„Rote Erde und weißer Schnee“ – eine Geschichte über eine Vater-Tochter-Beziehung und den Grenzen des Helfens

Der Dokumentarfilm „Rote Erde und weißer Schnee“ erzählt von einer Vater-Tochter Beziehung, die ihren Ursprung beim Skifahren im weißen Schnee in Österreich hat und auf eine gemeinsame Reise nach Afrika führt. Mit ihrer Kamera zeichnet Christine Moderbacher den Alltag eines Hilfsprojekts auf, bei dem ihr Vater, ihr Onkel und ein Freund ihres Vaters dabei helfen eine Schule in einem kleinen Dorf im Südwesten von Nigeria aufzubauen. Aus den Filmmaterialien von ihrer Kamera und der alten VH8-Kamera ihres Vaters verbindet Christine Moderbacher dreierlei Perspektiven. Erstens die Beziehung zwischen Vater und Tochter, zweitens, Christines Sicht selbst, wie sie während des Aufenthalts in Afrika über das Helfen und den Sinn des Helfens nachsinnt und drittens, dem anpackenden Vater, mit der Devise: „Es gibt wichtigeres zu tun als Karten zu spielen.“ Während die Off-Stimme von Christine Moderbacher dem Film eine tiefgründige und nachdenkliche Note verleiht, wird der stets fleißig arbeitende Vater vor der Kamera selbstlos und ohne großes Nachdenken beim Reparieren eines Traktors, beim Aufbauen der Schule oder beim Ansäen von Mais gefilmt. Somit wird das Hilfsprojekt geschickt mit einer persönlichen Komponente verbunden, sodass man als Zuschauer die Geschichte aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachten kann.

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© Diagonale

Über die Grenzen des Helfens

Dass dieser Film persönlich ist, zeigt sich schon am Anfang, als Sequenzen von Christine und ihrem Vater beim Skifahren gezeigt werden und sie im Film erzählt, dass sie sich trotz Bedenken schlussendlich dafür entschieden hat, ihren Vater auf dieser Reise zu begleiten. Doch mit ihrer Kamera hält sie nicht nur Bilder von helfenden Menschen fest, sondern auch den manchmal trostlosen Alltag in Afrika und vor allem die kommunikativen Barrieren zwischen den Österreichern und den Afrikanern. Die Gespräche sind kurzbündig und inhaltslos, was schon bald ein frustrierendes Gefühl vermittelt. Die Unterschiede scheinen zu groß zu sein.

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©Diagonale

Als Christine Moderbachers Off-Stimme von den afrikanischen Kindern erzählten, die ihr heimlich Briefe in die Tasche steckten, wird klar, warum. Kannst du mir etwas kaufen? Nimmst du mich mit nach Österreich? Sind die Fragen, die am meisten vorkommen. Auch in anderen Gesprächen wird deutlich, dass nach wenigen Minuten das Thema immer wieder in die eine Richtung gelenkt wird. Bei einem Interview mit einem Mann, zeigt sich, dass die Menschen aus Afrika die Europäer einerseits als die großen, von Gott gesandten Helfer sehen und andererseits auch den Eindruck haben, dass sie aufgrund ihres Wohlstandes die Aufgabe von Gott bekommen haben, zu helfen. „You have to contribute to us.“, sagt er immer wieder. Wie kann man also helfen? Wann stößt man an seine Grenzen? Und wie kann man eine richtige Beziehung aufbauen, wenn die Diskrepanz zwischen den zwei Welten so groß scheint? All diese ungelösten Fragen stecken in dem Dokumentarfilm, der keine Antworten bietet. Und genau das ist es, was den Film so traurig, aber auch so authentisch und ehrlich macht.

 

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