Festlicher Ausklang bei recreationBAROCK

Unter dem Titel Wassermusik war am Montag und Dienstag dieser Woche das titelgebende Werk von Georg Friedrich Händel neben zwei Konzerten von Johann Sebastian Bach zu hören. Das letzte Konzert der barocken Konzertreihe für diese Saison stand unter der Leitung des Barockgeigers Rüdiger Lotter.

Rüdiger Lotter (c) Werner Kmetitsch

Rüdiger Lotter (c) Werner Kmetitsch

Mit mächtigen Jagdfanfaren leiten zwei Hörner das erste Werk des Abends ein: das 1. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach. Den Hörnern kommt in diesem Konzert eine besondere Rolle zu, da Bach diese für die Zeit ungewöhnliche Besetzung voll ausnutzen wollte. Das zuckende Prahlen der barocken Blasinstrumente schweigt nur im langsamen zweiten Satz, in dem sich Oboe und Geige abwechselnd in den Schlaf zu wiegen scheinen. Doch nicht lange wird geruht, denn schon im nächsten Abschnitt geht es auf zur Jagd, die von den Musikern wunderbar lebhaft dargeboten wurde. Schnell, schwungvoll und mit Leichtigkeit – so gehört ein echter Bach gespielt.
Es folgte das Violinkonzert des Barockmeisters in a-Moll. Obwohl Bach doch selbst gut Geige spielte, sind nur zwei Solowerke für das Instrument vollständig erhalten. „Bis zum herannahenden Alter spielte er die Violine rein und durchdringend“, ist etwa von Bachs Sohn zu lesen, und so sehr hing er an dem Instrument, dass er es oft beim Dirigieren im Arm trug. Das a-Moll-Konzert ist ein wunderschönes Beispiel für ein unaufgeblasenes Werk dieser Gattung. Keine unnötigen Längen oder übertriebene Virtuosität stehen hier am Programm, sondern lyrische Melodieführung und ein ausgeglichenes Wechselspiel zwischen Solist und Orchester. Solist und Leiter Rüdiger Lotter fand zu Beginn leider nicht sofort in den „Bach’schen Musikfluss“. Nachlässig und undeutlich spielte er den ersten Satz ohne die nötige Klarheit. Nach kurzem Nachstimmen fing er sich aber im zweiten Satz und schaffte ein kitschloses, stimmungsvolles Andante. Dem finalen Allegro assai hätte ein bisschen mehr Tempo nicht geschadet, aber auch so war der festliche Charakter der Musik deutlich zu spüren.

Händel auf der Gondel; entnommen von Styriarte

Händel auf der Gondel; entnommen von der Styriarte Homepage

Final kam es nun zum namensgebenden Stück des Konzertes: der wohlbekannten Wassermusik von Georg Friedrich Händel. Der eingängige Name der Komposition kommt nicht von irgendwo. Tatsächlich erklangen die drei Suiten erstmalig auf dem Wasser. Über 50 Musiker unterhielten mit ihrem Spiel König Georg I. auf seiner Flussfahrt und begeisterten dabei so sehr, dass sich der Name bis heute gehalten hat. In etwas kleinerer Besetzung waren die dritte und erste Suite von den Musikern des recreationBAROCK Orchesters zu hören. Wohlgemerkt in dieser ungewöhnlichen Reihenfolge, denn man wolle ja nicht „schon am Anfang sein ganzes Pulver verschießen“, wie Rüdiger Lotter erklärte. Eine weise Entscheidung, denn obwohl auch der letzte Teil der Wassermusik mit seinen Traversflötensoli zu bestechen weiß, ist für den Abschluss doch die große erste Suite geeigneter. Der Ouverture folgt das Adagio e staccato, in dem sich die Gegensätzlichkeit der staccato Orchesterbegleitung geschickt mit dem weichen Klang der Oboen zu ergänzen weiß. Die drei Oboen, die immer wieder als Solisten mit dem Fagott hervortreten, zaubern geschmeidig fließende Momente. Die Hörner kommen erneut zum Einsatz und spielen auch ihren Part in der zweiten Reihe besonders feinfühlig. Auch der Rest der Musiker vermittelt den Eindruck einer lustigen Gesellschaft, zu der sie jedermann zum Mitfeiern einladen. Der Applaus zeigte: die Intention ist geglückt!

Eine Anmerkung für das Styriarte Team: die Besetzung im Programm entsprach nicht jener des Abends, zudem wurde der arme Fagott-Spieler gänzlich vergessen. Ansonsten konnte man aber im Ad Notam wieder einiges über die Hintergründe zur Musik erfahren.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://styriarte.com/events/wassermusik/?realm=recreation&sti=9110

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Ein langatmiger Bruckner – Orchesterkonzert im Musikverein

Zu Beginn dieser Woche statteten die Wiener Symphoniker dem Grazer Musikverein einen Besuch ab. Unter der Leitung des Dirigenten Jonathan Nott spielten sie ein Violinkonzert von Béla Bartók sowie die Urfassung der dritten Symphonie Anton Bruckners.

Im ersten Teil des Konzertes war das moderne Violinkonzert Bartòks zu hören. Das 1908 entstandene Werk kam erst 50 Jahre später zur Aufführung, ist inzwischen aber immer wieder in den Konzertsälen der Welt zu hören. Der eigenwillige Klang wirkte auf den Zuhörer, der mit der Musik des ungarischen Komponisten nicht vertraut ist, seltsam unstrukturiert und konnte damit nicht die Ohren fesseln. Als Solistin war die norwegische Geigerin Vilde Frang zu hören, die den Tönen mit ihrem Instrument noch ein bisschen Spannung einhauchen konnte. Während sie im ersten Teil noch ganz für sich zu spielen schien, gab sie sich in den folgenden Sätzen fast extrovertiert. Als gewagte Zugabe ließ sie ein Volkslied aus ihrer Heimat erklingen, das sehr an den Grenzen der Tonalität angesiedelt war.

Jonathan Nott (c) Thomas Müller; www.wienersymphoniker.at

Jonathan Nott (c) Thomas Müller; http://www.wienersymphoniker.at

Die Vorfreude auf den zweiten Teil des Konzertes wurde leider schon mit dem ersten Satz enttäuscht. Jonathan Nott hatte für die Aufführung die sehr selten gespielte Urfassung dieser Symphonie gewählt. Als Bruckner sein Werk 1873 vollendete, präsentierte er es seinem großen Vorbild Richard Wagner, da er sie ihm zu widmen wünschte. Nach einem trinkreichen Abend der beiden musikalischen Großköpfe willigte Wagner ein, vielleicht auch, weil er Motive aus seinen eigenen Opern in Bruckners Werk wiedererkannte. Die Urfassung selbst brachte Bruckner selbst aber nie auf die Bühne: Zweimal sollte er seine Komposition bis 1888 überarbeiten, indem er vor allem Kürzungen vornahm. Die originale Fassung wurde erst nach seinem Tod rekonstruiert. Der Brite Nott, der die vorgeführte Version auch schon mit den Bamberger Symphonikern einspielte, scheint ein großer Anhänger dieses Originals zu sein. Für mich, die ich Bruckners Dritte in seiner zweiten und dritten Fassung gut kenne, war die Wahl des Dirigenten nicht ganz nachvollziehbar. Das Werk besticht vor allem durch seinen starken Beginn, bei der die Klänge wie aus dem Nichts zu kommen scheinen. Zumindest das haben alle drei Versionen gemein, doch schon der Rest des ersten Satzes wirkt in der Urfassung unnötig aufgeblasen und ausgedehnt. Dies erreichte im Finale seinen Höhepunkt: Unzählige Fermate und Generalpausen lassen den Satz zerpflückt und unzusammenhängend erscheinen. Vielleicht ist es nur eine persönliche Meinung, aber die wunderbare Vielfältigkeit Bruckners Musik schien sich durch diese Präsentation in einzelnen Bruchstücken nicht zu einem großen Ganzen fügen zu können. Die Wiener Symphoniker glänzten an diesem Abend natürlich und erfüllten alle hohen Erwartungen, die mit ihrem Namen einhergehen. Wie aus einem Guss folgten sie den Anweisungen ihres Dirigenten und zauberten einen warmen Klang in den Stefaniensaal. Vor allem die Bläser seien hier hervorzuheben, die ihre Motive immer mit Präsenz, nie aber mit unnötigem Prunk präsentierten.

Trotzdem:„Die Musik hat nicht berührt“, war nicht nur die Meinung meiner Person am Ende des Konzerts. Seine Arbeit immer verbessern zu wollen, sehe ich als löbliches Ziel, und da Bruckner die Bearbeitungen seiner Symphonie ja selbst vorgenommen hat, vertraue ich darauf, dass er seine Kürzungen als Änderung zum Guten betrachtete. Aber wie so oft: Es bleibt Geschmackssache, und zum Glück!

Informationen zu den Konzerten des Musikvereins:
http://musikverein-graz.at