Foto: Johannes Gellner

Österreich braucht eine Prima Vulva!

Über Frauenpolitik und Frauen in der Politik denken Juliette Eröd, Johanna Hierzegger, Pia Hierzegger, Gabriela Hiti und Martina Zinner in ihrer Performance „Frauenturnen“ im Grazer Theater im Bahnhof nach.

„Wir können alles werden und müssen es auch“, sagen die fünf Frauen unisono. Sie stehen auf der Skulptur „Mein Jänner 2019 in Österreich“, sind ein Teil von ihr. Sie sind auch ein Teil von Österreich – doch wie schafft man es, sich nicht verdrängen zu lassen aus der Öffentlichkeit, eine Stimme zu finden, sich aber trotzdem nicht vollkommen selbst aufzugeben? Vor allem als Frau, so die Botschaft, ist es schwierig, auf dem schmalen Grat zwischen Ratlosigkeit, Partizipation und Aufopferung zu wandern.

Die performativen Wege, die „Frauenturnen“ zum Ausdruck wählt, sind grandios: Der vibrierende Bauchmuskeltrainer-Gürtel etwa, der um Gabriela Hitis Hüften geschnallt ist.  „Wie kann man nach all der Erfahrung nur so ratlos sein“, fragt sie sich. Wenn die fünf gemeinsam pyjamapartyartig unter der Bühne liegen und vom Zusammenbruch erzählen, während dem keine Hilfe in Sicht war, schmerzt das und rüttelt auf. Die Ängst, die Schlaflosigkeit, die Probleme – der Preis für Frauen?

Foto: Johannes Gellner

Foto: Johannes Gellner

 

Und wie lebt es sich nun als Politikerin? Man ist immer öffentlich. Pia Hierzegger monologisiert über Alltagssituationen, die in der Zeitung landen. Dennoch, Vorteile hat das auch: Als Bundespräsidentin wäre man die „erste Fut im Staat“, die „Prima Vulva“, rappt Martina Zinner, während alle wild auf den Ebenen der Skulptur turnen. Keine Wartezeit beim Gynäkologen!

„Wir dürfen politisches Theater machen“, heißt es einmal. Sie müssen sogar, und zwar für alle Generationen von Frauen (und Männern), die danach kommen. Ein Patentrezept für Teilhabe gibt es nicht. Aber jedes Theaterstück ist ein guter, ein wichtiger Schritt – und dieses im Theater im Bahnhof ganz besonders.

Weitere Infos und Termine – hier lang!

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Improvisieren ohne Ende

Improvisation wird großgeschrieben im Theater im Bahnhof. Was normalerweise jeden Montag dargeboten wird, dem wurde nun ein ganzes Festival mit internationalen Gästen gewidmet.

Wer Fan von Impro-Theater ist oder es noch werden möchte, der ist beim TiB-Impro-Cup im Grazer Orpheum goldrichtig. Jeden Tag steht ein – wie könnte es auch sonst sein – neues Programm an, bei dem auch internationale Gäste mitspeilen.

Am Dienstag gingen Láďa Karda aus Tschechien und Jacob Banigan vom TiB-Ensemble auf Reise in den hohen Norden, nach Reykjavik. Die Rahmenbedingungen gibt das Publikum vor, und so kommt es dann, dass sich ein Fischer (Banigan) ohne Lebensgefährtin, dafür aber mit einem riesigen Hund, und ein mäßig erfolgreicher Science-Fiction-Autor (Karda), der sich als Tätowierer über Wasser hält, in einer Warteschlange wiederfinden, um mit einer Troll-Frau Sex zu haben. Das klingt absurd und ist es auch – doch Karda und vor allem Banigan finden eine Weg durch den Impro-Irrgarten, der nicht nur extrem lustig, sondern sogar noch auf komische Art und Weise nachvollziehbar ist.

Im zweiten Teil des Abends wurde es musikalisch und tragisch zugleich: In einer High School nämlich, in der es nicht nur unverstandene Teens und gebrochene Herzen gab, sondern auch ein Curling Team. Das multinationale Ensemble unter der Leitung von Victoria Bang aus Schweden hatte zu jeder Szene auch einen Song und eine improvisierte Choreographie parat. Zwar ging einiges an Gags „lost in translation“, aber dennoch – langweilig wurde das „High School Musical“ nie.

Infos und Programm

Blockbuster, die das Leben schreibt

In „Rette deine letzte Katze“ erzählen Johanna Hierzegger, Manfred Weissensteiner und Rupert Lehofer das Leben als Blockbuster und geben eine humoristische Liebeserklärung an die Stadt ab, die all das möglich machte – Graz.

Die Kooperation der Grazer Theater am Bahnhof (TiB) und am Ortweinplatz (TaO!) geht in die dritte Runde. Nach „Position“ und „Heb ab!“ werden nun mit der „letzten Katze“ Hollywood-Drehbücher seziert. Nach dem abenteuerlich-amüsanten Aufbau der Leinwand rezensieren sich Weissensteiner und Lehofer munter durch „Lethal Weapon“. Auf dem Weg zur Erkenntnis der perfekten Dramaturgie liegen kleinere und größere Konflikte, die sie in erfrischendem steirischen Dialekt darbieten. Zwischen ferngesteuerten Hubschraubern, Frankowitsch-Brötchen und einer mit dem Feuerzeug gegrillten Hand lacht das Publikum von Minute eins an mit. Vielleicht liegt das auch an der Dose Vanillekipferl, die mit der Begründung „Weihnachten ist, wenn es Vanillekipferl gibt“ durch die Reihen geht.

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Wie lang wird Rupert Lehofer durchhalten? (Foto: C. Nestroy)

Eine angeblich todsichere Dramaturgie-Formel für Filmerfolg in Millionenhöhe liefert Blake Snyders 15-Schritte-Konzept aus dem Bestseller „Save the cat!“. An einer sehr frei gehaltenen Skizze erläutern Weissensteiner und Lehofer, dass dieser Ablauf immer funktioniert – egal ob bei Jesus Christus, der EU (Höhepunkt, wohlgemerkt, ist der Beitritt Österreichs) oder einem ganz normalen Menschen, der sich an einem freien Tag dazu entschließt, den Plabutsch zu besteigen. Nach der eineinhalb Stunden langen Performance lautet also die Erkenntnis: Jedes Leben ist ein Blockbuster – eventuell mit weniger Krach-Bumm und Prostituierten-Mord, aber dennoch mit ganz eigenen Höhen und Tiefen. In Weissensteiners und Lehofers Fall haben diese Höhen und Tiefen die Kulturwelt der Murmetropole maßgeblich bereichert, denn ohne sie gäbe es das Theater im Bahnhof nicht.

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Manfred Weissensteiner kennt die Formel zum dramaturgischen Erfolg. (Foto: C. Nestroy)

Die am Boden gelandeten Frankowitsch-Brötchen mögen zwar so manchen GrazerInnen einen Stich im Herzen versetzen, trotzdem zeigen sich die ZuschauerInnen begeistert – vor allem von den ortsbezogenen Witzen. Zum Schluss wird ein Prostituierten-Suizid mit Sirtaki betanzt. Ein authentischer und kreativer Abend mit sehr persönlicher Note, an dem man sich einfach wohlfühlen kann.

„Rette deine letzte Katze“ ist ab sofort im TaO! zu sehen. Informationen gibt es hier.