Viersprachige Liedkunst

Der 3. Liederabend der Saison brachte Piotr Beczała und Helmut Deutsch mit romantischen Klängen aus Polen, Tschechien und Russland nach Graz. In ersten Teil wurde Schumanns Dichterliebe dargeboten, deren Interpretation sich zum Ende hin auflösen konnte.

Eine intensive Zeit erwartet alle Liedbegeisterten in den nächsten Wochen. Drei Liederabende stehen am Programm des Musikvereins: auf den Startenor Beczała folgen im April die jungen Stimmen von Christiane Karg und Andrè Schuen. Dieser Liederzyklus des Musikvereins für Steiermark ist auch für den Altgroßmeister des Lieds Helmut Deutsch ein anschaulicher Gegenbeweis für all jene, die den Untergang des Kunstliedes herauf beschwören. 45 Jahre liegt der erste Auftritt des österreichischen Pianisten in Graz zurück. Die Liste der Namen, die von Deutschs einfühlsamen Händen begleiteten wurden, ist lang. Neben jungen Talenten finden sich da auch Stimmen, die schon verklungen aber unvergessen sind, wie etwa jene von Hermann Prey und Peter Schreier. Auch nach so vielen Jahren haftet der Spielweise Deutschs nichts Routiniertes an. Mit gefinkeltem Pedaleinsatz schafft er eine Fülle an Klangeindrücken, die vor allem die leiseren Lieder mit einem schwebenden Zauber erfüllen. In den ruhigen Stücken wie „Hör’ ich das Liedchen klingen“ fand auch Piotr Beczała eine Balance und konnte seine Stimme fließend entwickeln. Zum Beginn des Zyklus rang er um eine weiche Höhe und ließ erkennen, dass er vor allem im Opernfach zuhause ist. Eine gewisse Inhomogenität über sein Register ließ sich wohl auf eine kleine Indisponiertheit zurückführen.

(c) Johannes Ifkovits

In der Liederauswahl des zweiten Teils konnte die Stimme Beczałas vollends aufgehen. Ungehemmter und mit gesteigerter Leichtigkeit sang er in drei Sprachen Lieder von Mieczysław Karłowicz, Antonín Dvořák und Sergej Rachmaninow. In den unbekannteren Liedern von Karłowicz war dem Tenor deutlich die Sympathie zu seinem polnischen Landsmann anzusehen. Ein ausgelassener Charakter in den beschwingten Liedern gelang ihm ebenso überzeugend wie zarte Melancholie, wenn er in seiner Muttersprache sang:

Ich denk’ an Tage süß und silberhell,
Sie scheinen heute mir als gold’ner Traum,
Das war der Kindheit wonn’ges Paradies,
In diesem Himmel war für mich Raum.

Den dynamisch etwas einseitig gestalteten Zigeunerliedern Dvořák, folgte eine subtile Interpretation von vier Rachmaninow Liedern. Besonders die Huldigung an einen blühenden Fliederbusch („Siren’“, op. 21/5) vermochte zu berühren, das die Interpreten hier nicht zögerten auch eine Seite voll Zerbrechlichkeit zu zeigen. Als Zugaben folgten die „Zueignung“ von Richard Strauss und das neapolitanische Volkslied „Core ’ngrato“ das mit schwelgenden Seufzern nach seiner Geliebten ruft. Zur Freude von so mancher Dame im Saal.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://www.musikverein-graz.at/konzert/3-liederabend-2/

Entfesslungskünstler im Musikverein

Der Tenor Mauro Peter bescherte mit seinem Lehrer und Pianisten Helmut Deutsch einen Liederabend voll fein nuancierter Töne. Einem Auszug aus Schumanns Komponierkunst folgten frühe Werke von Richard Strauss sowie drei „Sonetti“ von Franz Liszt.

Nach einem Konzert mit einem der Altmeister der Liedkunst und seinem „letzten bedeutenden Studenten“ fühlt man sich wunderbar losgelöst. Lied für Lied entfesseln die zwei Musiker alle Anspannungen und entführen in eine Welt, wo „Feinigkeiten“ noch Zeit und Raum gewidmet wird. „Die Liederabende im Grazer Stefaniensaal sind ein starkes Argument, für die überall verbreiteten Gerüchte, dass es mit dem Lied bergab geht“, meint Helmut Deutsch. Und tatsächlich zeigt ein gut gefüllter Saal mit auffallend vielen jungen Gesichtern, dass sehr wohl ein nachwachsendes Interesse an dieser „ungeschminkten“ Musikgattung besteht.
Der Schweizer Peter eröffnete mit Liedern von Robert Schumann, dem er sich auch in seiner jüngsten CD widmete. Nicht die berühmte „Dichterliebe“ war zu hören, nichtsdestotrotz kam der vertonte Heinrich Heine zu Wort. Den kompakten Stücken folgten mit Schumanns op. 40 Texte von Anderesen mit einer Musik von mehr Tragik. Seinen noch nicht voll ausgereiften Stimmumfang glich Mauro Peter mit perfekter Artikulation aus. Im Lied „Der Spielmann“ machte Helmut Deutsch den Titel zum Programm und wechselte zwischen an Tänze erinnernder Begleitung und virtuosen Exklamationen.
Der nächste Block wurde von „Schlichten Weisen“ und „Mädchenblumen“ des Richard Strauss gefüllt. Leicht und neckisch klang es hier, wenn die Stimme von verschieden duftenden Mädchengestalten singt und das Klavier Sanftmut wie Unglück gleich mitreisend zu charakterisieren weiß. So viele Juwelen das deutsche Liedgut besitzt, charmanter und fließender klingen die Verse etwa im Italiensichen. Mit „Tre Sonetti“ von Franz Liszt waren drei Stücke den Texten von Petraca gewidmet. Hier gelang dem Duo die Krönung der Behutsamkeit, mit keiner Scheu vor leisen Tönen und tiefen Emotionen.
Drei Zugaben für das Publikum, ein Strauß gelber Rosen und Standing Ovations für die Musiker.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen des Grazer Musikvereins unter:
http://www.musikverein-graz.at

Musikverein Graz: Ode an die Schönheit des Lebens

Von Erfolg gekrönter Liederabend „frauen.leben.liebe“ mit Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz

Der Musikverein Graz brachte nun zwei internationale gefragte österreichische Künstler – Mezzosopranistin Elisabeth Kulman und ihr Klavierpartner Eduard Kutrowatz – mit einem äußerst gelungenen Repertoire (Schubert, Schumann, Liszt, Wagner) auf und über die Bühne.

Das vielseitige Programm stand ganz im Zeichen von Kulmans unglaublich facettenreicher Mezzosopran- bzw. Altstimme. Zu Beginn der ersten Hälfte des Abends schöpfte sie zunächst ihr tieferes, ernstes und dunkles Register aus (z.B. im Wesendoncklied „Schmerzen“ von Wagner) und überließ der zum Teil virtuosen Klavierpartie den Vortritt. Alsbald kam aber mit Liszts kurzen Liebesliedern („Was Liebe ist“, „Ich liebe dich“, „Einst“) ihr Mezzosopran in leichter, sanfter Fassung stärker zur Geltung. Hier nahm sich Kutrowatz gekonnt zurück und bewies damit von Beginn an die Kongenialität der beiden Künstler.

Elisabeth Kulman© Marija M. Kanizaj

Bei den vereinzelt schnelleren tempi (etwa in „An die Nachtigall“ von Schubert) machte sich jedoch eine teilweise gehetzte Stimmführung hörbar. Im Übrigen interpretiert Kulman den Liedgesang mit Tiefe und ganz besonderer Ausdruckskraft. Nicht selten wurde es vollkommen still im Stephaniensaal, als sie im pianissimo bis zum letzten Ton sang (insbesondere das „Wiegenlied“ von Schubert).

AUSTRIA/2.2014 / Eduard Kutrowatz-Frauen.Leben.Liebe © Julia Wesely

© Julia Wesely

Als Abschluss konnten „Der Tod und das Mädchen“ (Schubert) und „Mitternacht“ (Schumann) als zwei der wohl bekanntesten Lieder nicht treffender sein. In „frauen.leben.liebe“ war der Name Programm: die malerischen Texte, die von den nahmhaften Komponisten vertont wurden, sind eine Ode an die Schönheit des Lebens in all ihren Facetten, zum Ausdruck gebracht über die Empfindsamkeit der Frau – Leiden, Trauer, Tod, Liebe, Verehrung, Hoffnung.

Doch selbst wenn der musikalische Zenit erreicht zu sein scheint, überraschen Kulman und Kutrowatz aufs Neue: In der dreiteiligen Liszt-Zugabe gaben sie nicht nur theatralische Dramatik („Die drei Zigeuner“), sondern auch klangliche Brillanz in den einzigen nicht deutschsprachigen Liedern („Enfant, si j’étais roi“ und „Go not, happy day“) erneut zum Besten.

Weitere Informationen zur laufenden Saison im Musikverein sind hier zugänglich.