Nussknacker und Mäusetraum

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Bild: Werner Kmetitsch

Leise rieselt der Schnee und verschmilzt mit den Ballettfiguren zu einem zauberhaften Schneeflockenwalzer. Ein Hauch von Weihnachten liegt in der Luft, man kann den Duft der Tannennadeln beinahe riechen.

Weihnachten. Ein kleines Mädchen steht mit dem Rücken zur Bühne, es ist in ein luftiges Nachthemd gehüllt. Der transparente Vorhang zwischen ihrem Bett und dem Zimmer der Eltern (Vater: Fabio Toraldo, Mutter: Miki Wakabayashi) unterstreicht die Intimität dieses Augenblicks. Gemeinsam mit Clara (feinsinnig: Clara Pascual Marti) beobachtet das Publikum den liebevollen Tanz der beiden, deren elegante Hebefiguren die zärtlichen Bewegungen vollenden.

Immer wieder scheint die Zeit still zu stehen an diesem Abend. Die Arbeit von Jörg Weinöhl verzichtet zur Gänze auf Worte und bringt das Kunstmärchen von E.T.A. Hoffmann rein pantomimisch und tänzerisch zum Ausdruck. Eine Herausforderung, die das Ballett herausragend meistert, unterstützt von der Musik aus „Der Nussknacker“ & anderen Werken von Peter Iljitsch Tschaikowski (musikalische Leitung: Robin Engelens).

  1. Akt. Der erste Akt bildet einen friedlichen Kontrast zu der lauten Welt da draußen, federleicht und unbeschwert. Im Zentrum der Inszenierung steht die kleine Clara. Sie hat einen großen Nussknacker aus Holz geschenkt bekommen, weiß mit ihm aber nichts anzufangen und baut sich lieber ein Häuschen aus Mausefallen, das in ihrem Traum als riesiges Haus zum Leben erwacht.
  2. Akt. Im zweiten Akt muss die zauberhafte Atmosphäre einem verworrenen Albtraum weichen. Es dominieren die düsteren Klänge Tschaikowskis vierter Sinfonie. Aus allen Luken des Hauses klettern plötzlich Mäuse, selbst die geliebten Familienmitglieder tragen unheimliche Mäusemasken. Clara kokettiert mit dem Nussknacker, dieser nimmt sie unter seine Fittiche und die beiden tanzen gemeinsam in den dritten und letzten Akt.
  3. Akt. Darin verwandelt sich das Bühnenbild (Saskia Rettig) in einen traumhaft schönen Märchenwald. Das sich über die Mausefalle legende Kunstwerk aus Rosenblüten ist der visuelle Höhepunkt dieser Vorstellung und spiegelt die versöhnlichen Klänge des Blumenwalzers wieder. Mit einer herausragenden Choreographie nimmt schließlich das gesamte Ensemble Abschied vom Publikum. Dieses bedankt sich mit tosendem Beifall.

Traumhaft schöner Rückzugsort. Der visuelle und akustische Genuss dieser Produktion vereint sich zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk. Die tänzerische und pantomimische Leistung des Ensembles ist fabelhaft. Entzückend sind die jüngsten Darstellerinnen, die immer wieder als kleine Zinnsoldaten und Mäuse über die Bühne huschen. Ein besinnlicher Abend für all jene, die in der heutigen Zeit von einem klassischen Weihnachtsfest träumen.

weitere Vorstellungen: MI. 7.12., FR. 9.12., SO 11.12., MI 14.12., SO 18.12., FR. 23.12., MO 26.12., SA 14.01., DO. 19.01.
Opernhaus Graz.

 

 

 

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Natale a Napoli – italienisches Weihnachtsfest mit recreation BAROCK

An vier Abenden in Folge füllte eine gesonderte Gruppe des recreation Orchesters den Grazer Minoritensaal. Das weihnachtliche Programm enthielt neben einigen italienischen Vertretern des Barock auch zwei Konzerte von Händel und Vivaldi.

Balázs Máté; (c) styriarte

Balázs Máté; (c) styriarte

Feierlich eröffnete das Barockorchester mit einem Weihnachtskonzert von Guiseppe Torelli. Geleitet von Balázs Máté versprühten die Musiker einen ansteckenden Festtagszauber. Máté zeigte seine Spielkunst in den ersten zwei Werken am Cello piccolo, einer 5-saitigen verkleinerten Version des heutigen Cellos. Mit wehender linker Hand animierte er abwechselnd sein Instrument und die um ihn versammelten Musiker. Ersteres kam besonders an den Soli-Passagen schön zur Geltung, wenn es nur vom Zupfen des Cembalos begleitet wurde. Den Abschluss des ersten Teils machte eine Weihnachtserzählung von Alessandro Scarlatti. Schon der Beginn klang dabei wie der Prolog zu einer spannenden Geschichte. Tanja Vogrin hauchte den Worten mit ihrem vollmundigen Sopran die nötige Wärme ein. Auch die Musiker waren um eine mitreißende Interpretation bemüht und hoben die feinen Dissonanzen des Stücks hervor, ohne der Harmonie einen Abbruch zu tun.
Der zweite Teil bescherte ein weiteres Cellokonzert, diesmal von Antonio Vivaldi. Die typisch „vivaldische“ Freude äußerte sich im Andante mit einem kitschigen Schwelgen, während im Allegro ein strammes Tempo das Vergnügen fast zu schnell beendete.

Tanja Vogrin; (c) Werner Keltisch

Tanja Vogrin; (c) Werner Keltisch


Ein neues Soloinstrument mit einer schon vertrauten Musikerin waren in Händels Harfenkonzert in B zu hören. Tanja Vogrin zeigte nun auch ihre Fingerfertigkeit, wobei die Harfe sich schnell als ihr Zweitinstrument entpuppte. Das schleppende Tempo und die fehlende Leichtigkeit im Spiel ließen den nötigen Schwung vermissen. Ein besonderes Glanzstück gelang dafür mit dem Concerto Grosso von Arcangelo Corelli. Die drei Hauptsätze in diesem Werk sind selbst wieder untergliedert, sodass sich innerhalb weniger Minuten ein flottes Vivace mit einem andächtigen Adagio abwechselt. Den Esprit verliehen hier besonders Albana Laci, die aufgrund von Krankheit eines Kollegen den ganzen Abend als Konzertmeisterin bestritt, und Marina Bkhiyan, die sich einen munteren Wettstreit zwischen ihren Stimmen lieferten. Im zweiten Satz verströmten die mächtigen Moll-Akkorde eine kurzzeitige Tragik, die sich im heiteren Finale wieder ganz auflöste.
Für die Zugabe hatte sich der Ungar Balázs Máté etwas Besonderes einfallen lassen. In einem eigenen Arrangement spielten die Musiker eines der berühmtesten Weihnachtslieder Italiens. Tu scendi dalle stelle „Du steigst herab von den Sternen“ sang Tanja Vogrin begleitet vom Orchester und als sie bei der dritten Strophe angelangt war, stimmte auch ein Großteil des Publikums in ihren Gesang mit ein. Eine charmante Idee mit einem gemeinsamen Ausklang – so wünscht man sich den Abschluss eines Weihnachtskonzertes.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://styriarte.com/events/natale-a-napoli/

INTERNATIONALES ÖH-WINTERFEST VOL. 1

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Am 18.12.2013 findet im Meerscheinschlössl (Mozartgasse 3, 8010 Graz) erstmals das „Internationale ÖH-Winterfest“ statt, das ein festliches Plädoyer für Offenheit und Toleranz darstellt.

Anstatt eine klassische Weihnachtsfeier zu organisieren, veranstaltet die ÖH Uni Graz dieses Jahr erstmals, um auch Nicht-Christen mit einzuschließen, ein Winterfest mit internationalen Charakter, in dessen Rahmen Studierende unterschiedlichster Herkunft Musik, Bräuche, Speisen und Getränke ihres Landes vorstellen. Die ÖH möchte mit dieser Veranstaltung nicht nur festlich stimmen und zu einer besseren internationalen Vernetzung unter Studierenden beitragen, sondern auch ein klares Statement setzen: Nämlich die Demonstration der Gleichwertigkeit aller Menschen aller Kulturen.

Specials: Internationales Gratis-Buffet & Live-Musik