Göttliches Liebesfest

„Die Schule der Liebe“ lud im Schloss Eggenberg zum Erkunden und Staunen.

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(c) Nikola Milatovic

Ein stimmiges und vielseitiges Konzept haben sich Thomas Höft von der Regie- und Michael Hell von der Musikseite für die heurige Styriarte erdacht. Von Kammerorchester mit Chor und Solisten bis zu improvisierenden Duos mit Seiltänzerin wurde einiges bei diesem Fest geboten.
Zum Auftakt platzierte sich der HIB.art.chor unter der Leitung von Maria Fürntratt im Schlossinnenhof und bot leichte Liedeinstimmung mit Ward Swingle und den Beatles. Die motivierte Jugend des Chors war aber auch am Hauptakt des Abends beteiligt: John Blows kleine Oper „Venus and Adonis“. Getragen von der fein besetzten Neuen Hofkapelle Graz traten die Nachwuchssänger als kleine Amors und schöne Grazien auf und bewiesen dabei fülligen Klang und eine natürliche Bühnenpräsenz. Mit großer Professionalität und kindlichem Eifer traten Sophie Sinabell und Irma Charlotte Wielandt in der Rolle des kleinen Cupido auf. Wunderbar besetzt war das Solistenquartett. Benedikt Kristjánsson als Schäfer und Jäger brachte mit seinem Haute-Contre elfengleich große Weite und prägnante Helle, sein Kollege Mario Lesiak rundete mit seinem Tenor den Ensembleklang noch ab. Als Adonis präsentierte sich vollmundig und reif Norman Daniel Patzke, dem mit Sophie Daneman eine herrliche Venus zur Seite gestellt war. Neckisch und zärtlich beim Flirt mit Adonis zeigte sie bei dessen Tod eine ergreifende Verzweiflung mit Aufschrei und leiser, verletzter Fassungslosigkeit. Die Musiker der Neuen Hofkapelle Graz wussten diesen Moment spannendst zu durchleben, besonders auch die präsente Rolle der Theorbe (Sofie Vanden Eynde) unterstrich den einfühlsamen Charakter.

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(c) Nikola Milatovic

Mit diesem musikalischen Leckerbissen wäre man schon zufrieden gewesen, aber noch so manche Überraschung wartete das Fest in Eggenberg auf. Thomas Höft selbst erläuterte in den Räumen der Alten Galerie kundig und launig von den Bezügen der Familie Eggenberg zum antiken Stoff des Abends, und auch über die Geschichte des Schlosses selbst blieb man dank Dominik Augustinovi´c nicht uninformiert. Die Entspannung im Graben umrahmt von den eitlen Haustieren des Schlosses wurde begleitet von einer modernen Deutung der Geschichte von Ariadne und ihrem Faden. Ariadne, dargestellt von Linn Brodén, tanzte und wirbelte dabei auf einem Seil während gleich zwei Theseuse – Miloš Milojević mit der Klarinette und Gabriel Froihofer mit Percussion – um sie warben. Auch die gute Daphne blieb an diesem Abend nicht unerwähnt. Mit Jacob van Eycks „Doen Daphne d’over schoone Maeght“ erfüllte Andreas Böhlen die mit Kerzenschein erfüllte Kirche mit stimmungsvollen Linien, die er anschließend mit eigenem Geist improvisatorisch verwandelte. Ein großes Finale brachte alle Mitwirkenden im Innenhof zusammen. Zum klaren Sommernachtshimmel wurde schlicht und schön „Der Mond ist aufgegangen“ angestimmt, dessen Melodie schließlich das ganze Schloss und wohl auch so manches Herz erfüllte.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
https://styriarte.com/events/schule-der-liebe/?sti=41999

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Es mutet an so zart

Schuberts große Es-Dur Messe füllte bei der heurigen Styriarte die Stainzer Pfarrkirche mit klangbarer Ehre.

(c) Werner Kmetitsch

Viele von Schuberts Werken ergreifen mit ihren so wohl bemaßten Mitteln. Sie ergreifen das Ohr und Herz des aufmerksamen Zuhörers so weit, dass jede Beschäftigung der Augen gänzlich zur Nebensache verkommt. So geschah es auch am vergangenen Sonntag in Stainz selbst auf den abgelegensten Plätzen. Getragen vom Arnold Schönberg Chor und dem Concentus Musicus Wien unter Andrés Orozcp-Estrada entfaltete sich die letzte Messe des feinsinnigen Franzl in seinen großen Tönen voller Empfindsamkeit. Eben diese zartesten Empfindungen gewährte der Arnold Schönberg Chor unter der Einstudierung von Erwin Ortner besonders stimmungsvoll. Das Credo erklang im ppp nur wie ein Hauch und doch mit wirkungsvoller Präsenz der abgestimmten Stimmen. Davor die Fuge im Gloria mit Wucht zum triumphierenden Klang der Blechbläser. Auch die Solsiten ließen wenig Wünsche offen, wie sie im Benedictus in Einigkeit, Sehnsucht und Zerstreutheit vermittelten. Auffalend zart anmutend war Daniel Johannsen im vorangestellten Intende Voci (D 963), ebenso im Credo wo die kantable Linie des Cellos direkt in seinen Tenor überging.
Zurück bleibt Dankbarkeit für so große Musik.

Weitere Informationen zum Konzert und weiteren Veranstaltungen der Styriarte unter:
https://styriarte.com/events/schubert-in-stainz-2019/?sti=41997

Klassik, Gold und Glitzer

Im Rahmen der Golden Age Show lud styriarte sein Publikum ein, Barockmusik einmal anders zu erleben: mit Kostümen, Bodypainting und Poledance.

Schon die Ankündigung der Veranstaltung ließ erahnen, dass man am 6. Juli in der Helmut-List-Halle kein klassisches Barockkonzert zu sehen bekommen würde, denn Fetish Baroque hatten sich angekündigt und nahmen ihr Publikum mit in ein musikalisches Zeitalter, in dem die Blockflöte noch en vogue war und man das Cembalo noch zu würdigen wusste. All das sollte an diesem Abend aber kein reiner Hörgenuss bleiben, sondern auch optisch für Aufsehen sorgen.

Einer nach dem anderen betreten die sieben MusikerInnen die Bühne – und genießen sichtlich ihren Auftritt. Dem Publikum werden die großartigen goldenen Kostüme und güldenen Bodypaintings (Birgit Mörtl) präsentiert. In dieser Maskerade gibt das Ensemble geschickt ausgewählte Stücke von Bach, Pachelbel, Uccellini, aber vor allem Vivaldi und Händel zum Besten. Die träumerischen Melodien werden von den MusikerInnen unter der Leitung von Michael Hell (Cembalo und Blockflöte) mitreisend gespielt und lassen keinen Zweifel daran, dass man es hier mit einem top eingespielten Ensemble zu tun hat. Hell selbst ist neben seinem virtuosen Blockflötenspiel auch optisch mit Widderhörnern, Pelzhose und Hufen ein Highlight des Abends. Perfekt abgerundet wird die Darbietung durch die gesanglich starke Leistung von Gemma Bertagnolli die nicht nur mit Klängen aller möglichen Tonlagen überzeugt, sondern auch durch ihre Vielzahl an Kostümwechseln – von der Eiskönigin zur Heiligenfigur – für Staunen sorgt. Die zusätzlichen Flirtereien mit Michael Hell verleihen der Show Witz und Charme.

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(c) Andy Joe

Trotz der optisch oft aufwendigen Darbietung verliert die Musik während der Golden Age Show nie ihren zentralen Stellenwert. Viel mehr wird der Hörgenuss um ein visuelles Erlebnis erweitert. Einzig die beiden Tänzer wirken meist deplatziert und überflüssig. Hier kann nur die elegant sanfte Poledance-Performance zu Vivaldis Destin avaro aus La fida ninfa überzeugen.

Insgesamt bleibt die Golden Age Show ein sehr lohnendes Erlebnis, dass die Sinnlichkeit barocker Musikstücke nachdrücklich auf die Bühne bringt.

Zum styriate Programm geht’s hier!