Objektsalon Nr. 3: Lithophanie – Illusionsmedium des 19. Jahrhunderts

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(c) Stefanie Bachmann

Sammlungskurator Ulrich Becker stellte vergangenen Dienstag ausgewählte Objekte aus der ca. 35.000 Stück umfassenden Sammlung des Museum im Palais vor.

Die Situation erinnert fast an ein bürgerliches Wohnzimmer des 19. Jahrhunderts. Das quaderförmige Gestell zieren vier schnörkelig gerahmte und zwei rahmenlose Lithophanien, die vor einer LED-Lichtquelle stehen. Mit etwas Fantasie kann man das quaderförmige Gestell in einen Kaminsims und die LED-Lichtquelle in eine Kerze oder Petroleumlampe verwandeln, und schon ist man im 19. Jahrhundert.

Die Hochblüte der Produktion dieser in Vergessenheit geratenen Objekte währte nur von 1840 bis 1860. In diesem kurzen Zeitraum wurde das Illusionsmedium zu einem wichtigen Repräsentationsgegenstand der bürgerlichen Gesellschaft. Gefertigt wurde es aus Porzellan, nicht etwas aus Zelluloid, wie der semitransparente Eindruck vermuten ließe. Voraussetzung für die Herstellung war eine Vorlage. Obwohl das 19. Jahrhundert als Jahrhundert des Fortschritts gilt, war die Kunst äußerst retrospektiv. Am liebsten verwendete man bäuerliche Genrebilder, Portraits und Meisterwerke der Malerei. Diese Vorlagen wurden in ein Wachsmodell eingeritzt, wovon ein Gipsabdruck genommen wurde, welcher in eine Porzellanplatte gepresst wurde. Durch die daraus resultierenden unterschiedlichen Stärkegrade der Platte und den Einsatz von Gegenlicht trat das Motiv am „leuchtenden Stein“ in Erscheinung.

Nach einer Einleitung in die Geschichte und Herstellung der Lithophanie stellte Becker dann vier Objekte genauer vor. Darunter waren ein Bauernpaar, Kaiser Franz, der Stephansdom und ein Heiligenmotiv zu bestaunen.

Der Sammlungskurator betonte mehrmals, wie wichtig es sei, vermeintlichen „bürgerlichen Plunder von Tante Käthe“ nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Eine der wichtigsten Aufgaben der Kunstgeschichte und des Museums sei es, die Vielfalt kultureller Hinterlassenschaften zu erhalten.

Hier der Link zur Veranstaltungswebsite: http://www.museum-joanneum.at/museum-im-palais/ihr-besuch/veranstaltungen/events/event/09.06.2015/objektsalon-3-1

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