Klassik-Fans, zückt die Terminkalender!

204 Spielzeiten hat der Grazer Musikverein hinter sich, in der 205. dreht sich alles um Frieden und Menschenrechte (und Beethoven). Es wird jung, international und hochkarätig. Diese Auswahl solltet ihr euch merken.

Da ging ein lautes Raunen durch die Reihen bei der Programmpräsentation im Stefaniesaal: Der Shooting-Star der Klassik-Szene, die chinesische Pianistin Yuja Wang, beehrt endlich Graz! An ihrer Seite steht das kolumbianische Energiebündel Andrés Orozco-Estrada am Pult der Wiener Philharmoniker, am Programm: Rachmaninow und Dvořák. Klassik-Fans, packt die Kalender aus: am 16. Oktober habt ihr um 19.30 einen Termin namens 2. Festkonzert.

Yuja-Wang-by-Norbert-Kniat-DG-11

Die wunderbare Yuja Wang kommt nach Graz (c) Norbert Kniat

 

Bei dem einen Termin wird es aber nicht bleiben, denn Saison 205 hat noch andere Programm-Asse im Ärmel. Beim 4. Festkonzert im März 2020 wird der Stefaniensaal zum wohl schönsten Kino Österreichs (mindestens!), wenn sich der Musikverein und das Diagonale-Filmfestival verbrüdern: Zum Thema Menschenrechte ertönen Werke von Edward Elgar, Astor Piazolla und Claude Debussy mit Friedrich Kleinhapl am Cello.

Auch Star-Tenor Juan Diego Flórez beehrt den Musikverein wieder, und zwar beim 3. Festkonzert; Christina Pluhar und Ensemble geben mit Rolando Villazón Monteverdis „L’Orfeo“ als 5. Festkonzert.

Nachwuchs blüht auf

Die Saisoneröffnung gehört übrigens den Jungen – und setzt ein starkes Zeichen: Oksana Lyniv dirigiert das von ihr gegründete Youth Symphony Orchestra of Ukraine zu Beethovens 9. Symphonie. Jung und spritzig wird es auch beim 1. Festkonzert der Saison: Die Sommerakademie der Wiener Philharmoniker gibt Mozarts „La finta giardiniera“ zum Besten, im Oktober kommen sie mit Daniel Froschauer auf der Violine und Michael Werba am Fagott für einen Mozart-Abend gleich wieder.

Europa und Jugend und Menschenrechte heißen die Stichwörter, unter denen im Mai 2020 Orchester der Konservatorien aus Triest, Ljubljana und Graz gemeinsam – richtig: Beethoven! – musizieren. Für Familien und junge Hörer*innen ist für die Reihe Amabile die Ballettakademie der Wienerstaatsoper mit der „Puppenfee“ zu Gast, das Fux-Konservatorium bringt Mozarts „Zauberflöte“.

Martin_Grubinger_PRINT ┬® Simon Pauly (3)

Percussion meets Klassik: Solist Martin Grubinger (c) Simon Pauly

 

Orchester und Solisten

20 Orchester-Abende bilden das Fundament der Saison. Zehn davon bestreiten die Grazer Philharmoniker, daneben sind auch die Wiener Symphoniker und das ORF-Radiosymphonieorchester wieder da. Sehr interessant: Beim 6. Orchesterkonzert widmen sich das Orchester und die Big Band der Kunstuni Graz mit Thomas Quasthoff den großen Amerikanern Leonard Bernstein und George Gershwin.

Im Solisten-Zyklus vertreten ist etwa Artist-in-Residence-Pianist Fazıl Say, der „Brückenbauer zwischen Orient und Okzident“, wie ihn Generalsekretär Michael Nemeth nennt. Im Jänner spielt er neben Mozart und Beethoven auch seine eigenen Kompositionen, im April begleitet ihn das Minetti-Quartett. Weiters solo zu Gast: Grigory Sokolov, Rudolf Buchbinder und Percussion-Wunder Martin Grubinger.

Die Liederabende sind nicht weniger prominent besetzt: Helmut Deutsch begleitet die Tenöre Piotr Beczała und Mauro Peter, Sopranistin Krassimira Stoyanova singt mit Anneleen Lenaerts auf der Harfe. René Pape und Philippe Jaroussky kommen ebenfalls nach Graz. Kammermusikalisch wird es mit The Wave Quartet, Belcea Quartet oder Emerson String Quartet.

Tickets für die Festkonzerte sind ab 2. April erhältlich, für Abo-Konzerte ab 3. September. Für Studierende unter 27 Jahren sind sie 50% vergünstigt, Restkarten gibt es um 5 Euro.

Werbeanzeigen

Ein Traum von Schubert beim Festkonzert des Musikvereins

Unter der Leitung von Philippe Jordan gestalteten Bariton Matthias Goerne und die Wiener Symphoniker eine Schubertiade des 21. Jahrhunderts. Das prominent besetzte Publikum feierte einen musikalisch mehr als festlichen Abend.

Philippe Jordan (c) http-//imgartists.com/artist/philippe_jordan

Philippe Jordan (c) http-//imgartists.com/artist/philippe_jordan

Der dynamische Philippe Jordan feierte im Musikverein seine Rückkehr nach Graz, wo er vier Jahre die Position als Chefdirigent der Oper inne hatte. Sein fulminantes Comeback eröffnete er mit Schuberts Ouvertüre in D-Dur. Mit den Wiener Symphonikern, deren Vorsitz er seit Kurzem einnimmt, zauberte einen wunderbar weichen Klang, der alle Schubert-Freunde selig aufseufzen ließ. Mit seiner spielerischen Art zu dirigieren (ohne Dirigierstab sondern mit bloßen Händen!) gab er seinem Orchester oft nicht einmal den Takt vor und harmonierte mit den Musikern trotzdem auf ganzer Linie. Die Vorarbeit zum Konzert ist eben doch nicht zu unterschätzen und wenn sie so gründlich geleistet wurde wie hier, kann man sich am großen Abend jede Freiheit erlauben. Auch die anderen Orchesterstücke des Abends waren von derselben Lieblichkeit wie das zu Beginn erklungene. Die Ballettmusik und Schauspielmusik aus Rosamunde, Fürstin von Zypern zeigten die zärtlich ruhigen als auch die wild verspielten Seiten der besagten Gestalt. Leider zerteilt in drei Teile hörte man Schuberts 3. Symphonie. In bewusst gemäßigtem Tempo hauchte er den bekannten Melodien neuen Zauber ein. Erst im letzten Satz ließ er die Zügel los und sorgte somit für einen flotten Abschluss.

Matthias Goerne (c) Margo Borggreve

Matthias Goerne (c) Margo Borggreve

Als zweiter Programmpunkt waren Schubertlieder in verschiedenen Bearbeitungen für Orchester und Solist vorgesehen. Diese in dieser Weise ganz neue Art, die großartigen Lieder Schuberts zu interpretieren, ist den Musikern meisterhaft gelungen. Solist Matthias Goerne überzeugte mit seinem weichen dunklen Schmelz und zarter Höhe bei jedem einzelnen Werk. Seine lange Auseinandersetzung mit Schubert, die großteils auf CD festgehalten ist, ließ ihn mit einer Leichtigkeit und Vertrautheit singen, die an eine alte Freundschaft erinnerte. Von dem Streicher-lastigen Orchester wurde sein Bariton feinfühligst begleitet, sodass er trotz der großen Anzahl an Musikern nie seine Stimme über das Maß des Liedgesangs heben musste. Von einem leisen Tränenregen bis zum aufbrausenden Erlkönig erhielten die Lieder durch die Orchestrierung eine noch stärkere Betonung ihres atmosphärischen Charakters.

Das begeistert klatschende Publikum wurde mit zwei Zugaben belohnt: Der Forelle und, wie könnte es bei einer richtigen Schubertiade anders sein, dem Ständchen.

Weitere Konzerte des Musikvereins unter:
http://www.musikverein-graz.at