Günstig in Theater, Oper und Co.? So geht’s!

Mal einen Abend lang den Uni-Stress vergessen und sich stattdessen den Welten hingeben, die sich auf Bühnen auftun – in Graz geht das auch mit kleinem Budget. Wir verraten euch, wie ihr am günstigsten – oder sogar gratis – in Schauspielhaus, Oper und Co. kommt. 

* Unbezahlte Anzeige

Andere Städte der gleichen Größe würden Graz um das Kulturangebot beneiden – das hört man öfters mal. Doch da ist was dran. Und vor allem: Die Kulturszene muss nichts Elitäres, Abgekartetes sein. Denn vor allem in Graz gibt es für Studis und junge Menschen großartige Angebote, die das Eintauchen in tödliche Dramen, leidenschaftliche Liebesgeschichten und wunderschöne Klangwelten ermöglichen. Ohne dabei das halbe Monatsbudget zu verschlucken.

Spontane Schnäppchen

Die besten Plätze um 5 Euro? Mit ein bisschen Glück kein Problem. Denn mit einem gültigen Studierendenausweis könnt ihr euch eine halbe Stunde vor Beginn einer Vorstellung um eine Restkarte bemühen. Dieses Angebot gilt bis zum 27. Geburtstag für das Schauspielhaus Graz und den Musikverein (bis 26 Jahre, 20 Euro bis 30 Jahre); in der Oper Graz kosten die Restkarten 8 Euro; für die Konzerte von recreation reicht es, jünger als 27 zu sein. Ausgenommen sind hier meistens Premieren und Sondervorstellungen.

Zu ausgewählten Terminen bietet das Schauspielhaus die „Stückgespräche“ und die Oper den „Nachklang“ in Kooperation mit der ÖH Uni Graz an: Um 5 bzw. 8 Euro könnt ihr eine Vorstellung besuchen und danach mit Mitwirkenden über das Gesehene sprechen. Die Termine und Infos zur Anmeldung findet ihr hier (Oper) und hier (Schauspielhaus) bzw. auf der Facebook-Seite des Kultref – Kulturreferat der ÖH Uni Graz.

(c) Lupi Spuma

Darf’s ein Schiller sein? Der Dramen-Klassiker „Maria Stuart“ im Schauspielhaus (c) Lupi Spuma

 

Halber Preis, volles Erlebnis

Wer sich den Sitzplatz gerne selbst aussucht, spart in jungen Jahren an den meisten Grazer Kulturinstitutionen die Hälfte des Kartenpreises. Im Schauspielhaus (Haus eins), der Oper, beim styriarte-Festival, den recreation- und psalm-Konzerten sowie im Musikverein spart ihr bis zu eurem 27. Geburtstag 50 % von Karten- und Abopreisen. In Haus zwei und drei des Schauspielhauses bezahlt ihr 9 bzw. 8.50 Euro. Im Next Liberty zahlt ihr mit Studierendenausweis den ermäßigten Preis von 12.50 Euro für jedes Stück, im Theater am Ortweinplatz (TaO!) 10  und im Theater im Bahnhof 13 Euro. Kino-Fans genießen bei der Diagonale den reduzierten Preis von 7 Euro (Studierende bis zum 27. Lebensjahr).

Wer seine Tage gerne im Museum verbringt, erhält auch im Universalmuseum Joanneum mit Studi-Ausweis und vor dem 27. Geburtstag eine 24-Stunden-Karte um 6 Euro (statt 13) und im Künstlerhaus – Halle für Kunst und Medien um 2 Euro.

Bezahlen mit deiner Meinung

Schließlich: Es gibt einen altersunabhängigen Weg, um gratis an Karten für die Grazer Kulturinstitutionen zu kommen – indem ihr Mitglied des „blog4tickets“-Teams werdet.  Voraussetzung ist, an einer Grazer Uni inskribiert zu sein und Lust am Schreiben zu haben. Wer eine Rezension am Blog veröffentlicht, bekommt zwei gratis Karten für eine Kulturveranstaltung seiner/ihrer Wahl, und zwar in der Oper, im Schauspielhaus, Next Liberty, Diagonale und noch vielen mehr. Ihr habt Blut geleckt? Meldet euch mit einer Beispielsrezension unter kultur@oehunigraz.at.

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Vom großen Generationenspalt und blonden Perücken

Man nehme: Fünf junge SchauspielerInnen, alle zwischen 11 und 12 Jahren alt, und stelle sie gemeinsam mit Manfred „Ossi“ Weissensteiner auf die TaO-Bühne.
Man bekommt: Einen erlebnisreichen Abend mit Bildern, die sich einprägen. Die Message hinter der skurrilen Szenerie lädt auch am Weg nach Hause noch zum Denken ein  – alles verpackt im derzeitigen TaO-Projekt „Prophezeiungen„.

Wenn das Aufbauen der Kulisse einen Teil des Stückes darstellt, ist man gewiss im TaO, dem Theater am Ortweinplatz. Auf den Schultern ein unhandliches Kreuz tragend, eröffnet der Theaterinhaber-und Gründer Manfred Weissensteiner als Protagonist den Abend. Den Zuseher noch immer im Unklaren lassend, beendet er die Aufbauarbeiten mit dem Verstreuen von Kreidesteinen und nimmt Apfelspalten-essend Platz. Kurzerhand versinkt die gesamte Bühne im Nebel, die Unklarheit nimmt Gestalt an. Wie ein Schauplatzwechsel, der den entschlossen-wirkenden Mann samt dem Publikum in eine unbekannte, schauererregende Atmosphäre entführen soll.

Der Schauer wird spätestens erregt, als die (in unserem Fall nur) vier jungen DarstellerInnen die Bühne betreten (Anouk Hagemann, Simon Mitrovic, Melanie Muhrer, Felicia Sobotka und Ronja Ulrych). Ohne eine Miene zu verziehen marschieren sie monoton und im Gleichschritt über die Bühne, sie wirken sicher aber ohne Ziel. Die Kostümierung scheint simpel; Anzugshose, weißes Hemd – und am Kopf eine blonde Perücke. Trotz der Einfachheit der Kleidung erfüllt diese ihren Zweck insofern, dass alle vier dasselbe tragen, dass alle gleich aussehen, ohne Abweichungen.

Diese Gleichheit spiegelt sich auch in den Taten und Gesten der „Wesen“ wieder. Macht’s einer, folgen die anderen. Egal, um was es sich handelt. Ob dies auf blindem Vertrauen, fehlender Selbstsicherheit oder Denkfaulheit beruht, ist unklar. Der Besucher hat selbst zu entscheiden, was der Grund sein möge, manch einer erkennt sich selbst vielleicht sogar wieder. Aber eines ist gewiss: Geheuer ist das, was auf dieser Bühne passiert, keinesfalls. Man wünscht sich, es würde endlich einer aus der Reihe tanzen. Wie im realen Leben?

So versucht der Mann, den Weissensteiner verkörpert, dieser Spezies unter allen Umständen näher zu kommen. Aufgezeichnete Erfahrungsberichte an seine Frau erläutern seine Befindlichkeiten und dienen zusätzlich als Verständnishilfe für das Publikum, denn Sprache kommt nur selten zum Einsatz.

Es ist ein Generationenkonflikt, der einem in diesem Stück vor Augen geführt wird. Anfangs nicht ganz augenscheinlich, wird dies im Laufe des Abends immer deutlicher. Die Absurdität, mit der diese „Spezies der neuen Generation“ von dem Mann behandelt und umschrieben wird, zeigt deutlich, wie groß die Lücke inzwischen sein muss. Der Regisseur Simon Windisch bemüht sich, in „Prophezeiungen“, eben diesen Spalt zu betonen, wobei die „Jungen“ dabei allgemein schlechter und unsympathischer wegkommen als die „Alten“. Alles in allem ein sehr imponierender Abend mit schaurig-schönen Kulissen und begabten SchauspielerInnen, die mit Leichtigkeit eine ganz eigene Atmosphäre auf die TaO-Bühne bringen.

Raum voller Licht

Fünf Personen erzählen dem Publikum gemeinsam von jemandem, den sie verloren haben. Museum of memories ist der Name dieses berührenden, humorvollen Stückes, das im TaO! im Rahmen des Festivals spleen*graz von Künstler*innen der Vereinigung NIE (New International Encounter) aufgeführt wurde.

Wenn man stirbt, geht das Blut aus dem Kopf raus und die ganzen Gedanken sind verschwunden. Selbst die geringen mathematischen Fähigkeiten, die Erinnerung an scharfes Essen oder an den ersten Kuss, das alles erlischt. Aber es gibt Menschen, die einen kannten und liebten und so lebt man in ihren Erinnerungen weiter. Doch was ist, wenn schließlich sie irgendwann nicht mehr leben, wenn auch aus ihren Köpfen das Blut samt den gesammelten Erinnerungen entschwunden ist? Dann ist man wirklich weg.

Das Publikum, auf klapprigen Campingstühlen sitzend, befindet sich auf der kleinen Bühne des TaO! in einem intimen Rahmen, umgeben von Kästen mit alten rostigen Schubladen voller Erinnerungen. Schon zu Beginn ist allen Zuschauenden bewusst, dass am Ende der Tod kommen wird; denn Marcus, die Hauptfigur, wird sterben. So beruht das Stück zum Teil auf wahren Geschichten von Familien, die Erfahrungen mit Suizid machen mussten. Und doch ist es keine Geschichte über das Sterben und den Tod selbst und Marcus´ Beweggründe, sich umzubringen, bleiben weitgehend undurchsichtig. Vielleicht ist es auch unrealistisch, zu erwarten, dass die Hinterbliebenen dies erklären könnten, vielmehr konstruieren diese- der Bruder, die Freundin, die Lehrerin und der Nachbar- gemeinsam ein Bild von Marcus´ Leben, auf erzählende, singende und schauspielende Weise und Marcus selbst ist auch dabei, beim Erinnern an die eigene Vergangenheit.

Gemeinsam mit dem Publikum versetzen sie sich in die Zeit der 80er, damals, als Marcus noch klein war, als die WM in Mexiko stattfand und alle einen Walkman mit sich herumtrugen. Marcus, das ist der jüngere Bruder, der immer hinter dem großen Bruder nachgeht und überall dabei sein will. Ein kleiner Frechdachs, der gleich damit droht, der Mutter alles zu erzählen, sollten die Dinge nicht zu seiner Zufriedenheit laufen. Das Publikum nimmt nicht die vollständige Biographie von Marcus in sich auf, vielmehr lebt es in einigen wenigen Ausschnitten mit und fühlt sich in die Zeit hinein, die er gemeinsam mit anderen erlebt. Und so manövrieren sich die beiden Brüder immer wieder im Laufe des Älterwerdens gemeinsam in Situationen, in denen inmitten Wortgefechten und scheinbar ausweglosen Lagen auf einmal doch klar wird, dass eine tiefe gegenseitige Zuneigung besteht.

Das Stück zeigt, dass ein Mensch fast nicht unabhängig von seinem Bezugssystem zu verstehen ist. Denn um Marcus´ Wesen kennenzulernen, braucht es neben dem großen Bruder, der eine zentrale Rolle im Leben von Marcus spielt, auch Marcus´ erste Liebe. An ihr schätzt dieser besonders ihre zur Schau gestellte Wut, denn sie echauffiert sich permanent über irgendetwas und will unbedingt wegziehen; das Leben hier sei nicht mehr aushalten. Auch die Lehrerin ist eine relevante Bezugsperson, sie begleitet die Brüder beim Aufwachsen und Großwerden und ist ihnen nicht nur Lehrperson, sondern auch Freundin. Und schließlich ist selbst der Nachbar ein bedeutender Bestandteil, der sich im Hintergrund haltend, zu jeder Szene den passenden Soundtrack liefert.

Hören wir anders zu, nehmen wir anders wahr, wenn wir wissen, dass sich jemand am unausweichlichen Ende der Geschichte umgebracht haben wird? Vielleicht suchen wir nach Anzeichen und Hinweisen, nach denen die Angehörigen nur noch retrospektiv fanden können. Doch selbst für das Publikum, das vermutlich nicht anders kann, als den Blick ab und zu etwas gezielter auf Marcus´ Gemütszustand zu richten und auf mögliche Signale zu achten, ist es fast unmöglich, eine eindeutige Erklärung zu finden. Obwohl durchaus später klar wird, dass sich in den unternehmungslustigen, aufgeweckten Jungen, der einen stets breit lächelnd anblickt, einige dunkle Gedanken hineingegraben und festgesetzt haben. Alles vergehe immer so schnell, er hätte manchmal Angst, hinunterzufallen. Und andererseits, grübelt er nach, stürzte er möglicherweise doch gerade dann, hielte er für einen Moment inne. Das Leben käme ihm vor wie eine Reihe von dunklen Tunnel, meint er nachdenklich an einer Stelle. Doch dann gäbe es besonders schöne Momente und er fühle sich, als befände er sich in einem Raum voller Licht zwischen zwei Tunnel.

Vielleicht ist mitunter das Besondere an diesem Theaterstück, das die tote Person anwesend ist. Denn für gewöhnlich, wenn ein Mensch unerwartet stirbt, kramen die Hinterbliebenen mehr oder weniger ratlos in den Trümmern dessen, was noch übriggeblieben ist und versuchen verzweifelt, irgendwo Antworten zu finden. Wie leicht ist es, sich etwas über eine verstorbene Person zusammenzureimen, anhand von Tagebucheinträgen, Fotos, Erlebnissen, Erzählungen anderer. Zu wissen, dass die anderen abhängig sind von deinen Erinnerungen, da du diese all die Jahre konserviert hast, verleitet vielleicht zum Ausschmücken, Weglassen, Abschleifen, Hinbiegen, Verwischen und Neuerfinden.

In diesem Stück hingegen ist Marcus anwesend und so sind die Momentaufnahmen mitunter gefärbt von seiner Wahrnehmung, denn stur und trotzig, wie er ist, muss er immer recht behalten. Ab und zu flüstert er seinem großen Bruder ins Ohr, während dieser dem Publikum etwas erzählt, und bessert ihn aus. So wird durch ihn die Geschichte noch lebendiger und greifbar. Nach der Vorstellung hat man das Gefühl, mit Marcus und seinem Bruder mitgelebt zu haben. Als wäre man mit den Brüdern am Balkon gestanden, auf dem sie einander selbst ausgesperrt haben, oder hätte sich gemeinsam mit Marcus im Wandschrank versteckt gehabt, den großen Bruder heimlich beobachtend, als dieser das erste Mal (fast) Sex hatte.

Und auch nach der Vorstellung bleibt noch ein wenig der intimen Atmosphäre vorhanden. Die Zuschauenden werden dazu animiert, in Eigenregie in den Schubladen zu stöbern, stoßen dabei auf ein Sammelsurium an Wollpullovern, Zeichnungen und Kassetten und werden dazu eingeladen, selbst eine Botschaft dazulassen.

Mit Museum of Memories haben die norwegischen, tschechischen und britischen Künstler*innen von NIE ein Stück voller fröhlicher Melancholie geschaffen und den Zuschauenden gleich mehrere Momente voller Licht zwischen zwei Tunnel geschenkt.

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