Männerschicksale im Musikverein

Marek Janowski, einer der renommiertesten deutschen Dirigenten, brachte Instrumentales aus Wagneropern, sowie Beethovens Eroica zur Aufführung.

Marek Janowski (c) Felix Broede

Die vielgeschätzte Programmauswahl und die glanzvolle Leitung des Grazer philharmonischen Orchesters gab gleich mehrfach Anlass für einen wohlfüllten Stefaniensaal vergangenen Montag. Den Auftakt bildete die Ouvertüre zum fliegenden Holländer, dessen wogendes Schicksal in unsteter Fahrt auf dem Meer gefangen zu sein, unmittelbar füllig in die Ohren der Zuhörer hereinbrach. In unstillbarem Verlangen folgte darauf der Liebestod aus Tristan und Isolde. Das Vorspiel der wegweisenden Oper nimmt dabei das schwere wenn auch befreiende Schicksal des unglücklichen Brautwerbers wenn auch nicht lebendig doch aber im Tod vereint zu sein dem Schlusssatz, der Verklärung, vorweg.
Das Orchester schlug sich im Allgemeinen wacker unter dem Taktstock des gebürtigen Warschauers. Besonders die Streicher zeigten sich in den von der obligaten Bassklarinette eingeleiteten Pianopassagen von ihrer besten Seite, wenngleich sich die Ruhe nicht voll auf die große Zuhörerschaft auszubreiten vermochte.
Marek Janowski dirigierte aus erfahrenem Gedächtnis mit großer Sorgfalt. Ausdrucksstarke fächelnde Gesten mit der Hand und laufende Korrektur in allzu eindeutigen Blicken verliehen dem Gebotenen neue Dynamik. Das äußerte sich besonders in Beethovens dritter Symphonie. Auf deren konservativ recht langsam, etwas gedämpft gebotenen ersten Satz folgte Dramatisches und vielfältig Tänzerisches mit großer Nähe zum Publikum.
Das bekannte Werk, vorerst Napoleon Bonaparte im Vorhaben nach Paris zu übersiedeln gewidmet, erzählt wohl auch vom Schicksal mindestens einer Persönlichkeit. Beethoven schreibt dazu in der Erstausgabe: „komponiert zur Feier des Andenkens eines großen Mannes“.

Weitere Informationen zum Konzert und andere Veranstaltungen im Musikverein unter:
http://www.musikverein-graz.at/konzert/9-orchesterkonzert-7/

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Sehnsuchtsmusik mit finnischem Flair

Die junge Dirigentin gestaltete bei recreation einen Abend voll sphärischer Klänge von Wagner bis Sibelius.

Eva Ollikainen (c) Nikolaj Lund

„Ich wollte verschiedenen Tonsprachen miteinander reden lassen“, erklärt die 35-jährige Finnin Ollikainen ihr Konzept in der Einführung zum Konzert. Im ersten Teil des Abends kombinierte sie dabei die Ouvertüre und Venusbergmusik aus dem Tannhäuser mit dem 2. Klavierkonzert von Franz Liszt. Die Übergänge bei Wagner erschienen zu Beginn etwas zu ruppig, im gesanglichen Mittelteil erklangen die Impulse aber weich abgerundet. Die musikalische Beschreibung von Tannhäusers Aufenthalt bei der Liebesgöttin gelang so gut, dass man (wie so oft bei Wagner) das Gefühl hatte, sich nicht rühren zu können und das auch gar nicht zu wollen. Folgend erklang Klavierakrobatik von Wagners Schwiegervater, dem Komponisten und Virtuosen Franz Liszt. Für das Konzert in A hatte Intendant Mathis Huber erneut einen bereits gutbekannten Gast für recreation gewonnen: den deutschen Pianisten Bernd Glemser. Auch wenn sich über die stilistische Gestaltung von Liszts Werk streiten lässt, die Virtuosität Glemsers ist unbestreitbar. Nicht umsonst wird der Tastenkünstler immer wieder für die „gefinkelten Projekte“ nach Graz eingeladen, ist sein Spiel und der vermittelte Ausdruck ernst und doch immer unbeschwert. Zwar vergönnte er dem Publikum eine Zugabe, aber wie schon so manches mal zuvor vermittelte er dabei den Eindruck, nicht für die fordernden Zuhörer, sondern ganz für sich alleine zu spielen. Das lyrische und oft sanfte Extrastück (diesmal klang zwischendurch ein kleiner Walzer durch) scheint eine Glemser-Tradition zu werden, die ihn in der Wertschätzung als feinsinnigen Künstler wohl noch steigert.

Bernd Glemser (C) Werner Kmetitsch

Die folgende Konzerthälfte wurde nun ganz von sphärischen Elementen dominiert, auch wenn diese in ganz unterschiedlichen Techniken umgesetzt wurden. Wagner eröffnete erneut, diesmal mit dem Vorspiel zum Lohengrin. Geschickt hielt Ollikainen das Volumen bis zum letztmöglichen Augenblick gedrückt, um die Musik im Höhepunkt des Stücks dann eindrucksvoll aufblühen zu lassen. Die heiklen Passagen in den hohen Streichern erklangen mit kleinen Makeln, mit der Basis der tiefen Seiten wurde der Klang schließlich glänzend geschliffen. Als Kontrast und gleichzeitig als Stück mit demselben Grundpuls wie der Lohengrinmusik folgte der „Asteroid 4179 Toutatis“, ein zeitgenössische Stück der finnischen Komponistin Kaija Saariaho. Ist die Stimmung bei Wagner doch eher zerbrechlich und feenartig, tat sich hier ein schroffes und beinahe gruseliges Konstrukt auf. Die gewagte Kombination gelang, ohne dass es zwischen den Stücken zu einem Spannungsabbruch kam. Ein weiterer Landsmann der Dirigentin beschloss den Abend. Mit seiner letzten erhaltenen Symphonie kreierte Jean Sibelius ein durchgezogenes Werk „in einem Satze“. Die Dirigentin sieht dieses Werk als zielstrebendes Konstrukt konzipiert, das mit seinem Ende in C-Dur den Tod repräsentieren soll. Das zerrissene Finale gestalteten die Musiker aufbrausend und dramatisch und doch schien die Aufregung in ein versöhnliches C-Dur zu münden.

Weitere Informationen zum Programm unter:
https://styriarte.com/events/sehnsuchtsmusik/?sti=31864

Das Stück „Asteroid 4179 Toutatis“ von Kaija Saariaho kann man unter der Leitung von Sir Simon Rattle unter folgendem Link finden:
https://youtu.be/I054UQxiKKU

Musikverein Graz: Ode an die Schönheit des Lebens

Von Erfolg gekrönter Liederabend „frauen.leben.liebe“ mit Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz

Der Musikverein Graz brachte nun zwei internationale gefragte österreichische Künstler – Mezzosopranistin Elisabeth Kulman und ihr Klavierpartner Eduard Kutrowatz – mit einem äußerst gelungenen Repertoire (Schubert, Schumann, Liszt, Wagner) auf und über die Bühne.

Das vielseitige Programm stand ganz im Zeichen von Kulmans unglaublich facettenreicher Mezzosopran- bzw. Altstimme. Zu Beginn der ersten Hälfte des Abends schöpfte sie zunächst ihr tieferes, ernstes und dunkles Register aus (z.B. im Wesendoncklied „Schmerzen“ von Wagner) und überließ der zum Teil virtuosen Klavierpartie den Vortritt. Alsbald kam aber mit Liszts kurzen Liebesliedern („Was Liebe ist“, „Ich liebe dich“, „Einst“) ihr Mezzosopran in leichter, sanfter Fassung stärker zur Geltung. Hier nahm sich Kutrowatz gekonnt zurück und bewies damit von Beginn an die Kongenialität der beiden Künstler.

Elisabeth Kulman© Marija M. Kanizaj

Bei den vereinzelt schnelleren tempi (etwa in „An die Nachtigall“ von Schubert) machte sich jedoch eine teilweise gehetzte Stimmführung hörbar. Im Übrigen interpretiert Kulman den Liedgesang mit Tiefe und ganz besonderer Ausdruckskraft. Nicht selten wurde es vollkommen still im Stephaniensaal, als sie im pianissimo bis zum letzten Ton sang (insbesondere das „Wiegenlied“ von Schubert).

AUSTRIA/2.2014 / Eduard Kutrowatz-Frauen.Leben.Liebe © Julia Wesely

© Julia Wesely

Als Abschluss konnten „Der Tod und das Mädchen“ (Schubert) und „Mitternacht“ (Schumann) als zwei der wohl bekanntesten Lieder nicht treffender sein. In „frauen.leben.liebe“ war der Name Programm: die malerischen Texte, die von den nahmhaften Komponisten vertont wurden, sind eine Ode an die Schönheit des Lebens in all ihren Facetten, zum Ausdruck gebracht über die Empfindsamkeit der Frau – Leiden, Trauer, Tod, Liebe, Verehrung, Hoffnung.

Doch selbst wenn der musikalische Zenit erreicht zu sein scheint, überraschen Kulman und Kutrowatz aufs Neue: In der dreiteiligen Liszt-Zugabe gaben sie nicht nur theatralische Dramatik („Die drei Zigeuner“), sondern auch klangliche Brillanz in den einzigen nicht deutschsprachigen Liedern („Enfant, si j’étais roi“ und „Go not, happy day“) erneut zum Besten.

Weitere Informationen zur laufenden Saison im Musikverein sind hier zugänglich.