InTakt-Festival bereits zum zweiten Mal seine Pforten in Graz. Das Ziel: Alle Menschen sollten Kunst und Kultur voll und ganz erfahren können. Niemand sollte sich aufgrund der Herkunft oder körperlichen, sowie geistigen Beeinträchtigungen ausgeschlossen fühlen. Ein Konzept, welches die beiden Leiter, Mag. Dr. Christoph Kreinbucher und Mag. Linda Hölscher M.A. sehr abwechslungs- und erfolgreich in die Tat umsetzten.

Den abgedunkelten Raum der Studiobühne betretend erwartet den Zuschauer eine ungewöhnliche Szenerie – nicht allein weil Stühle, beziehungsweise andere Sitzmöglichkeiten, außer Sichtweite sind. Die Mitte bildet ein kleiner Tisch mit Laptop und damit verbundenen Beamer, daneben zwei pyramidenartige Gebilde aus Kartons (welche sich später- Gott sei Dank- als unsere Sitze entpuppten). Nachdem sich die Besucher leicht verwirrt und anfänglich zurückhaltend in einer Reihe aufgestellt haben, beginnt die Inszenierung. Gleich zu Beginn fallen die ausschlaggebenden Worte „Wir wollen eine Geschichte bauen.“

Die Grundhandlung des Stücks ist anfangs nicht wirklich ersichtlich. Um die Stille und somit auch das Eis zu den Zuschauern zu brechen, beginnen die vier Darstellerinnen reihum aufzuzählen, was sie mögen. Jedes gesprochene Wort in der Vorstellung wird in die Gebärdensprache übersetzt. Mimik und Gestik sind bei allen Vieren äußerst ausdrucksstark und untermalen ihre Aussagen, welche zumal noch aus dem Kontext gerissen scheinen. Im Raum entsteht dennoch eine fühlbare Dynamik, die die den Zuschauer dazu auffordert, mitzuwirken. Nun projiziert der Beamer diverse Aussagen wie „Ich mag Spiderman.“ oder „Ich beobachte gerne andere Menschen.“ auf die schwarze Wand. Das Publikum hat jeweils die Möglichkeit, sich für JA oder NEIN  zu entscheiden, so werden Schlagworte ausgewählt, welche später in einem ähnlichen Rahmen wiederholt werden. Die mit diesen Worten bedruckten Kartons und die Begleitung durch den Beamer dienen als subtile Unterstützung für die hörgeschädigten Gäste, aber auch als Denkstütze für die Hörenden.

Dass die Zuschauer mit der jeweiligen Mehrheit bei den Ja/Nein-Fragen diese Schlagworte bestimmen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Stücks, denn neben dem gehörlosen-gerechten Aufzug soll der Besuch dieser Theaterinszenierung besonders (und) einzigartig sein. Da das Publikum zum Verlauf der Handlung beiträgt, ändert sich diese von Aufführung zu Aufführung und die Schauspielerinnen werden angehalten zu improvisieren. Der Höhepunkt wird erreicht, als an der Wand ein projiziertes Bild eines Sitzplans erscheint, welcher die Namen aller Zuschauer zeigt und diese somit in die vorgegebene Sitzordnung „zwingt“. Ein kluger Schachzug, um die Zuschauer untereinander interaktiv werden zu lassen, so ist es nämlich unumgänglich seinen Sitznachbarn kennenzulernen oder diesen wenigstens um seinen Namen zu fragen. Den rote Faden, der sich durch alle Vorstellungen zieht, bildet eine simple Rahmenhandlung von einem kleinen Mädchen namens „Leo“, welches einmal eine Nacht an seinem Lieblingsort, der Bücherei, verbringen möchte. Durch das Zusammenwirken der Zuschauer wird dieser Wunschtraum gegen den Willen der strengen Bücherfrau erfüllt. Die Handlung erscheint auch nach Ende der Vorstellung aber eher zweitrangig und dient wohl eher der Strukturierung des Stücks.  Trotz der kindgerechten Handlung ist der Besuch dieser Theaterinszenierung auch für Erwachsene empfehlenswert, da man regelrecht dazu aufgefordert wird, mitzudenken und an dem Geschehen teilzuhaben.

Der Aufzug der Stücks wurde teilweise relativ modern gestaltet, was stellenweise zu einer grundsätzlichen Unverständlichkeit der Handlung führte. Das zusammenhanglose Einwerfen von Worten oder eine abrupte Verdunkelung des Raumes sorgten für allgemeine Verwirrung aber im weiteren Sinne auch für unentwegte Aufmerksamkeit. Diese war den vier jungen Damen aber aufgrund ihrer mitreißenden und überaus charismatischen Ausstrahlung ohnehin gewährt.

Ein offizielles Imagevideo rund um das Festival an sich finden Sie hier.

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Tell Me on a Sunday

Ein musikalischer Abend auf der Studiobühne der Grazer Oper. Eine Frau im Mittelpunkt des Geschehens. Untermalt von einem kleinen musikalischen Ensemble. Die Musik von Andrew Lloyd Webber, mit den Texten von Don Black und Michael Kunze wurden von der Grazer Sopranistin Sieglinde Feldhofer perfekt in Szene gesetzt. Seit 2008 ist Feldhofer Ensemblemitglied der Oper Graz und ist somit keine Unbekannte auf den steirischen Bühnen.

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Eine junge, attraktive Frau auf der Suche nach ihrem wahren Ich und ihren Wünschen. Sie verließ ihre Heimat Europa um in Amerika das große Liebesglück zu finden. Nachdem die Liebe in New York schnell vorbei war, verliebte sie sich in einen smarten Filmproduzenten. Doch schon bald hat sie genug von der oberflächlichen Glitzerwelt in Hollywood. Sie erkennt, dass Besitz nicht alles ist und wird immer unglücklicher. Als die Protagonistin erfährt, dass sie nur eine Affäre für ihren Geliebten ist, zieht sie zurück nach New York.

Zurück im Big Apple geht sie erneut eine Beziehung mit einem Mann ein. In ihm findet sie Anfangs die Liebe und Geborgenheit, welche sie sich immer gewünscht hatte. Doch sie trennt sich nach kurzer Zeit und wie aus dem nichts verliebt sich die gefühlkranke Protagonistin in einen verheirateten Ehemann. In ständiger Angst von dessen Ehefrau nicht entdeckt zu werden lebt sie vor sich hin und vergisst ihre Wünsche und Träume. Doch plötzlich erkennt sie, dass sie sich selbst nicht mehr treu ist und trifft eine Entscheidung:

Von nun an will sie ihr Leben anders gestalten! Nach ihren Regeln, Wünschen und vor allem so wie in ihren Träumen.

Eine berührende und sehr dynamische Geschichte einer jungen Frau, die ihren Weg gehen will und ihn am Ende auch findet. Die Erkenntnis, selbst an erster Stelle zu kommen, sich selbst nicht zu verlieren und immer an sich und seine Träume zu glauben, ist eine schöne und wichtige Eingebung am Schluss.

Einzigartig gespielt von Sieglinde Feldhofer, mit einer gewaltigen Stimme und viel Humor und Dynamik.

Absolut sehenswert – besonders, weil die kleine Studiobühne extra Charme verleiht.

Weitere Informationen und Spieltermine unter http://www.oper-graz.com

TANZ NITE am 28.November

Die Tanz Nite der Oper Graz findet alle paar Wochen auf der Studiobühne statt. Sie bietet Tanzbegeisterten und Laien die Möglichkeit, einen Einblick in den Trainingsalltag der Tanzkompanie zu bekommen.
Der Fokus liegt in der aktuellen Spielzeit nicht auf Ballett, sondern auf Improvisation.

Eine gewisse Spontanität wird durch Beteiligung des Publikums erreicht:

Die Tänzer stellen beispielsweise vom Publikum vorgegebene Begriffe dar, oder müssen immer wieder auf neu festgelegte Körperhaltungen zurückkommen.
Auch die beiden Live-Musiker stellen sich einer großen Aufgabe: Sie müssen mit ihren Instrumenten die Bewegungen der Tänzer in Echtzeit spontan musikalisch unterstützen.

Die Studiobühne bietet durch die Nähe zwischen Künstlern und Publikum optimale Bedingungen für lockere und spontane Aktionen. Auch die professionell-charmante Führung durch das „Programm“ –ergänzt mit Hintergrundinformationen- vom Ballettdirektor selbst, lässt den Abend zu etwas Besonderem werden.