Von Dichtern und Zigeunern – Liederabend im Musikverein

Der 3. Liederabend der Saison im Musikverein Graz bot ein vielseitiges Programm, das vor allem durch seine Vielfältigkeit hinsichtlich gesungener Sprachen außergewöhnlich und faszinierend werden konnte. Der aus Polen stammende Piotr Beczala wurde dabei vom in Graz allseits bekannten Helmut Deutsch am Klavier begleitet, der gewohnt souverän und gefühlvoll den großenteils herrlichen Gesang trug und unterstützte.

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(c) Musikverein Graz

Die erste Hälfte des Abends bot dem erwartungsvollen Publikum Robert Schumanns Dichterliebe, die für ihre teils hektischen, kurzen, aber auch gefühlvollen und romantischen Lieder bekannt ist. Vor allem die langsameren Stücke wurden berührend interpretiert („Im wunderschönen Monat Mai“, „Ich hab im Traum geweinet“), während jedoch so manches Lied, das vor allem von seiner Intensität und Wortgewalt lebt („Ich grolle nicht“, „Das ist ein Flöten und Geigen“, „Und wüssten’s die Blumen die kleinen“), einen Hauch zu glatt und vorsichtig vorgetragen wurde.

In der zweiten Hälfte des Konzertabends, die slawischen Gesang bot, wurde Piotr Beczala merkbar freier und sicherer und trug beherzt schönes Liedgut des weithin unbekannten polnischen Komponisten Mieczyslaw Karlowicz vor, ehe Antonín Dvoraks Zigeunerlieder (op. 55) in Originalsprache für einen zarten, angemessenen stilistischen Bruch sorgten. Den Abschluss bildeten Lieder Sergej Rachmaninows (auf Russisch), ehe drei Zugaben dem erfreuten Publikum geboten wurden, das am Ende vor allem Helmut Deutsch für seine jahrelange Tätigkeit im Musikverein nochmals gebührend Ehre erwies. Ein gelungener Liederabend!

Diagonale UniSpecial’17: „Maikäfer flieg“

Das war das Kultref Diagonale’17 UniSpecial! Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für die großartige Unterstützung und bei unseren Gästen für das zahlreiche Erscheinen. Es war uns ein inneres Blumenpflücken.

Gemeinsam mit den Kooperationspartnern Diagonale’17 – Festival des österreichischen FilmsHTU GrazÖH KUG und UniScreen wurde abseits des schnelllebigen Universitätsalltages ein wenig Raum für die Studierenden geschaffen, um ihnen die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Film-Kultur anzubieten. Ein Rahmenprogramm durfte neben einem eiskalten Eule Koffeinbier natürlich auch nicht fehlen.

Neben der Vorstellung des umfangreichen Diagonale-Festivalprogramms 2017 durch die Diagonale-Intendanz Sebastian Höglinger stattete auch Regisseur Markus Mörth dem Uni Kino einen Besuch ab und sprach über seinen neuesten Dokumentarfilm  Boris Bukowski – Fritze mit der Spritze. Bevor mit den Worten „Film ab“ der Hauptteil eingeläutet wurde, erwartete die Zuhörerschaft eine Hörsaalverlosung – vielen lieben Dank an die Diagonale, die HTU Graz und die ÖH KUG, die uns die Preise zur Verfügung gestellt haben.

Gezeigt wurde der Eröffnungsfilm der Diagonale’16: Maikäfer flieg, die preisgekrönte Literaturverfilmung mit u.a. Ursula Strauss nach dem autobiographischen Roman von Christine Nöstlinger. Ihre Aufzeichnungen über das Jahr 1945 in Wien – eine Zeit in der Angst allgegenwärtig war und wo dennoch wertvolle Erinnerungen verborgen liegen – berichten und berühren zugleich.

3. Liederabend (Musikverein Graz)

Ein Liederabend mit Weltstar Piotr Beczala und Helmut Deutsch am Flügel ging am Samstagabend im Grazer Musikverein mit standing ovations zu Ende. Eine Rezension zum Konzert.

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Piotr Beczala (credits go to Johannes Ifkovits)

In der Kleinen Zeitung schrieb Beate Frake in ihrer Rezension zum dritten Liederabend des Musikvereins Graz: „Klang Beczalas prächtiger Tenor in ‚Dichterliebe‘ anfangs noch etwas gepresst – eine kleine Indisposition mochte auch der Grund für kaum merkbare Anspannung des Sängers sein -, erschien der Zyklus doch durchgeformt, präzise artikuliert und mit steigender Dramatik.“ Damit hat Frake das Wesentliche zur Sprache gebracht, denn „gepresst“ klang Beczalas sonst so große Tenorstimme in der ersten Hälfte des Liederabends tatsächlich. Doch gab es dafür einen Grund: So gab Beczala im Anschluss an das Konzert bekannt, er hätte unter dem Einfluss von Antibiotika gesungen. Wie Frake allerdings auch schreibt, hat Beczala sich gesteigert: Sowohl innerhalb des Zyklus als auch innerhalb des Konzerts im Allgemeinen. Die zweite Konzerthälfte mit polnischen, tschechischen und russischen Liedern von Mieczyslaw Karlowicz, Antonín Dvorák und Sergej Rachmaninov bestritt der gebürtige Pole Beczala mit mehr Schwung und Überzeugungskraft als noch in der „Dichterliebe“ der ersten Hälfte. Aber auch im Schumann’schen Zyklus gab es Höhepunkte: Vor allem die zarten leisen Lieder wie das berühmte Eröffnungslied „Im wunderschönen Mai“ oder „Hör‘ ich das Liedchen klingen“ brachte Beczala mit großem Einfühlungsvermögen hervor. In „Ich grolle nicht“ hingegen gelang Beczala alles, nur kein Grollen. Auch Helmut Deutsch wirkte gerade bei diesem Lied in der Begleitung sehr fade. Jedoch nicht immer war sein Spiel uninspiriert. In Lied Nr. 13 „Ich hab‘ im Traum geweinet“ entschied er sich dazu, Beczala die erste Strophe unbegleitet vortragen zu lassen. Der Effekt gab ihm für diese doch sehr eigenwillige Abweichung von der Partitur recht!

Alles in allem hat der Abend große Unterhaltung geboten. Man darf hoffen, dass Beczala uns auch künftig in Graz beehren wird!

An dieser Stelle sei außerdem auf die heute präsentierte Saison 2017/18 des Grazer Musikvereins verwiesen. Wieder finden sich spannende Liederabende im Programm, u.a. mit Simon Keenlyside oder René Pape: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/