König Roger – Zwischen Wahnsinn und Glauben

BILD: Kay Stiefermann (Roger II.), Andrzej Lampert (Der Hirte) © Werner Kmetitsch

Am Valentinstag feierte die polnische Oper „König Roger“ von Karol Szymanowski in der Grazer Oper Premiere und verbreitete bei den Gästen Gänsehaut auf ganzer Strecke. Ein Stück, das durch musikalische Vielfalt, inhaltliche Tiefe und ein skurriles Bühnenbild die Zuschauer fesselt und beeindruckt. 

Normannenkönig Roger II., Herrscher des mittelalterlichen Siziliens, trifft auf einen jungen Hirten, der die Existenz eines neuen Gottes predigt. Die Gemahlin des Königs ist von dem Jüngling entzückt und folgt diesem ganz zum Missfallen des Königs. Ein Kampf zwischen bisherigem Glauben und der Prophezeiung des Hirten beginnt. Ein sehr spirituelles Stück, das auch die allgegenwärtige Diskussion um das Bedürfnis der Menschen nach Religion aufgreift.

Das Bühnenbild ist schlicht und dennoch beeindruckend. Der Boden ist rückwärts angehoben und bildet im hinteren Bühnenbereich einen Hügel. Inmitten dieser Schräge befindet sich eine goldene Quelle mit Wasser, die ein Taufbecken symbolisiert. Während der Vorstellung erhebt sich der Mittelteil der Bühne und ein beeindruckendes Bild wird den Zuschauern geboten: König Roger sitzend im Taufbecken, umrahmt von Gold und Blut.

Die Kostüme sind ebenfalls schlicht und verbinden Modernes mit zeitloser Eleganz. Schwarze Blazer treffen auf leicht fallende Kleider in Pastell. Die Tänzer verkörpern Chaos und Ekstase durch ihre abnormen Verrenkungen, sodass die Zuschauer nicht ihren Blick von ihnen wenden können.

Musikalisch ist das Stück ein wahres Meisterwerk, das durch seine Vielfalt in Gesang und Musik beeindruckt. Der A-capella-Chor verbreitet Gänsehaut und das Orchester verblüfft durch seine Intensität und Raffinesse.

Ein beeindruckendes Stück, das auf jeden Fall sehenswert ist.

Tickets unter: Oper.at

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Macbeth is back

PICTURE: pixabay.com

A masterpiece of art that explores corruption, power and its horrible results entangled in a story of romance, horror, and supernatural. Macbeth is one of the most performed plays in the world and was performed on stage at the Schauspielhaus in Graz on February 12th.

The play was presented by The American Drama Group Europe and TNT Theatre Britain and was directed by Paul Stebbings. Despite this being their first Shakespeare production, it has earned a lot of praise and the production has been touring worldwide since 2001 to over forty countries.

The play starts in the woods where witches in green capes are dancing in gloomy and sallow light. Just three trees and nothing more. The whole scene is dominated by the actors as there are barely any props.  Throughout the play the costumes, the props and the stage decoration is comparable to those used in Shakespeare’s time. There are solely a few sound effects that give the play a modern touch. The actors are great, however, the audio is not loud enough to hear them clearly.

A nice play that could have really enchanted the audience with a little more effort.

Ein Meisterwerk der Kunst, das Korruption, Macht und ihre schrecklichen Folgen darlegt und sie in einer Geschichte von Romantik, Horror und Übernatürlichem verwickelt. Macbeth ist eines der meistgespielten Stücke der Welt und wurde am 12. Februar im Schauspielhaus in Graz aufgeführt.

Das Stück wurde von The American Drama Group Europe und TNT Theatre Britain unter der Leitung von Paul Stebbings präsentiert. Obwohl dies ihre erste Shakespeare-Produktion ist, hat sie bisher viel Lob geerntet und wurde seit 2001 schon weltweit in über 40 Ländern aufgeführt.

Das Stück beginnt im Wald, wo Hexen in grünen Umhängen in düsterem und fahlem Licht tanzen. Nur drei Bäume und nichts mehr. Die gesamte Szene wird von den Schauspielern dominiert, da es kaum Requisiten gibt. Während des ganzen Stückes sind die Kostüme, die Requisiten und die Bühnendekoration mit denen aus Shakespears Zeiten vergleichbar. Es gibt nur wenige Soundeffekte, die dem Stück eine moderne Note verleihen. Die Schauspieler sind großartig, lediglich der Ton ist nicht laut genug, um sie deutlich zu verstehen.

Ein schönes Stück, das das Publikum mit etwas mehr Aufwand wirklich verzaubern hätte können.

Wien: W. A. Mozart in Studenten-WG aufgefunden

BILD:  Martin Niederbrunner, Christoph Steiner, Michael Großschädl © Lupi Spuma

Mozart lebt! Nein, nein nicht Elvis! Es ist Mozart, der im Next Liberty unter der Regie von Alexander Medem zum Leben erweckt wird, denn in dem Stück „Mozart wacht auf“ von Eva Baronsky dürfen alle ab 12 den wiedererweckten Komponisten in rosa Plüschpantoffeln durch Wien begleiten. 

Ein Morgen wie jeder andere nach einer Party in einer Studenten-WG in Wien. Es wird aufgeräumt und notdürftig geputzt. Doch dann finden die Studenten einen Gast der letzten Nacht im Bett ihrer Mitbewohnerin vor. Nach einem schnellen Pulscheck ist klar – er lebt! Das heißt, er kann auch beim Putzen mithelfen. Als der vermeintliche Gast aufwacht, schaut er verwirrt um sich und betrachtet jeden Gegenstand im Raum, als hätte er ihn zum ersten Mal gesehen. Er murmelt etwas von Paradies und behauptet dann felsenfest der verstorbene Wolfgang Amadeus Mozart zu sein. Den Studenten ist klar: der hat anscheinend noch was intus. Schnurstracks wird der Verrückte auf die Straße gesetzt und die Aufräumarbeiten werden fortgesetzt.

In der Wiener Innenstadt kämpft sich nun der Neuling ganz verloren durch die Menschenmassen bis ihn eine Melodie Hoffnung gibt. Ein Straßenmusiker entzückt den verstorbenen Komponisten und er sucht das Gespräch. Bei ihm findet er Zuflucht und lernt das 21ste Jahrhundert näher kennen. Unter dem Decknamen Wolfgang Mustermann komponiert er ein kleines Stück für eine Jazz-Sängerin, die ihn im Blue Notes (einem Jazz Café) verzaubert. Es scheint alles gut zu gehen, bis er sich seiner jungen Geliebten offenbart und seine wahre Identität preisgibt.

Nach einem Unfall wird Mozart in eine Nervenanstalt gebracht und festgehalten. Er glaubt, sein einziger Weg zurück in seine Zeit sei es, seine letzte Sonate fertigzustellen, jedoch ergreift ihn der Wahnsinn. Nach einiger Zeit besuchen ihn der Straßenmusiker und die Jazz-Sängerin und begreifen, dass man Mozart so nehmen muss, wie er ist und überreden den Komponisten, noch eine Weile im 21sten Jahrhundert zu bleiben.

Das Stück „Herr Mozart wacht auf“ von Eva Baronsky wurde nach ihrem gleichnamigen Roman angefertigt. Die Idee eines Zeitreisenden ist schon öfters in verschiedenen Formen in der Literatur aufgekommen, jedoch verzückt dieses Stück mit seinem österreichischen Touch. Nicht nur inhaltlich wird Wien hervorragend präsentiert, sondern auch sprachlich kommt Mundl-Feeling auf. Auch die Korrelation zwischen dem Wiener Deutsch aus Mozarts Zeiten und dem aus dem 21sten Jahrhundert unterhalten das Publikum, jedoch scheinen einige Kraftausdrücke und derbe Anspielungen in einem Kindertheater etwas fehl am Platz .

Das Bühnenbild (von Katharina Heistinger) ist etwas Besonderes, denn Prismen bespannt mit bemalten Leinwänden stellen verschiedene Orte mit nur wenigen Drehungen dar.  Auch das Bett und das Klavier werden wie durch Magie auf selbstfahrenden Podesten bewegt. Die Kostüme lassen Mozarts Mode mit Bohoo-Studenten-Style verschmelzen und im zweiten Teil des Stückes lassen surreale, bunte Kostüme den Zuschauer die Perspektive Mozarts nachempfinden.

Inhaltlich regt das Stück zum Nachdenken an, denn das Fremdsein in einem Land trifft nicht nur auf Zeitreisende zu. Das Stück zeigt auf, dass manchmal Menschen, die am wenigsten haben, am meisten geben, denn wie der Straßenmusiker auch am eigenen Leib erfahren hat, ist es für Neulinge in einer Stadt sehr schwer.

Ein empfehlenswertes Stück, das noch bis Juni im Next Liberty zu sehen ist.