Der allgegenwärtige Überwachungsgott blickt noch immer auf uns

The Pennyless Players inszenieren George Orwells zeitlosen Klassiker „1984“

(c) Giulia di Pietro

Graz, Theater am Lend. Am Donnerstag, den 18. Mai, lud die Non-Profit-Theatergruppe The Pennyless Players des Anglistik Instituts der Uni Graz in familiärer Atmosphäre zur Premiere von „1984“ nach George Orwell, adaptiert von Matthew Dunster.

Und plötzlich packt den Zuschauer von oben diese Stimme: „Big Brother is watching you!“ Führten diese Worte vor ca. zwei Jahrzehnten noch zu Belustigung, so lösen sie heutzutage im Bewusstsein um die Problematik von Big Data und staatlicher Überwachung eher Unbehagen aus. Die Bühne hat sich mittlerweile in eine atmosphärisch-düstere Kulisse verwandelt. Gezeigt werden die totalitären Verhältnisse in Oceania nach dem Atomkrieg. Im Zentrum der Handlung steht Winston Smith, die Tagebuch führt und damit bewusst thoughtcrime begeht. Schnell wird klar, dass Orwells aufgefrischte Zukunftsängste sich nicht mehr auf eine dystopische Depression reduzieren lassen, sondern längst Realität geworden sind.

Zeitlos
Der 1949 erschienene Klassiker beschrieb bereits damals ungewöhnlich düster und realitätsnah ein Szenario der Unfreiheit. In den Zuständen, die der Roman zeigt, lässt sich gerade heute unsere Realität unter den Fittichen der Überwachungsgesellschaft wiedererkennen. Orwells Dystopie beschreibt eine Welt der Kontrolle und Denkverbote, ein Leben im Käfig der allumfassenden Virtualisierung. Ein Thema, das im Zeitalter von Edward Snowden, Julian Assange und Donald Trump bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Auf den Punkt
Valeria Moser spielt sich als Winston Smith die Seele aus dem Leib und gewinnt durch ihr leidenschaftliches Spiel zwischen Macht und Ohnmacht zurecht die Gunst des Publikums. Auch Nanne Pyrhönen bringt als Winstons verbotene Geliebte Julia Licht und Schatten zugleich in das Stück. Ebenfalls zu honorieren ist die äußerst gelungene und mutige Inszenierung in perfekter englischer Sprache. Das Produktionsteam bestehend u.a. aus Elli Schneider, Sumaiya Akhter, David Leersch, Deborah Siebenhofer und Lisa Rohrer verändert den Handlungskern des Romans nicht und schafft durch ein großartiges Ensemble, reduzierte Kulisse und Video-Ästhetik ein mitreißendes und beklemmendes Stück, welches das Publikum zurecht nachdenklich zurücklässt.

Alle Einnahmen kommen den Organisationen/Vereinen gemma! – GEMEINSAM MACHEN, Frauenhaus Graz und Center of Love Cairo/Egypt zu Gute.

Weitere Termine:
21., 22., 24. und 25. Mai 2017, jeweils um 19:30 Uhr
Ort: Theater am Lend, Wiener Straße 58a, 8020 Graz

Mehr Informationen:
The Pennyless Players present “1984” by George Orwell, adapted by Matthew Dunster

Oh Romeo, mein Romeo…

Die tragische Liebesgeschichte von Romeo und Julia kennt wohl jeder – zwei verfeindete Familien in Verona, deren Kinder sich unsterblich ineinander verlieben und am Ende im Tod vereint werden. William Shakespeares Fassung von 1596 hat seit der Uraufführung einige Fassungen und Inszenierungen durchlebt. Am Grazer Schauspielhaus ist derzeit eine moderne Fassung unter der Regie von Lily Sykes aus dem Englischen von Frank- Patrick Steckel zu sehen.

Der schwärmerische Jüngling Romeo Montague, trifft auf einem Fest der Capulets, seiner verfeindeten Familie, auf die Tochter des Hauses und verliebt sich heftig in die junge Julia. Nach diesem Zusammentreffen will er aus dem Familienstreit aussteigen und Julia zu seiner Ehefrau nehmen. Das Schicksal hat jedoch etwas Anderes mit den beiden vor und führt am Ende bis zum Tod…

Was Romeo und Julia verbindet und sie am Ende sogar freiwillig in den Tod gehen lässt, ist nicht nur zum Ideal romantischer Liebe geworden, es ist auch ein Hoffnungsschimmer für die Gesellschaft.

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Im 400. Todesjahr des britischen Dichters Shakespeare hat Lily Sykes die Liebes-Tragödie neu inszenieren. Raphael Muff als Romeo und Julia Gräfner in der Rolle der Julia geben ein perfektes wenn nicht doch skurriles Bühnenpaar ab und überzeugen von der ersten bis zu letzten Szene.

Das Bühnenbild – klar und schlicht – lässt Raum für Fantasie und gibt dem Zuseher doch ein klares Gedankengerüst vor. Ebenso Kostüme und Requisiten.

Die Originaltexte sind klar erkennbar, jedoch mit modernen Textpassagen ergänzt worden. Was das Stück erfrischend und interessant macht.

Fazit: Absolut sehenswert, jedoch etwas lang. Aber in jedem Fall ist das Stück einen romantischen Abend im Grazer Schauspielhaus wert.

Weitere Informationen und Spieltermine unter:

http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/romeo-und-julia#inhalt

Fotos: (c) Lupi Spuma

 

 

 

Die zweite rechts und immer geradeaus bis zum Morgen…

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Jungen der niemals erwachsen werden möchte?

Regisseur Peter Raffalt hat die Geschichte von Peter Pan, Wendy und Captain Hook für das Next Liberty neu aufgerollt, modernisiert und ganz viel Feenstaub dazugegeben.

Die junge Wendy Darling erzählt ihrem Bruder gern Geschichten von Peter Pan, dem bösen Piraten Captain Hook und den verlorenen Kindern aus dem Nimmerland. Eines Tages trifft Wendy Peter im Flur, als der gerade nach seinem Schatten sucht, der ihm wieder einmal entwischt ist. Peter nimmt Wendy und ihren Bruder Michael mit „die zweite rechts und immer geradeaus bis zum Morgen“ nach Nimmerland. Dort treffen sie auf Nixen, ein tickendes Krokodil und natürlich den berüchtigtsten unter den Piraten: Captain Hook.

In dem knapp zwei Stündigen Theaterstück wird die Geschichte des schottischen Autors James Matthew Barrie neu erzählt. Das Stück ist Unterhaltung für die ganze Familie und bringt Kindern die Wichtigkeit der Familie, der Liebe und der Freundschaft nahe. Peter Pan, gespielt von Christoph Steiner, Wendy Darling gemimt von Rebekka Reinholz und Sacia Ronzoni als freche Fee Tinkerbell geben gemeinsam mit den anderen Darstellern ein tolles Ensemble ab und lassen die Zeit wie im Flug vergehen.

Fazit: Absolut sehenswertes Stück, vor allem für kleine Piratenfans, Feenbegeisterte und alle die gerne mit Peter und Wendy nach Nimmerland kommen wollen, um wieder einmal das Erwachsensein zu vergessen und in die Fantasie der Kinder einzutauchen.

Weitere Informationen und Spieltermine unter: http://www.nextliberty.com/stueck_detail.php?id=114853