Ende des Lebens, 3 Buchstaben: EHE

Bild: Josef Forstner (Baron Mietek Oginsky), Ivan Oreščanin (Casimir von Kawietzky), Chor der Oper Graz © Werner Kmetitsch

Glitzernd glänzend verzaubert die Operette „Polnische Hochzeit“ von Joseph Beer, inszeniert von Sebastian Ritschel, die Zuschauer der Grazer Oper mit samtig- seidenen Kostümen, vielseitiger Musik und einem Bühnenbild zum Anbeißen. 

Eine Hochzeit, die ist fein, doch in Polen niemals klein! Der Freiheitskämpfer Graf Boleslav reist unter falschem Namen zurück in seine Heimat, um sich mit seiner Jugendliebe Jadja wieder zu vereinen. Diese soll jedoch seinen Onkel, den um einige Jahre älteren Grafen Staschek Zagorsky heiraten, um ihren Vater von seinen Schuldscheinen zu befreien. Suza, die herrische Gutsverwalterin, will den Verliebten aus deren Lage helfen und schmiedet einen Plan. Dieser geht jedoch nicht auf und alles scheint zum Scheitern verurteilt, als sich das Blatt doch noch zum Guten wendet: Suza „opfert“ sich und verkleidet sich als Braut.

Die „Wildkatze“ Suza lehrt den Grafen nach der Hochzeit das Fürchten und macht ihm das Eheleben zur Hölle. „Immer wenn ich ihr etwas vorwerfe, dann wirft sie mir etwas nach!“, klagt der Graf, der anscheinend auch in seiner sechsten Ehe planlos ist.

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Szabolcs Brickner (Graf Boleslav Zagorsky), Markus Butter (Graf Staschek Zagorsky), Mareike Jankowski (Suza), Ivan Oreščanin (Casimir von Kawietzky)
© Werner Kmetitsch

Das Stück zeichnet sich durch seine musikalische Vielfalt aus, da es eine Mischung aus klassischer Operette, Musical, Jazz, Klezmer und Walzer ist (Musikalische Leitung: Marius Burkert /Marcus Merkel) und daher gut geeignet für Besucher, die eine etwas andere Operette sehen (bzw. hören) wollen. Teilweise ist die Live-Musik etwas lauter als die Darsteller und erschwert das Verstehen des Gesungenen.

Die Kostüme (bei Andy Besuch) sind besonders außergewöhnlich, denn das Bauernvolk sieht Puppen verwechselnd ähnlich, die wie Marionetten nach der Pfeife des Barons (gar nicht hölzern) tanzen (Choreographie: Simon Eichenberger). Ebenso sind die Hochzeitsgäste gleich maskiert und sehen leicht grotesk aus. Surreal wirkt das Bühnenbild (bei Martin Miotk), denn ein überdimensionaler Erntekorb mit ebenso großem Gemüse und Vorhangquasten schmücken die Bühnenfläche des Saals und bilden den Schauplatz des Geschehens.

Ein funkelndes Stück, das unterhält und verzaubert.

Das Stück wird noch bis März 2019 in der Grazer Oper aufgeführt.

Karten unter: Oper-Graz.com

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Eine (Grazer) Weihnachtsgeschichte

Bild: Janos Mischuretz (Scrooge) © Monika Reiter

Ein Weihnachtsklassiker, der schon in vielen Theatern besinnliche, aber auch schaudernde Stimmung verbreitete, wird diesen Dezember im Grazer Next Liberty aufgeführt. „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens wird unter der Regie von Robert Persche von einem entzückenden Ensemble auf moderne, steirische – nein sogar auf Grazer Weise präsentiert. 

Es ist kurz vor Weihnachten und freudig werden Weihnachtslieder auf den Straßen gesungen, sehr zum Leidwesen des griesgrämigen Scrooge. Der ergraute, betuchte Herr verabscheut Weihnachten und jagt lieber den Aktienkursen des Grazer Magna Konzerns hinterher anstatt ein paar Cents für die Caritas zu spenden.  Auch das selbstkomponierte steirisch-herzliche Weihnachtslied seines Neffen kann das kalte Herz des stocksteifen Zylinderträgers (Kostüme: Eva Weutz) nicht erweichen.

In der Nacht wird Scrooge von drei Geistern heimgesucht, die ihm einiges lehren: Ein frecher, weißer Wuschelkopf lässt ihn mit Piepsstimme voller Nostalgie an die vergangene Weihnacht erinnern. Danach rüttelt ihn ein rockiger Santa wach, um die gegenwärtige Weihnacht neu zu betrachten, bevor schlussendlich eine gruselige Gestalt eine erschreckende Nachricht für die zukünftige Weihnacht überbringt. Besonders der letzte Geist lässt den Zuschauern die Nackenhaare zu Berge stehen und imponiert mit schaudernden Licht- und Nebeleffekten.

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Martin Plass (Geist der gegenwärtigen Weihnacht) © Monika Reiter

Das Stück zeichnet sich vor allem durch die Nähe zum Publikum aus. Nicht nur die Darsteller waren zum Greifen nah, sondern auch ein junger Besucher durfte spontan ein Teil des Stückes werden!

Ein Klassiker für Jung und Alt, der unterhält und die Grazer Weihnachtszeit versüßt.

Nur mehr bis 20. Dezember im Next Liberty!

Tickets unter: NextLiberty.com

Tierische Weihnachten

Bild: Martin Niederbrunner (Ox), Helmut Pucher (Esel) © Lupi Spuma

Die festliche Adventszeit wird im Next Liberty in Graz mit dem Stück „Ox & Esel“ unter der Regie von Natascha Grasser eingeleitet. Das einzigartige Krippenspiel von Norbert Ebel feiert heuer 20-jähriges Jubiläum und gehört zu einer der meistgespielten Weihnachtsstücke, das heuer auch in Graz die Adventszeit versüßt. Zuschauer dürfen Mäuschen in einer hölzernen Scheune unter dem Sternenhimmel von Bethlehem spielen, in der das vermeintliche Jesuskind zwei Stalltieren überlassen wird.

In einer fortschrittlich ausgestatteten Scheune (von Markus Boxler) findet der Ochse (gespielt von Martin Niederbrunner) ein Neugeborenes in seinem Abendmahl. Zu Beginn zeigt das dominante Vieh eine große Abneigung gegenüber dem Kleinem und möchte es loswerden. Sein Mitbewohner, der schusselige Esel (gespielt von Helmut Pucher), bringt es jedoch einfach nicht über das Herz, das Neugeborene vor die Tür zu setzten, denn dort würde es sicherlich im Schnee erfieren. Eine Unruhe bricht in der Stallung aus und es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen den zwei grundverschiedenen Tieren, die manchmal doch sehr harsch miteinander reden. Das Rindvieh, das immer mit dem Kopf durch die Wand will, versucht sich gegen den tollpatschig herzlichen Esel durchzusetzen. Das Tun der Tiere wird stets begleitet von hervorragender Live-Musik des Hirten (der Musiker Conrado Molina), die durch einfallsreiche Techniken beeindruckt.

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Bild: Conrado Molina (Hirte) © Lupi Spuma

Die Beziehung zwischen den zwei Vierbeinern zeichnet sich durch ihre Verschiedenheiten aus und im Laufe des Stückes lernen sie Wesentliches voneinander. Der zunächst leichtgläubige Esel wird vom skeptischen Ochsen zum Hinterfragen von Aussagen gebracht und das kaltherzige Rindvieh entdeckt durch das Maultier seine weiche Seite.

Eine Diskussion zwischen dem männlichen Duo, wer von ihnen nun die Mutterrolle übernimmt, spielt gezielt auf allseits bekannte Stereotypen an. Der starke, männliche Ochse fühlt sich der Vaterrolle zugehörig, jedoch ist der gefühlvolle Esel nicht mit der Rollenverteilung zufrieden und gewinnt durch seine Schläue einen Rollentausch. Schlussendlich wird ihnen jedoch klar, dass es keine Elternrollen gibt, die durch Geschlecht oder bestimmte Eigenschaften getrennt werden. Beide Teile entscheiden sich, ihre Stärken zu vereinen, denn es soll um das Wohl des Kindes gehen und das ist das Einzige, das zählt.

Ein unterhaltsames Stück, das weihnachtliche Stimmung noch bis zum 20. Dezember 2018 in Graz verbreitet.

Tickets unter: NextLiberty.com