Bunt, so bunt..

Wolfgang Amadeus Mozarts Meisterwerk „Don Giovanni“ schillert auf der Grazer Opernbühne: eine bunte Mischung aus soliden musikalischen Darbietungen, einem szenografisch wandelbaren Bühnenbild und zeitgenössisch überzogener Inszenierung.

Don Giovanni liebt die Frauen und die Frauen lieben ihn. Großteils gebunden und doch sehnsüchtig nach Freiheit, verfallen sie alle dem Casanova. Er feiert das Leben, bis Mord und Intrigen seine Abenteuer überschatten, seine Liebschaften sich gegen ihn stellen und sein Leben dem Untergang geweiht ist.

Wer ein zu Mozarts Zeiten herrschendes Gesellschaftskonstrukt erwartet, wird von dem Aufruf nach Freiheit, dem Lossagen von Klassentrennung und den starken, emanzipierten Frauencharakteren überrascht sein. So weit, so gut. Und doch verwirrt Elisabeth Stöppler so manche BesucherInnen mit ihrer gegenwartsnahen Inszenierung. Warum reichen die Protagonisten drei Stunden lang ein Smartphone am Gimbal herum? Wieso ist einzig der alle betörende Don Giovanni gekleidet wie ein unscheinbarer Tölpel? Und welchen Mehrwert bringt die stumm umherwandelnde Frau Leporellos?

blog4tickets_07_Oper_Don-Giovanni-2_c_Werner-Kmetitsch© Werner Kmetitsch

Solide musikalische Leistungen trösten über die ausbleibenden Antworten hinweg. Dramatisch und temporeich führt Andrea Sanguineti mit den Grazer Philharmonikern durch den Abend, setzt in den Rezitativen Akzente mit opernfremden Passagen und gibt der Oper mit den begabten SängerInnen das Stück von Mozarts Seele zurück, das in der Inszenierung verloren geht.

Zwar ebenso wenig klassisch, aber durchaus geglückt ist das Bühnenbild von Annika Haller: ein wandelbares, kubisches Haus auf einer Drehbühne bietet eine spannende Projektionsfläche für die abstrakte Videoarbeit von Sarah Derendinger. Sebastian Alphons rückt noch alles ins rechte Licht und die Szenografie ist auf dem Punkt.

Auf einen gemeinsamen Nenner kommt das Publikum jedoch nicht, der Applaus ist begeistert bis verhalten, die Stimmung und das getuschelte Feedback im Foyer ist ebenso bunt wie die tollen Kostüme von Su Sigmund, aber zu bunt wurde es wohl doch keinem.

Weitere Informationen zur Oper finden Sie hier.

Marry the man today and change his ways tomorrow

Endlich, nach rund 70 Jahren ist es soweit. Guys and Dolls, der allseits bekannte Broadway Klassiker von Damon Runyon und Frank Loesser hat es auf die Grazer Opernbühne geschafft. Die lebhafte Inszenierung von Henry Mason ist ein Muss für jeden Musicalbegeisterten.

New York, Mitte des 20 Jahrhunderts. Während die gutgläubige Missionsleiterin Sarah Brown, gespielt von Johanna Spantzel, verzweifelt versucht die armen Sünder des Broadways davon zu überzeugen, das Glücksspiel hinter sich zu lassen, hat der Würfelspielorganisator Nathan Detroit, gespielt von Rob Pelzer, ein ganz anders Problem. Er ist auf der Suche nach einen neuen Veranstaltungsort für seine nächtlichen Eskapaden. Doch dafür braucht er erstmal einen ganzen Haufen Geld. Zum Glück ist der größte Spieler von allen, Sky Masterson (Christof Messner), gerade in der Stadt. Mit dem Wissen, dass dieser niemals eine gute Wette ausschlägt, fordert Nathan ihn dazu heraus die religiöse Sarah davon zu überzeugen, mit nach Havanna zu reisen. Währenddessen wird Nathans langjährige Verlobte Miss Adelaide, gespielt von der wunderbaren  Bettina Mönch, von einem ganz anderen Problem geplagt. Schnupfen. Ausgelöst entweder von den knappen Kostümchen die sie als Fronttänzerin in der „Hotbox“ immer trägt, oder vielleicht doch aufgrund der Frustration nach 14 Jahren immer noch verlobt zu sein.

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© Werner Kmetitsch

Wie so oft im Leben kommt nichts wie geplant. Sarah fliegt doch mit nach Havanna, Sky erkennt das er mehr will vom Leben als das Glücksspiel, Adelaide hat endlich genug vom Warten und Nathan möchte seine Verlobte nicht verlieren. Am Ende erkennt vorallem Nathan, dass ein bisschen Veränderung dem Leben nicht schadet sondern es sogar besser machen kann.

Wie es so schön in der Stückeinführung gesagt wurde, bei Guys and Dolls handelt es sich um das perfekte Musical. Schwungvolle und abwechslungsreiche Musik (Grazer Philharmoniker unter der Leitung von Julian Gaudiano), fabelhafte Kostüme (Daria Kornysheva), fantastische Tanzeinlagen (Francesc Abós )und liebenswerte Charaktere mit humorvollen Dialogen.

Mehr Informationen und weitere Termine gibt es hier.

The heat is on…

…verspricht die Leuchtreklame in der Grazer Oper zu Recht. Knapp siebzig Jahre nach der Uraufführung am Broadway blüht das seither gefeierte Musical Guys and Dolls von Damon Runyon und Frank Loesser wieder auf und entfacht unter der Regie von Henry Mason und der musikalischen Leitung von Marcus Merkel wahrlich Feuer auf der Bühne.

Zumindest Funken fliegen genug: zwischen dem Kleinkriminellen Nathan Detroit (einem charmant linkischen und humorvollen Rob Pelzer) und der Nachtclubsängerin Miss Adelaide (einer glaubhaft verschnupften und liebenswerten Bettina Mönch) – schon seit vierzehn Jahren verlobt, aber für die Heirat ist der Herr doch nicht bereit. Dank einer Wette mit Nathan landet aber auch der Berufsspieler Sky Masterson (ein gekonnt verführender und authentischer Christof Messner) einen Glücksgriff mit der Heilsarmistin Sarah Brown (einer wandelbaren und doch nicht ganz so sündenfreien Johanna Spantzel) und verliebt sich unverhofft. Zur wohl vorhersehbaren Romanze gesellen sich illegales Würfelspiel, die Suche nach geeigneten Austragungsorten, Verfolgung durch die Polizei, schön schrille Abendshows und ganz viel 50er-Jahre-Charme.

Der Charme ist besonders spürbar in den fabelhaft nostalgischen Kostümen von Daria Kornysheva und im variantenreichen Bühnenbild von Hans Kudlich, welches im richtigen Licht von Guido Petzold beinahe glauben lässt, den Broadway der 50er-Jahre zu jeder Tageszeit erlebt zu haben. Francesc Abós sorgt für eine ausgeklügelte Choreographie und schöpft das tänzerische Potenzial der Darstellenden voll aus.

PhotoWerK_OG_GuysnDolls_HPII_HiRes_085© Werner Kmetitsch

Aber was ist ein Broadwaymusical ohne Musik? Darüber muss man sich in Guys and Dolls nicht den Kopf zerbrechen – die Grazer Philharmoniker leiten mit Schwung durch den Abend, die Besetzung brilliert mit reizenden Stimmen und dirigiert von Marcus Merkel geben sie nicht nur Klassiker wie Luck be a lady zum Besten. Das Premierenpublikum dankt mit stürmischem Applaus und Standing Ovations.

Weitere Informationen zum Musical finden Sie hier.