Musik trifft Mystik: Eine Reise in den hohen Norden

Mit PSALM findet alljährlich ein vorösterliches Programm statt, das höchsten und vielfältigsten Musikgenuss bietet. Dieses Jahr sind unter dem Titel „Von Tag zu Tag“ sieben Konzerte zusammengefasst, die sich jeweils an einem Wochentag dem Mystischen und Sagenhaften widmen. Am Dienstag entführte das weltberühmte Trio Mediaeval mit dem Trompetenvirtuosen Arve Henriksen im Konzert „Beim Schwerte Tyrs“ das Publikum in den hohen Norden.

Spätestens seit dem Titellied des international erfolgreichen Films „Youth“ (2015) ist das norwegisch-schwedische Trio Mediaeval – das sind Anna Maria Friman, Linn Andrea Fuglseth und Berit Opheim – weit über seine ursprüngliche Musikszene hinaus bekannt. Im Konzert „Beim Schwerte Tyrs“ präsentierte das Trio insbesondere Stücke und Kompositionen aus seinem Programm „Rimur“, welches in enger Zusammenarbeit mit Arve Henriksen entstand und 2016 auf CD erschienen ist. Darin widmeten sich die drei Sängerinnen und der Jazztrompeter der musikalischen Vergangenheit Islands, Norwegens und Schwedens. Heraus kam eine vielschichtige und äußerst kreative Mischung aus Folk-Songs und Improvisation, die sich nicht nur hören, sondern auch spüren lässt.

Nach einem engelhaften, ja himmlisch anmutenden Eröffnungslied („Morgunstjarna“) widmete sich die erste Konzerthälfte verstärkt gereimten Liedern isländischer Tradition, den sogenannten „rímur“. Ursprünglich für zwei Stimmen konzipiert, präsentierte das Trio diese Stücke teils als drei-, teils als vierstimmige Arrangements, bei denen alle drei Sängerinnen mühelos zwischen hoher Sopran- und tiefer Altlage wechselten und selbst bei den stellenweise sehr komplexen Dissonanzen höchste Präzision zeigten. Für Abwechslung sorgten christliche Hymnenlieder auf Latein sowie norwegisch-schwedische Balladen und Volkslieder, die mal beschwingt („Jag haver ingen kärare“), mal spirituell („Om ödet skulle skicka mig“) die Zuhörerinnen und Zuhörer verzauberten. Dabei kam auch das singmotivierte Publikum nicht zu kurz und wurde von Henriksen in einer Art Call&Response als gesangliche Unterstützung eingebunden.

Nach der Pause ging es mit einem wiederum isländischen mehrstimmigen Lied weiter, in dem sich Henriksen abermals als instrumentaler und gesanglicher Klangvirtuose zeigte („O Jesu dulcissime“). Überhaupt war es die große Offenbarung des Abends, wie harmonisch das Wechselspiel zwischen den glasklaren Frauenstimmen und dem facettenreichen Trompetenspiel war. Darüber hinaus überzeugten auch Anna Maria Friman an der Geige sowie Linn Andrea Fuglseth und Berit Opheim an der sogenannten „Shrutibox“ (Erläuterungen zu diesem ungewöhnlichen Instrument hier).

Der gesamte Abend war ein wundervoller Beweis dafür, wie viel Spannung und Magie durch gekonnte Dynamik – etwa minimale Veränderungen zwischen Piano und Pianissimo – entstehen kann, und dass es gar nicht primär auf das Textverständnis ankommt. Das Trio hatte auf das Projizieren von deutschen Übersetzungen verzichtet. So konnte sich das Publikum voll und ganz dem Hören und Erleben konzentrieren und sich auch mit geschlossenen Augen von den mystischen Klängen treiben lassen.

Das Grazer Konzert war auch aus einem anderen Grund ein unvergesslicher Abend: Dies war der letzte Auftritt des Trio Mediaeval in der aktuellen Besetzung. Auf Berit Opheim folgt nun eine neue Sängerin. Man darf gespannt bleiben. Bis dahin kann sich das begeisterte, den Beifall nicht enden wollende Publikum an den CD-Aufnahmen erfreuen.

Weitere Informationen zur PSALM-Konzertreihe gibt es hier.

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