So ein Zirkus…

…und was für einer! Das Festival Cirque Noel erzählt derzeit wieder Zirkusgeschichten in Graz. Mit dabei ist unter anderem die bereits bekannte kanadische Truppe The 7 Fingersderen Produktion Passagers in der Grazer Stadthalle in das Innenleben von Zugabteilen entführt. Mit wenig Worten und ganz viel Akrobatik laden sie zum Träumen, Verweilen und Staunen ein. 

Die Welt zieht in Form einer Leinwand auf der Bühne am Zugfenster vorbei – das Bild wechselt dabei zwischen den unterschiedlichsten Landschaften: von der Großstadt bis in die Einöde. Auf der Bühne davor turnt das achtköpfige Ensemble der 7 Fingers auf Sesseln und Gepäckwägen. Das komplette Bühnenbild ist im Retro- Chic gehalten und passt somit zur Idee hinter Passagers: eine Hommage an das Zugfahren, ans Reisen in neue, fremde Länder und an den Zug als klassisches Transportmittel mit einer Prise Eleganz. Gute alte Zeiten.

bühne 7 fingers

 Alexandre Galliez 

Was die Produktion noch erzählt? Die Geschichte von acht Reisenden, die sich fremd sind, jedoch im selben Zug sitzen und die Zeit zwischen Abfahrt und Ankunft unterschiedlich erleben. Das Ensemble (bestehend aus Freyja Wild, Conor Wild, Brin Schoellkopf, Louis Joyal, Maude Parent, Sereno Aguilar Izzo, Sabine van Rensburg und Sam Renaud) besticht mit einer Mischung aus Akrobatik, Tanz und Theater. Wenn geredet wird, dann in einem Sprachmix aus Deutsch, Französisch und Englisch. Im Vordergrund steht jedoch die Artistik der Zirkustruppe – elegante Soloakrobatik in weißen Tüchern, Zusammenarbeit am Trapez, Verrenkungen im Ring in luftiger Höhe und gespanntes Warten während die Künstler und Künstlerinnen scheinbar mühelos die Gesetze der Natur bezwingen. Hin und wieder taucht dann die Frage auf, ob Wirbelsäulen überhaupt existieren. Eine passende musikalische Umrahmung rundet die Geschichten ab, mal mit Swing, mal mit Botschaft, mal eher leiser und ruhig.

Passagers entführt die Zuschauer für eineinhalb Stunden in die Zeitlosigkeit einer Zugfahrt und lädt dabei zum Träumen und Verweilen ein. Die Kanadier harmonieren und begeistern mit ihrer Vertrautheit untereinander sowie ihrer Kunst. Im Gegensatz zu so mancher Zugfahrt vergeht das Stück weitaus schneller, was vor allem Witz, Charme sowie den grandiosen Kunststücken zu verdanken ist. Lauter Applaus und Standing Ovations – verdient!

Mehr Informationen und weitere Termine gibt es hier.

 

 

 

 

 

Stück für Stück zum Weihnachtsglück

Ein Weihnachtsfest ohne Josef und Maria? Unmöglich – lautet die Devise in der Spielzeit 2019.2020 im Schauspielhaus Graz. Während der Adventszeit und darüber hinaus beleben der einsame Wachmann Josef und die alleingelassene Putzfrau Maria in der Tragikomödie von Peter Turrini die Bühne im Haus Eins.

Ein Bühnenbild voll Weihnachtsglanz und doch von minimalistischer Eleganz begrüßt mit dem Leuchtschriftzug „für unsere Lieben“. Während Marias Lieben jedoch ein Fest ohne sie vorziehen, hat Josef niemanden, mit dem er den Heiligen Abend verbringen könnte. So bessern die beiden nach Ladenschluss im Warenhaus ihre Renten auf und teilen bei ein paar Gläschen nicht nur ihre tiefsten Besorgnisse und geheimen Sehnsüchte. Denn Stück für Stück entledigen sich die beiden auch ihrer Arbeitskleidung und finden am Ende zu ihrem ganz persönlichen Weihnachtsglück.

Erst putzen und weinen, dann tanzen und lachen, letztlich entzücken und verführen – vielseitig ist die Rolle der Maria allemal. Margarethe Tiesel spielt sie unter der Regie von Michael Schilhan authentisch und mit selbstironischem Charme, von dem man sich nur allzu gern hinreißen lässt. Franz Solar, der als Josef ihrem Liebreiz verfällt, präsentiert sich als linker Freidenker und teilt politische Allüren ebenso überzeugend, wie die zaghafte Unsicherheit gegenüber der Damenwelt. Visuell unterstreicht Anne Marie Legenstein die starken Charakterzüge mit passenden Kostümen, die bis hin zu Negligé und Männerstrumpfhaltern detailreich durchdacht sind, und schafft ebenso auf der Bühne ein festliches Ambiente.

Mit nachdenklich stimmenden Dialogen, dem ein oder anderen Lacher und Standing Ovations unter begeistertem Applaus entsteht im Schauspielhaus durchaus vorweihnachtliche Freude, der man sich gern hingeben kann.

Josef-und-Maria-2© Karelly Lamprecht

Weitere Informationen zum Schauspiel finden Sie hier.

Maria meets Josef

Foto: Karelly Lamprecht

Am 10. Dezember sorgten Margarethe Tiesel und Franz Solar für weihnachtliche Stimmung im Haus Eins des Schauspielhaus Graz. Im Stück Josef und Maria von Peter Turrini brachten die beiden unter der Regie von Michael Schilhan das Publikum zum Lachen. 

Turrinis Stück wurde bereits im Jahr 1980 uraufgeführt, trifft jedoch heute noch den Zahn der Zeit. In einem Kaufhaus treffen am 24. Dezember ein Wachmann und eine Reinigungskraft auf einander. Beide arbeiten genau an diesem Tag, um den heiligen Abend schnell hinter sich zu bringen. Im Laufe des Abends verraten sie sich gegenseitig immer mehr von ihren langen Leben und tauschen traurige und fröhliche Erlebnisse miteinander aus. Der 24. Dezember löst in beiden Ängste aus, die sich über die letzten Jahrzehnte aufgestaut haben. Am Ende finden die zwei, die zuerst schrecklich an einander vorbei reden und sich nicht wirklich zuhören können, zueinander und haben doch noch einen schönen nicht ganz so heiligen Abend. 

Die Hauptdarsteller, Margarethe Tiesel und Franz Solar, standen hauptsächlich zu zweit auf der Bühne, füllten diese aber mit ihren großartigen schauspielerischen Leistungen. Margarethe Tiesel überzeugt als liebenswerte ältere Dame, die doch nur das beste für ihren Sohn will und eine ausgelassene Vergangenheit durchlebte. Ihr gegenüber steht der Wachmann Herr Josef, gespielt von Franz Solar, der gesundheitlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war und trotzdem eine überzeugende Leistung ablegte. Herr Josef durchspielt seine politische sowie schauspielerische Vergangenheit und streut immer wieder traurige Details über sein Leben ein.

Gemeinsam und mit ein bisschen Alkohol machen sie das beste aus ihrer aktuellen Situation und bringen das Publikum mit tänzerischen Einlagen, Gesang und einem Happy End zum Schmunzeln. Die anfängliche Melancholie führt zu einer schönen Nacht im Kaufhaus, die durch Bühne und Kostümen von Anne Marie Legenstein das Publikum überzeugte. 

Ein sehenswertes Stück, das auch am 10. Dezember viele Menschen bezauberte und für großen Beifall sorgte. 

Infos zu weiteren Vorstellungen hier