Ein Nachmittag für wagemutige Gitarrenklänge

Der junge Portugiese André Ferreira spielte unter dem Titel „Tarde de guitarra“ auf seiner Gitarre einen Querschnitt vom Barock bis zur Musik des 20. Jahrhunderts. Der Grazer kunstGarten bot ein einmaliges Ambiente für das kleine, feine Konzert.

André Ferreira; entnommen von :https-i-ytimg-comvicii7xjl0bmghqdefault

André Ferreira; entnommen von :https-i-ytimg-comvicii7xjl0bmghqdefault

Was braucht man für ein Hauskonzert der besonderen Art? Überzeugende Künstler, aufmerksame Zuhörer und einen gemütlichen Rahmen. Dieses Rezept wird von den Inhabern des kunstGartens Irmi und Reinfrid Horn perfekt beherrscht. Für das letzte Konzert war Musiker André Ferreira mit seiner Gitarre geladen. Schon beim Einklingen seines Instrumentes mit Stimmgabel und müheloser Präzision wird klar, dass man hier einen musikalischen Feinspitz vor sich hat. Auch mit seiner Programmwahl überrascht der junge Portugiese auf positive Art. Er verzichtet auf die typischen „Gassenhauer“ der Gitarrenliteratur und präsentiert eine gemischte Auswahl ihm nahestehender Komponisten. Als älteste Werke erklangen zwei barocke Sonaten von Carlos Seixas. Der portugiesische Tondichter ist Ferreira nicht nur durch sein Heimatland verbunden, sondern auch durch seine ganz individuelle Art Musik zu schreiben, die sich wenig an zeitgenössischen Kollegen orientierte, wie er erklärt. Die melancholische und introvertierte Charakteristik der Stücke weiß der Gitarrist geschickt auf sein Instrument zu übersetzen. Trotz der starren Rhythmik der Komposition, gelingt ihm ein weiches Abphrasieren, dass ein Innehalten und Luftholen im Fluss der Musik erlaubt. Dieses Element der Ruhe hat André Ferreira vollauf begriffen. Bewusst nimmt er sich Zeit um seine Stücke ausklingen zu lassen und den folgenden einen Moment der Stille voranzustellen. Oft ist es eben nicht ein perfekt fehlerfreier Vortrag der ein gebanntes Publikum garantiert, sondern diese Bereitwilligkeit auch auf den Zuhörer einzugehen.

Capricho von Goya , entnommen von: http-hitosdelapropaganda-blogspot-co-at201401si-sabra-mas-el-discipulo

Capricho von Goya , entnommen von: http-hitosdelapropaganda-blogspot-co-at201401si-sabra-mas-el-discipulo

Vorbeiflitzende Katzen, Fotoblitze und Gläserklirren scheinen die Verbindung zwischen seiner Musik und dem willigen Hörer nicht zu berühren. Seine Tremoli in Agustín Barrios-Marongés Una Liosna por el Amor de Dios perlen sanft aber beharrlich. In der anschließenden Confésion, einem musikalischen Liebesbekenntnis, ist zu Beginn noch die Unsicherheit des Werbenden zu spüren. Langsam weicht die Betretenheit und wird zu erwartungsvoller Hoffnung, die mit einem leisen, nachhallenden Flageolett in der Mitte der Gitarre ihre Erfüllung findet.
Neben lyrischem Saitenzupfen, kamen auch frechere Kompositionen nicht zu kurz. In zwei Stücken von Astor Piazolla kombinierte Ferreira rhythmischen Flow mit expressiver Spieltechnik. In So sabrá más el discípulo? (zu deutsch: Wenn der Schüler mehr weiß als der Lehrer?) war zudem die Vertonung eines Goya Bildes (siehe oben) zu hören. An einen Lausbubenscherz erinnernd trifft man hier auf gewagte Harmonik und komplizierte Melodiefiguren. Diese meistern seine wendigen Finger und geben mit spannungsvoller Dynamik den letzten Schliff. So überzeugend vorgetragen, kann man sich da auch mit einem verschmitzten Lächeln den Applaus abholen.

Es ist immer wieder ein Erlebnis den Geheimtipp kunstGarten aufzusuchen. Also ppsssst: bitte weitersagen!

Weitere Informationen zum Programm im Kunstgarten Graz gibt es unter:

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Eine Hörprobe des talentierten Gitarristen kann man unter folgendem Link finden:

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Remember Rembrandt

Am 4. Juli fand die letzte Vorstellung der jungen Oper „Remember Rembrandt“ (Libretto: Ruud van Weerdenburg, Komposition: Henrik Sande) im kunstGarten statt. Irmi Horn inszenierte die tragi-komischen Bewegungen von Rembrandts Werken und Wirken in einem kurzweiligen und experimentellen Rahmen.

„Amsterdam, the city of merchants and sailors…“ – mit diesem in der Endlosschleife wiederholten Satz wird das Publikum zu Beginn der Aufführung auf den Schauplatz der Geschichte eingestimmt. Rembrandt Harmenszoon van Rijns – so sein voller Name – Schaffen fügte sich in Hollands politischer, wirtschaftlicher und künstlerischer Blütezeit, die eben insbesondere die Großstadt Amsterdam prägte. Rembrandt musste viele Schicksalsschläge erfahren – früher Tod seiner engen Familienangehörigen, große finanzielle Probleme -, die allesamt sein Leben prägten.

Dieses Gefühls- und Erfahrungsspektrum wird in „Remember Rembrandt“ auf musikalischem, darstellerischem und sprachlichem Wege interpretiert. Der niederländische Librettist Ruud van Weerdenburg verkörpert dabei den Künstler selbst als Sprecher und auch Sänger/Darsteller. Der junge und vielversprechende Tenor Laszlo Adrian Kiss übernimmt zusätzlich die klassischen Gesangspartien. Diese Doppelbesetzung bringt die Vielschichtigkeit von Rembrandts Leben gekonnt zum Ausdruck. Auch Hendrickje Stoffels‘ (Rembrandts große Liebe) Rolle ist treffend doppelt besetzt, von der niederländischen Sopranistin Saralies ten Hooven und Irmi Horn selbst als Sprecherin.

Eine weitere Besonderheit ist der an die tragische Komödie angelehnte, in Alter und Geschlecht gemischte Chor, der sprechend und singend das Geschehen kommentiert. Die Ausstattung ist ganz im kunstGarten-Stil gehalten und zeugt von einem kreativen Blick fürs Detail: viele kleine Gegenstände verteilen sich über die Bühne, die im Gesamten einen orientalisch angehauchten Stil vermitteln. Auch die zahlreichen Selbstportraits des Künstlers finden ihren Weg in die Darstellung und veranschaulichen, wie Rembrandt sich mit sich selbst und seinem Leben befasste.

In musikalischer Hinsicht waren zu Beginn die dissonanten Akkorde etwas gewöhnungsbedürftig, ebenso wie der bruchartige Wechsel von klassischen Arien zu Jazzimprovisation und das Aufeinandertreffen von Saxophon und Cembalo. Lässt man sich auf dieses auditorische Experiment ein, verschmelzen diese bewussten Stilbrüche zu einem schlüssigen Ganzen und repräsentieren die verschiedenen Züge von Rembrandts Leben: Sturm- und Drang-Zeit, Ruhm, Liebe, Trauer, Misserfolg. Van Weerdenburgs malerische und tiefgründige Texte klingen so persönlich, als habe sie Rembrandt selbst verfasst.

Herrlich ungezwungen ist vor allem auch die Location der Aufführung. Der erfrischende und zugleich mystisch-exotische kunstGarten wird als Schauplatz mit einbezogen – etwa, wenn eine Sängerin auf dem Dach eines Gartenhäuschens erscheint. Ein Spaziergang durch die verschlungenen Wege im Garten lässt den Operngenuss in Ruhe ausklingen.

Weitere Ausstellungen und Performances im kunstGarten sind hier ersichtlich.

Duo Jenner-Mori: Musik zum Träumen

Die Gewinner des österreichischen World Music Award 2010 im malerischen Ambiente des kunstgarten

Mit Igmar Jenner (Violine) und Borut Mori (Akkordeon) haben zwei virtouse Künstler zusammengefunden, deren feinste Weltmusik wohl spätestens seit ihrem Sieg beim Austrian World Music Wettbewerb 2010 keine Unbekannte mehr ist. Im kunstgarten boten sie einen Querschnitt aus ihrer mittlerweile über 10-jährigen musikalischen Zusammenarbeit dar und präsentierten auch ein paar neue Stücke.

Darunter fanden sich nicht nur Eigenkompositionen (etwa das anregende „Awakening“ oder das unglaublich besänftigende „A media nox“), sondern auch eigene Arrangements slowenischer Volkslieder („Zeleni Jure“) und Covers anderer Komponisten (z.B. vom französischen Cellisten Renaud Garcia-Fons).

Jenner/Mori bezaubern als congeniales Duo, in dem die solistisch präsente Geige mit dem primär begleitenden Akkordeon in einem äußert harmonischen Dialog kommuniziert. Ihre Musik lässt die Zuhörer in einem musikalischen Meer der Träume schwelgen, überrascht sie aber immer wieder aufs Neue: auf temperamentvolle Rhythmen folgen einfühlsame pianissimi, um im nächsten Moment mit virtuoser Fingerakrobatik und verschiedensten Klangeffekten zu fesseln.

Ihr einzigartiger Stil ist eine Mischung aus Jazz (zB das Call&Response-Prinzip), Einflüssen von Astor Piazzolla, Elementen der slawischen Volksmusik und nicht zuletzt freier Improvisation; besonders markant sind dabei die nostalgischen Moll-Harmonien und die häufigen tempi-Wechsel.

Schlichtweg eine Musik zum Träumen.

Nähere Informationen zum kunstgarten sind hier erhältlich.