Schönheit und Hässlichkeit als Schwestern

Dorian Gray mit roten Highheels? Gespielt von einer Frau? Im digitalen Zeitalter? Ja, das geht. Das TaO! beweist es auf schrille und eindringliche Weise.

Schaufensterpuppen ohne Kopf, Armen, Beinen. Mehrere perfekte Torsi schmücken die hauptsächlich weiße Bühne. Dahinter stehen zwei idente weiße Schminktische. Links, rechts und auf der Rückwand schöne Fotos. Sie verlieren ihre Schönheit im Laufe des Stückes. Das Alter setzt ihnen zu. Und auch die Reinheit des Weiß verliert an Makellosigkeit. – Muss doch ein roter Teppich ausgerollt werden. Nur die Torsi bleiben beinahe unverändert. Auf ihnen sitzen die beiden Schauspielerinnen Bianca und Dilara Foscht. Sie küssen sie. Auf ihnen versuchen sie wackelig zu stehen. Fallen herunter, als eine die andere schupst. Einen festen Stand kann man auf den Schultern der puren Schönheit nicht entwickeln. Doch trotzdem streben sie danach. Sie? Wir! Die Jugend unserer Zeit. So hebt es diese TaO!-Produktion zumindest plakativ hervor. Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“ ist nur Bezugsfläche, dient als Sprungbrett, um das Gespräch der eineiigen Schwestern in unerwartet Hohes, Tiefes, Persönliches zu katapultieren. Sie sprechen über ihre eigene Angst, die Schwester könnte besser oder schöner sein. Sie schlüpfen in die Rollen von Dorian Gray und Sibyl Vane. Personifizieren Schönheit und Hässlichkeit. Bekämpfen sich auf Leben und Tod. Eine durchgängige Erzählung tritt dabei nicht zu tage. Eine Botschaft aber sehr wohl: Dass eine Flucht vor der Hässlichkeit nicht gelingen kann. Entweder äußerlich oder innerlich bahnt sie sich ihren Weg an die Oberfläche. Und das Dank Steffi Jöris (Choreografie), Edi Haberl (Visuals) und Georg Klüver-Pfandtner (Maskencoach) auf eindrucksvolle Art. Denn in dieser Produktion von Verena Kiegerl wählte das Team zu Recht den Untertitel „Pictures of Beauty“ und ermöglicht einen Schnelldurchlauf durch heutige Präsentationsformen von Schönheit: Catwalk, Tanz mit dem Schminktisch, maskuline Bewegungsmuster, ein YouTube-Schmink-Tutorial, grotesk übertriebenes Make-up, alternde Fotos. All diese Bilder besitzen tiefe Eindringlichkeit und verankern sich machtvoll in der Erinnerung der Besucher. Die geringe Länge des Stückes und die wirkungsvollen Licht- und Ton-Effekte tragen wesentlich zu einem kurzweiligen, doch zum Reflektieren anregenden Abend bei. Zu sehen ist „Dorian Gray – Pictures of Beauty nach Oscar Wilde“ erneut im Jänner. Nähere Informationen finden Sie hier.

(c) Clemens Nestroy

Wer gewinnt im Weltraum-Labyrinth?

Das Planetenparty Prinzip, Theater am Ortweinplatz und Regisseur Simon Windisch haben mit „Das Space Maze Game“ ein Mammutprojekt erschaffen, das seinesgleichen sucht. Das ultimative Mitmachtheater – und kein bisschen schrecklich!

Alles, was hier im Titel steckt, stimmt tatsächlich: Das Publikum betritt das TaO! und damit ein Raumschiff. Die Menschen auf diesem Generationenschiff sind verschwunden, menschenähnliche Klone sollen einen neuen Planeten bald bevölkern – es sind Fragen nach dem Bewahren und Verwerfen, nach Werten und Kulturtechniken, die man sich hier stellen muss.

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Foto: (c) Clemens Nestroy (2)

 

So bekommt jede*r Zuschauer*in – oder besser gesagt: jeder Klon – eine Nummer und einen Datenstecker zugewiesen. Die fünf Teamleiter*innen (Victoria Fux, Nora Winkler, Moritz Ostanek, Alexander Benke, Carmen Schabler) führen in das riesige Space-Labyrinth – wobei wir bei „Maze“ wären. Nicht nur die Bühne des TaO!, sondern das gesamte Haus hat Bühnenbildnerin Leonie Bramberger zu einem kunterbunten futuristischen Paralleluniversum gemacht.

Videospiel im Theaterkostüm

Und dann wird gespielt. Es ist ja immerhin ein „Game“: Punkte können sich die Klone mit verschiedenen Aufgaben verdienen. Wer das pinke kuschelige Viech spazieren führt oder mit der muskulösen Fitnesstrainerin eine Runde joggt, erhält 100 Daten. Manchmal muss man sich durch drei, vier verworrene Stationen kämpfen, um eine Aufgabe zu erfüllen.

Das Unglaubliche daran ist, dass das Space Maze Game tatsächlich funktioniert. Die Software, die dafür von Christina Pagger entwickelt wurde, zählt den Punktestand mit und überträgt ihn auf eine Besten-Liste an der Kontrollbrücke. Die schiere Dimension des Space Maze, die detaillierten Kostüme und Räume, die ausgearbeiteten Rollen der einzelnen Charaktere mit bunten Gesichtern – all das hinterlässt mächtig Eindruck. Bei über drei Stunden Spielzeit keine Langeweile aufkommen zu lassen und gleichzeitig zu fragen, wie eine Gesellschaft entsteht und was von heute bleiben wird – eine Leistung, die ihresgleichen sucht.

Weitere Infos und Tickets hier.

Günstig in Theater, Oper und Co.? So geht’s!

Mal einen Abend lang den Uni-Stress vergessen und sich stattdessen den Welten hingeben, die sich auf Bühnen auftun – in Graz geht das auch mit kleinem Budget. Wir verraten euch, wie ihr am günstigsten – oder sogar gratis – in Schauspielhaus, Oper und Co. kommt. 

* Unbezahlte Anzeige

Andere Städte der gleichen Größe würden Graz um das Kulturangebot beneiden – das hört man öfters mal. Doch da ist was dran. Und vor allem: Die Kulturszene muss nichts Elitäres, Abgekartetes sein. Denn vor allem in Graz gibt es für Studis und junge Menschen großartige Angebote, die das Eintauchen in tödliche Dramen, leidenschaftliche Liebesgeschichten und wunderschöne Klangwelten ermöglichen. Ohne dabei das halbe Monatsbudget zu verschlucken.

Spontane Schnäppchen

Die besten Plätze um 5 Euro? Mit ein bisschen Glück kein Problem. Denn mit einem gültigen Studierendenausweis könnt ihr euch eine halbe Stunde vor Beginn einer Vorstellung um eine Restkarte bemühen. Dieses Angebot gilt bis zum 27. Geburtstag für das Schauspielhaus Graz und den Musikverein (bis 26 Jahre, 20 Euro bis 30 Jahre); in der Oper Graz kosten die Restkarten 8 Euro; für die Konzerte von recreation reicht es, jünger als 27 zu sein. Ausgenommen sind hier meistens Premieren und Sondervorstellungen.

Zu ausgewählten Terminen bietet das Schauspielhaus die „Stückgespräche“ und die Oper den „Nachklang“ in Kooperation mit der ÖH Uni Graz an: Um 5 bzw. 8 Euro könnt ihr eine Vorstellung besuchen und danach mit Mitwirkenden über das Gesehene sprechen. Die Termine und Infos zur Anmeldung findet ihr hier (Oper) und hier (Schauspielhaus) bzw. auf der Facebook-Seite des Kultref – Kulturreferat der ÖH Uni Graz.

(c) Lupi Spuma

Darf’s ein Schiller sein? Der Dramen-Klassiker „Maria Stuart“ im Schauspielhaus (c) Lupi Spuma

 

Halber Preis, volles Erlebnis

Wer sich den Sitzplatz gerne selbst aussucht, spart in jungen Jahren an den meisten Grazer Kulturinstitutionen die Hälfte des Kartenpreises. Im Schauspielhaus (Haus eins), der Oper, beim styriarte-Festival, den recreation- und psalm-Konzerten sowie im Musikverein spart ihr bis zu eurem 27. Geburtstag 50 % von Karten- und Abopreisen. In Haus zwei und drei des Schauspielhauses bezahlt ihr 9 bzw. 8.50 Euro. Im Next Liberty zahlt ihr mit Studierendenausweis den ermäßigten Preis von 12.50 Euro für jedes Stück, im Theater am Ortweinplatz (TaO!) 10  und im Theater im Bahnhof 13 Euro. Kino-Fans genießen bei der Diagonale den reduzierten Preis von 7 Euro (Studierende bis zum 27. Lebensjahr).

Wer seine Tage gerne im Museum verbringt, erhält auch im Universalmuseum Joanneum mit Studi-Ausweis und vor dem 27. Geburtstag eine 24-Stunden-Karte um 6 Euro (statt 13) und im Künstlerhaus – Halle für Kunst und Medien um 2 Euro.

Bezahlen mit deiner Meinung

Schließlich: Es gibt einen altersunabhängigen Weg, um gratis an Karten für die Grazer Kulturinstitutionen zu kommen – indem ihr Mitglied des „blog4tickets“-Teams werdet.  Voraussetzung ist, an einer Grazer Uni inskribiert zu sein und Lust am Schreiben zu haben. Wer eine Rezension am Blog veröffentlicht, bekommt zwei gratis Karten für eine Kulturveranstaltung seiner/ihrer Wahl, und zwar in der Oper, im Schauspielhaus, Next Liberty, Diagonale und noch vielen mehr. Ihr habt Blut geleckt? Meldet euch mit einer Beispielsrezension unter kultur@oehunigraz.at.