(c) Lupi Spuma

Deine Geschichte auf der Schauspielhaus-Bühne

Das Schauspielhaus Graz bittet für das neue Projekt „Bürger*innenbühne“ ExpertInnen des Alltags zu Wort. Es werden Menschen gesucht, die bereit sind, ihre Geschichten in eine der drei Produktionen einfließen zu lassen – und selbst mitzuspielen!

Du wolltest schon immer einmal Bühnenluft schnuppern, bei einem professionellen Probenprozess dabei sein und deine Ideen einbringen? Das Schauspielhaus will mit der „Bürger*innenbühne“ einen Raum der Begegnung und des Diskurses schaffen, in dem jede/r willkommen ist. Gesellschaftliche Gräben sollen durch Zusammenarbeit zugeschaufelt werden: Egal ob Jung oder Alt, Studi oder Vorstandsvorstand, Österreicher*innen oder Migrant*innen, in Graz und der ganzen Steiermark – alle arbeiten an der gemeinsamen Vision einer „Schönen neuen Welt“.

Drei Produktionen zu verschiedenen Bereichen des Themas „Zukunft“ werden in der Spielsaison 2018/19 auf den drei Bühnen zu sehen sein. Den Auftakt macht Regisseur Simon Windisch am Haus 2 mit „Leonce und Lena suchen einen Ausweg“: Der Alltag zwischen Langeweile und Leistungsdruck, zwischen „burnout und boreout“ soll hier verhandelt werden. Davon können Studis nur ein Lied singen, denn die Prüfungen und Seminararbeiten tauchen bekanntlich immer alle auf einmal auf!

Infoveranstaltung: 15. September 2018; Auswahlworkshop: 22./23. September; Probezeit: 16. November – Jänner; Premiere: Jänner 2019; Kontakt: julia.gratzer@schauspielhaus-graz.com

„Träumen Androiden von elektronischen Schafen?“ lautet der wohlklingende Titel der zweiten Produktion mit Regisseurin Anja Michaela Wohlfahrt am Haus 3. Hierfür werden Menschen gesucht, die die Zukunft aktiv mitgestalten, egal ob politisch, technisch oder sozial – es geht um die Welt von morgen und Visionen dieser.

Infoveranstaltung: 12. Jänner 2019; Auswahlworkshop: 19./20. Jänner; Probezeit: 25. Februar bis April; Premiere: April 2019; Kontakt: timo.staaks@schauspielhaus-graz.com

Am großen Haus 1 wird schließlich das Thema „Familie 2.0“ von Regisseurin Uta Plate bearbeitet – ein riesiger Themenblock, der jede/n betrifft. Die Vergangenheit aufarbeiten, die Gegenwart analysieren und die Zukunft gestalten – egal ob als traditionelle Kleinfamilie, alternative Lebensgemeinschaft oder Regenbogenfamilie. Hat der Generationenvertrag noch Gültigkeit? Welche Modelle des Zusammenlebens sind in Zukunft möglich? Welchen Traditionen folgen wir, welche brechen wir? Ein bunter Haufen wird für „Familie 2.0“ gesucht!

Infoveranstaltung: 9. März 2019; Auswahlworkshop: 16./17. März; Probezeit: 1. April bis 28. Juni; Premiere: 29. Juni 2019; Kontakt: viola.novak@schauspielhaus-graz.com

Wie kann ich mitmachen?

Die einzigen Erfahrungen, die zum mitmachen nötig sind, sind jene aus dem eigenen Leben! Einfach zu den angegebenen Daten der Infoveranstaltungen jeweils um 18 Uhr im Foyer des Schauspielhauses anwesend sein und/oder unter den angegebenen E-Mail-Adressen voranmelden. Viel Spaß wünscht das Kulturreferat der ÖH Uni Graz!

Weitere Infos hier!

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Höllentrip nach Buenos Aires

Die Oper Graz ist mit der großen Kasematten-Sommerproduktion an der Reihe. In ihrer Inszenierung von „María de Buenos Aires“ lodern die Flammen des Tangos nur selten auf, meistens flackern sie lustlos vor sich hin.

Die Prostituierten stöckeln über die nächtlichen Straßen Buenos Aires‘, bezirzen ihre Freier in Korsagen und knallbunten Latex-Stiefeln. Neben ihnen steht das riesige Herz, dessen Venen und Arterien sich durch die Balkone räkeln und sogar eine Stiege bilden. Es ist kein süßes Herzerl, sondern eines wie aus Fleisch und Blut: Ungeschützt und angreifbar liegt es da – wie María selbst. Eine der unzähligen Allegorien der Inszenierung.

„María de Buenos Aires“ ist eine „Tango Operita“ in 16 Bildern von Astor Piazzolla, dem Erfinder des Tango Nuevo. An einer schlüssigen Handlung fehlt es in der Operita rund um das Schicksal der Frau aus der Vorstadt, ein Bild reiht sich an das andere. All der Trubel um María reflektiert sie selbst – entweder Hure oder Heilige, dazwischen kann eine Frau nicht sein. Mezzosopranistin Anna Brull tritt auf wie der Tango selbst: Im schillernden roten Kleid schmettert sie ihr Thema „Yo soy María“ mit erstaunlicher Kraft in die Kasematten. Und doch scheint die Musik, ihre einzige Sprache, ihr das Leben auszusaugen. Erschöpft hängt sie auf der Stiege, entblößt ihren Kopf von der Perücke, steckt sich verzweifelt eine Zigarette an und klagt vor sich hin.

Momente wie diese sind es, von denen die Inszenierung von Rainer Vierlinger lebt. Doch sie sind an diesem Abend rar gesät. Ein Spektakel, das Südamerika direkt nach Graz holt, ist „María de Buenos Aires“ alleine schon wegen der räumlichen und technischen Mängel nicht. Die Schoßbergbühne wir längs bespielt, was einen weiten, aber flachen Raum entstehen lässt – in den man von den seitlichen Plätzen schwer einblicken kann. Die mittelmäßige Soundtechnik mit Lautsprechern schmälert die großartige Leistung des Orchesters unter der Leitung von Marcus Merkel mit Hanspeter Capun an der E-Gitarre und Martin Veszelovicz am Bandoneon. Dass die Unwetter der letzten Wochen Opfer in der Probezeit gefordert haben, merkt man vor allem an den Übergängen zwischen den Szenen: Sie sind unkoordiniert, viel zu lang und die Technik surrt im Hintergrund.

Ivan Oreščanin findet als Sänger die richtige Portion an Tragik in seinem dunklen Bariton, bevor er in seine zweite Rolle als Psychoanalytiker schlüpft: Er durchbohrt und malträtiert im Willy-Wonka-Kostüm das übergroße Hirn von María, die zu dem Zeitpunkt nur mehr ein Schatten ist. Und singt währenddessen mit ihr ein herzzerreißendes Duett. Hier spricht der Tango alle Sprachen. Dass er das aber nicht immer tut, zeigt unter anderem Ciro Gael Miró als der Erzähler El Duende. Sein Sprechgesang übersetzt sich nicht automatisch aus dem Spanischen – womit die sowieso schon abstrakte Oper für Leute, die der Sprache nicht mächtig sind, komplett an Grenzen verliert. Vielleicht wären Übertitel das nächste Mal doch eine Investition wert.

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Wolf italienisch

Im letzten Liederabend der Saison boten Christiane Karg und Michael Nagy Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“. Am Klavier spielte der großartige Gerold Huber.

Christiane Karg (c) Gisela Schenker

Selten ist der italienische Wolf vollständig zu hören, vermutlich auch weil das Werk etwas im Schatten des „Spanischen Liederbuches“ steht. Der Großteil der Lieder handelt von den vielen Formen der Lieder, für die italienische Gedichte in deutscher Übersetzung von Paul Heyse als Inspirationsquelle dienten. Dazwischen sind aber ein paar musikalische Anekdoten ganz anderer Art hineingeschummelt, die teils religiösen teils rein erheiternden Charakter zeigen. Christiane Karg, die im Vorjahr mit einem Liederabend voll großer Erzählkunst aufhorchen ließ, konnte ihre Stimme in Wolfs Stückerln nicht voll ausschöpfen. Zu Beginn schienen ihre Töne eng gehalten und erst im Laufe des Konzertes wurde die frische, leichte und kecke Charakteristik ihres Vortrages deutlich, wie sie es etwa in „Ihr jungen Leute“ bewies. Im zweiten Teil bescherte ihre Stimme aber doch den Höhepunkt des Abends mit dem Lied „Oh wär‘ dein Haus durchsichtig wie ein Glas“. Zum gläsern feinen Spiel von Gerold Huber entlockte sie ihrer Stimme hier sehnsuchtsvolle Töne, die mit ihrer Zerbrechlichkeit und Anmut Stillschweigen im Saal beschwören konnten.

Michael Nagy (c) Monika Höfler

Den Part des Baritons übernahm Michael Nagy, der hiermit aus sein Debüt im Musikverein für Steiermark beging. Seine Stimme gewann ebenso wie die seiner Partnerin im Laufe des Abends an Lebhaftigkeit, und so erklang „Heb auf dein blondes Haupt“ besonders schmeichelnd. Den schlummernden Weitklang seiner Töne hob er sich allerdings für den zweiten Teil des Abends auf, und so wurde man in „Schon streckt‘ ich aus im Bett die müden Glieder“ noch munter überrascht. Getragen und gehoben wurden die beiden Sänger vom Pianisten Gerold Huber, der an der Musikhochschule Würzburg auch eine Professur für Liedbegleitung innehat. Hubers Spiel ist klar, nuanciert und lebhaft. Einzig die zu kurzen Pausen zwischen den Stücken lassen sich bemängeln, da man selbst als Zuhörer das Gefühl hatte, kaum durchatmen zu können. In Summe blieb der Eindruck zurück, dass das Schaffen Hugo Wolfs zwar auch hier zu unterhalten wusste, um einen ganzen Abend allerdings spannungsvoll zu füllen, wären mehr Kontraste und/oder ein durchgezogener Faden von Nöten gewesen.

Weitere Informationen zum Konzert unter:
https://www.musikverein-graz.at/konzert/5-liederabend-3/